Polizei schließt den Massentest vorerst ab und kehrt in ihre Büros zurück / Warten auf die Ergebnisse
Gütersloh. Nach vier Wochen hat die Polizei den Massenspeicheltest im Fall Amtenbrink vorerst beendet. Den Mörder hat sie noch nicht gefunden. "Das heißt aber nicht, dass wir jetzt aufgeben", sagte Ralf Gelhot, Leiter der Mordkommission.
Fast 6.000 Menschen sind laut Gelhot bei dem Massentest bislang gespeichelt worden. Hinzu kommen 1.900 Proben aus dem Umfeld der Toten, die die Polizei in der ersten Ermittlungsphase genommen hat. Damit ist etwa jeder fünfte Mann in Gütersloh zwischen 14 und 80 Jahren bis dato gespeichelt worden.
Ob es dabei bleibt - diese Frage ließ Gelhot gestern offen. "Zunächst müssen wir abwarten, bis alle Ergebnisse vorliegen." Eine Ausweitung des Massentests auf weitere Stadtteile, von Gelhot vor vier Wochen angesprochen, sei nach wie vor eine Option. "Konkrete Aussagen dazu lassen sich aber noch nicht treffen."
Analyse bis Ende der Herbstferien
Etwa 3.300 Proben aus den ersten beiden Wochen seien inzwischen zum Landeskriminalamt nach Düsseldorf geschickt worden - ohne Treffer. Bis Mitte der Woche lägen sämtliche Ergebnisse dieser ersten Charge vor. Weitere 2.000 getrocknete Proben würden am kommenden Dienstag rausgeschickt. "Auch da müssen wir erst mal abwarten." Gelhot sagte, es werde wohl bis bis Ende der Herbstferien dauern, bis auch deren Analyse abgeschlossen sei.
Derzeit gebe es noch eine Lücke von rund 1.000 Personen - Männer, die man nicht erreicht habe, die verzogen, auf Montage, in Urlaub seien. "Das ist noch eine enorme Arbeit, die da auf uns zukommt." Die Auswertung werde Wochen in Anspruch nehmen. Die Mordkommission "Korn", für den Massentest auf 18 Mitglieder aufgestockt, werde zwar wieder auf 15 heruntergefahren, stehe aber keinesfalls vor ihrer Auflösung.
Auch von einer anderen polizeiinternen Gewichtung sei man weit entfernt. Gelhot: "Dieser Fall hat nach wie vor hohe Priorität." Die Kosten der Ermittlung, von manchem Kritiker inzwischen ins Feld geführt, seien absolut nachrangig. "Hier geht es um Mord und um Ermittlungsarbeit. Wieviele Polizisten werden denn jeden Samstag bei Bundesligaspielen gebraucht, da fragt auch keiner nach."
Keiner darf durchs Netz fallen
Laut Gelhot falle in den nächsten Wochen noch viel Büroarbeit an. Etliche Männer müssten angeschrieben, gezielt aufgesucht oder vorgeladen werden. "Wir müssen das Netz so engmaschig wie möglich stricken, damit keiner durchfällt", sagte er. Denkbar seien auch Rechtshilfeersuchen ins Ausland, etwa bei Männern, die nur vorübergehend in Gütersloh gelebt hätten.
An die Möglichkeit, bei aller Arbeit den Täter nicht zu finden, denke er noch lange nicht. "Auf keinen Fall. Wenn ich keine Hoffnungen mehr hätte, dann müsste ich ja aufhören." Mord verjähre nicht, und die Täter-DNA bleibe auf alle Ewigkeit in der Datenbank.