Gütersloh. "Das da vorne geht gar nicht", raunt Michael Frink und schüttelt energisch den Kopf. Grund seines Unverständnisses ist ein vermeintlich harmloser Plausch, geführt von zwei Frauen in der Schmuckabteilung eines großen Kaufhauses. Das Problem: Die beiden Damen arbeiten als Verkäuferinnen und sollten sich eigentlich um die Kunden kümmern. Dass sie es nicht tun, ist für Testkäufer Frink ein kapitaler Fehler.
Mehr als 200 Geschäfte in Gütersloh hat der Shoppingexperte in den vergangenen Monaten besucht, getestet und nach Kriterien wie Produktkompetenz, Servicequalität und Warenpräsentation bewertet. Schon seit Jahren testet er mit seinen Mitarbeitern Küchen- und Möbelhäuser. Seit Anfang dieses Jahres hat er das Bewertungsangebot um Einzelhandelsgeschäfte erweitert. In Bad Segeberg war er bereits im Frühjahr aktiv: "Der Gesamteindruck der Geschäfte dort war unterirdisch schlecht." In Gütersloh präsentierten sich die Einzelhändler deutlich besser.
Dabei ist ein Bummel durch die Innenstadt mit Frink alles andere als entspannend: Kaum betritt er ein Geschäft, wandern seine Augen im Laden umher. Er kontrolliert die Warenauslage ("lieblos gestapelt") und die Beschaffenheit der Verkaufsregale ("zu eng aneinander gestellt"). Seine Urteile sind oft kritisch, aber stets nachvollziehbar. "Meine Frau ist beim Einkaufen schon manchmal genervt von mir", erzählt der 46-Jährige lachend. "Aber ich kann eben schlecht aus meiner Haut."
Die Gütersloher Geschäfte hat er in Eigenregie und ohne Auftrag besucht und getestet. "Ich wollte mal systematisch schauen, wie es um den Einzelhandel hier bestellt ist." Die Ergebnisse will er am 3. Oktober präsentieren, einen Tag vor dem verkaufsoffenen Sonntag. "Insgesamt ist Gütersloh aber wirklich gut", lobt Frink. "Zehn Prozent der Geschäfte landen sogar in der Spitzenkategorie A." Die hiesigen Händler zeichneten sich durch Innovationsfreude und Kompetenz aus. Allerdings kritisiert er die Stadt: "Dass hier riesige Gelenkbusse durch die Innenstadt kurven, ist ein Unding."
Das gute Ergebnis für Gütersloh ist nicht zuletzt auf das Verkaufspersonal zurückzuführen. Bei seinen Tests achtet er auf viele Dinge: Ist das Namensschild gut zu erkennen? Tritt der Verkäufer freundlich auf? In einer Abteilung traktiert er eine Mitarbeiterin mit Fragen zu Ersatzteilen für einen Trockenrasierer ("nur die Produktbeschreibung ablesen kann ich selbst").
In einer anderen Abteilung hat er sich zuvor den Weg zu den Rasierern zeigen lassen. Dass die Verkäuferin von dort nicht selbst mitging, sondern ihm nur vage mit dem Finger den Weg wies, hält er für vollkommen falsch. Es reiche nicht, "nur die Himmelsrichtung" zu erfahren. "Verkäufer müssen verkaufen."