Gütersloh. Miele bleibt in der Krise standfest. Der Elektronikhersteller machte im turbulenten Geschäftsjahr 2008/2009 nur 1,3 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Dank der stabilen Entwicklung am deutschen Markt konnte das Unternehmen auch am Firmensitz wieder stark investieren. In Gütersloh sollen in einem neuen Testcenter bald Kaffeemaschinen auf 20 Jahre Betrieb geprüft werden - und Kühlschränke bei tropischen Temperaturen.
Miele-Betriebsrat Klaus Niebusch ist zufrieden: "Unter den Bedingungen liefen die letzten zwölf Monate gut", sagt der Gütersloher. Mit "den Bedingungen" meint Niebusch die Weltwirtschaftskrise. Insgesamt 2,77 Milliarden Euro Umsatz meldet der Elektrohersteller für das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr.
Der Auftragseinbruch ist vergleichsweise schwach: Im wirtschaftlich ungleich weniger turbulenten Vorjahr setzte das Unternehmen noch 2,81Milliarden Euro um. An der Personalpolitik in Gütersloh änderte die Unternehmensführung in den vergangenen Monaten daher wenig. "Man hört ja von anderen Betrieben, die Kurzarbeit im großen Stil einführen", sagt Niebusch. Das sei bei Miele "Gott sei Dank anders".
4.862 Mitarbeiter arbeiten momentan am Firmensitz in der Dalkestadt, das sind 29 Prozent aller Angestellten des weltweit operierenden Unternehmens. "Etwas weniger als im Rekordjahr davor", sagt Niebusch. Der Rückgang liege größtenteils an wenigen Leiharbeitern, deren Verträge nicht verlängert wurden. Befristet arbeiten momentan nur 30 Beschäftigte in Gütersloh, zusätzlich sind fünf Leiharbeiter eingestellt. Und die Prognosen sind positiv: Bis Ende des Jahres plane die Geschäftsführung keine Kurzarbeit. "Das ist wirklich erfreulich, was die Arbeitsplatzsicherheit angeht", sagt Klaus Niebusch.
Auch bei der Ausbildung von Fachkräften bleibt das Unternehmen engagiert. 195 junge Menschen werden momentan in 20 unterschiedlichen Lehrberufen am Unternehmenssitz ausgebildet. Die Zahlen sind seit Jahren stabil. "Miele bekennt sich klar zu den heimischen Wurzeln", bestätigt Unternehmenssprecher Carsten Prudent. Das war besonders im vergangenen Geschäftsjahr ein großes Pfund. Denn nachdem der Konzern seit Jahren einen immer größeren Teil seines Geldes im Ausland verdiente (mehr als 70 Prozent), gab es dort jetzt erstmals in der Firmengeschichte Umsatzrückgänge. Am Heimatmarkt hingegen machte Miele im 110. Jahr des Firmenbestehens mit 801 Millionen Euro den zweithöchsten Umsatz, den Miele in Deutschland je erreicht hat. Der Auslandsanteil am Umsatz sinkt damit von 73 auf 71 Prozent.
Bei den jüngsten Investitionen konzentriert sich die Konzernführung deutlich auf den ostwestfälischen Firmensitz: Von den 188 Millionen Euro, die das Unternehmen insgesamt in größere Bauvorhaben investierte, blieben 93 Millionen in Deutschland - und ganze 50 Millionen in der Dalkestadt.
Davon wurden zum Beispiel Maschinen umgerüstet, um neue Modellgenerationen zu fertigen. Doch den Löwenanteil kostete das neue Testcenter "Cool and Coffee international". Schon vorher prüfte der Konzern regelmäßig seine Geräte an mehreren technischen Standorten, doch bald ist die Probe-Einheit in Gütersloh zentralisiert. Waschmaschinen, Trockner und Kaffeemaschinen sollen hier dann mehrere Monatein komprimierter Dauerbelastung auf 20 Betriebsjahre getestet werden. Denn für so viele Jahre, stellt die Firma in Aussicht, sollen die Geräte funktionieren.
In kürzeren Funktionstest sollen die 49 Mitarbeiter des Labors außerdem Kühlschränke und Tiefkühltruhen auf Extrembedingungen testen, wie etwa subtropisches Klima, hohe Luftfeuchtigkeit oder starke Temperaturschwankungen. Ende September wollen die Firmenchefs ihr neues Schmuckstück in Gütersloh eröffnen. In dem Landkreis, in dem Carl Miele und Reinhard Zinkann die Firma im Jahr 1899 gründeten.