Gütersloh/Harsewinkel. 16 Kilometer zu Fuß, vom Gütersloher Rathaus bis nach Hause in Harsewinkel. Weil ihm eine Busfahrerin die Beförderung verweigert hatte, absolvierte der 15-jährige Karsten Budde diese Strecke am Freitagabend zu Fuß. Formal hatte die Busfahrerin Recht: Es war nach 18 Uhr, aber das Schulwegticket gilt nur bis 18 Uhr. Da half es dem Anne-Frank-Schüler auch nicht, dass er gerade von einer Unterrichtsveranstaltung kam.
Die Gesamtschüler hatten am Freitagabend die Ratssitzung im Rathaus besucht, um live zu erleben, wie Demokratie und Kommunalpolitik funktionieren. "Ich bin extra etwas eher gegangen, um den TWE-Bus um 18.40 Uhr noch zu erwischen", berichtet der Schüler. Er zeigte der Busfahrerin das Schulwegticket, aber nachweisen, dass er um diese Zeit noch von einer Schulveranstaltung kommt, konnte er nicht. Karsten Budde bat die Frau, trotzdem mitfahren zu dürfen, eine Bescheinigung könne er ja nachreichen. "Pech gehabt", antwortete die Busfahrerin, und der Junge, der kein Geld bei sich hatte, musste aussteigen.
Mit einem Gewaltmarsch vor sich tat er das nicht stillschweigend, sondern schimpfend, und schließlich versetzte er dem Wartehäuschen auch noch einen ordentlichen Tritt. "Die Busfahrerin hätte da flexibler sein müssen, aber am Ende hat sich Karsten auch nicht toll verhalten", sagt seine Mutter Birgit, die den Freitagabend in Sorge um ihren Jungen verbrachte: "Ich war auswärts bei einer Hochzeit." Wieder und wieder rief sie daheim an, um zu hören, ob ihr Sohn wieder da ist, aber der war noch auf dem Fußweg zwischen Gütersloh und Harsewinkel.
TWE-Betriebsleiter Winfried Erichlandwehr ist ebenfalls nicht glücklich über den Vorfall. Auch er meint, die Fahrerin, angestellt bei einem Fremdunternehmen, hätte den 15-Jährigen erst einmal mitnehmen können. Allerdings verweist Erichlandwehr auf die vielen Betrügereien, die rund um den Schülerverkehr immer wieder auffallen. Das mögen junge Leute sein, die außerhalb der regulären Zeiten gratis fahren wollen. Das mögen auch Leute sein, die gefälschte Ausweise vorzeigen und sich als Schüler ausgeben, obwohl sie keine sind – Menschen, die sich eine Gratisfahrt erschleichen wollen, zeigen viel Phantasie. "Damit haben wir immer wieder Ärger", sagt Erichlandwehr.
Mutter und Betriebsleiter haben gestern Abend miteinander telefoniert – und sich vertragen. Die Busfahrer sollen künftig flexibler sein, und der Schüler versprach, keine Haltestellen mehr zu treten.