Gütersloh. Diana Amft wuchs als Tochter eines Hausmeisters in Herzebrock-Clarholz auf. Heute spielt sie die angehende Berliner Chirurgin Gretchen Haase in der RTL-Arztserie "Doctor’s Diary". NW-Mitarbeiter Jan Rößmann verriet die 33-Jährige, warum sie sich im Kreis Gütersloh immer noch zuhause fühlt – und warum Frauen auf miese Typen stehen.
Frau Amft, damit Sie wissen, mit wem Sie sprechen: Ich bin Journalist der Neuen Westfälischen, einer Tageszeitung, die im Osten von NRW erscheint.DIANA AMFT: Die Neue Westfälische kenne ich sehr gut. Meine Oma aus Herzebrock freut sich sicher besonders über das Interview.
Apropos Oma. Fühlen Sie sich im Kreis Gütersloh noch zuhause?AMFT: Natürlich. Ich bin hier groß geworden und komme so oft wie möglich zwischen den Dreharbeiten und in den Ferien hierher. Ich gehe dann in Herzebrock spazieren und treffe Familie und Freunde. Das ist die absolute Entspannung für mich nach der Arbeit in Berlin oder Köln.
Welche Jugenderinnerungen haben Sie an Herzebrock?AMFT: Es war so schön ländlich bei uns. Ich denke zum Beispiel an die Schneckenrennen mit meinem Bruder. Viele unserer Nachbarskinder hatten Pferde, deshalb sind wir oft mit ihnen in die Wälder ringsherum ausgeritten. Später, als Jugendliche, wollte ich Stadtluft schnuppern und war oft mit dem Bus in Gütersloh mit Freundinnen einkaufen, im Freibad oder Kino.
Waren Sie als junges Mädchen auch ein Außenseiter wie Gretchen Haase in Doctor’s Diary – etwas runder und mit Zahnspange und Hornbrille? AMFT: Ich hatte auch eine Zahnspange und eine mindestens genauso hässliche Brille. Die fand’ ich damals aber total stylisch, denn mit einer Zahnspange gehörte man schon zu den Teenagern. Prinzessin wollte ich aber nicht werden, ich hab’ mich zu Karneval lieber als Indianer verkleidet.
Indianer sind ja auch viel mutiger als Prinzessinnen. Braucht man diese Eigenschaft, um als Tochter eines Herzebrocker Hausmeisters zum Fernsehstar zu werden?AMFT: Geholfen hat mir vor allem der Glaube, dass man alles schaffen kann, wenn man nur damit anfängt. Aber ich hatte auch harte Zeiten und bin oft beim Vorsprechen für diverse Schauspielschulen durchgefallen. Nach der Zusage aus München bin ich aber ’raus in die weite Welt. In Bayern kannte ich anfangs ja keine Menschenseele.
Indianer kennen keinen Schmerz. Aber können Sie auch Blut sehen?AMFT: Mir wird schon bei Filmblut schlecht, da geht meine Fantasie mit mir durch. Obwohl das nur nach Erdbeere riecht.
Wie können Sie dann glaubhaft eine Chirurgin verkörpern?AMFT: Ich versuche, Parallelen aufzubauen: Gretchen fühlt sich jetzt bestimmt so, als ob ihr Haus abgebrannt ist, oder ihr Hund gestorben. Glaubwürdigkeit ist mir sehr wichtig. Wenn es nicht authentisch ist, wird es auch nicht lustig.
Im Mai wurde Ihnen für Ihr authentisches Schauspiel sogar der Bayerische Fernsehpreis verliehen. Was hält Sie am Boden?AMFT: Die Ostwestfalen sind ja generell sehr bodenständig und meine Herzebrocker Familie hat mich auch genauso erzogen. Ich weiß, dass der Erfolg und mein momentanes Leben etwas Besonderes ist.
Warum ist Doctor’s Diary neben anderen Arztschmonzetten wie etwa Grey’s Anatomy oder Scrubs so erfolgreich?AMFT: Unsere Protagonisten sind nicht perfekt. Wir zeigen keine Halbgötter in Weiß, sondern junge Menschen, die Fehler haben wie du und ich. Die Geschichten sind nah am Leben, auch wenn das Geschehen manchmal absurd ist.
Am Ende der ersten Staffel sah es so aus, als käme Gretchen mit dem Fiesling Marc Meier zusammen. Woher kommt das Klischee, Frauen stünden auf miese Kerle?AMFT: Ich glaube, wenn man die ersten Erfahrungen macht, leiden viele Frauen am Helfersyndrom. So nach dem Motto: Ich bin diejenige, die ihn ändern kann. Ich allein erkenne, dass er ein großes Herz hat. Oft ist es ja auch so, dass man genau das will, was nicht so nahe liegt.
Bekommt Gretchen in den neuen Folgen denn endlich ihre große Liebe oder ist noch eine dritte Staffel geplant?AMFT: Ehrlich gesagt schreit das Ende der zweiten Staffel nach einer dritten. Es kommt sogar noch ein dritter Mann dazu: Ein attraktiver Millionär, durch den Gretchen bis nach Amerika kommt. Aber er bringt klar zum Ausdruck, dass er mich so richtig scheiße findet (lacht).
"Doctor’s Diary" ist voller Klischees – die verlassene Hausfrau, die böse Konkurrentin und Frauen, die dem größten Idioten verfallen. Finden Sie das nicht überzogen?AMFT: Es geht. Im Alltag erleben wir doch alle mal Situationen, die man in kein Drehbuch schreiben würde, weil sie übertrieben wären.