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14.10.2009
GÜTERSLOH
Debatte um Mord-Ermittlung und Speicheltest
NW-Leser sieht "Angriff auf die Privatsphäre"

"Nicht mal Punkte in Flensburg" | FOTO: COS

Gütersloh (cos). Den Mörder von Ingrid Amtenbrink zu finden, dieses Ziel verfolgt weiterhin die Mordkommission "Korn" mit unveränderter Mannstärke. "Wir werden nicht locker lassen", kündigt Polizeisprecher Karl-Heinz Stehrenberg an. Nicht locker lassen, das heißt auch, dass tausende Unschuldige überprüft werden, um einen Schuldigen zu finden. Aber das birgt Konfliktpotenzial, denn einige Unschuldige halten sich für so offensichtlich unschuldig, dass sie die Kooperation verweigern.

Er habe ja nicht einmal Punkte in Flensburg, "und jetzt stehe ich im 75. Lebensjahr unter Mordverdacht", schrieb gestern der Rentner Gernot Messarius in einem Leserbrief an die NW, der zu einigen Reaktionen führte - zustimmenden wie ablehnenden. Messarius ist einer von den zehn Güterslohern, die den Speicheltest verweigern. Der Staatsanwalt könnte ihn zwingen, aber ob es dazu kommt, ist noch offen.

Etwa 7.000 Speicheltests plant die Polizei, rund 1.000 fehlen noch. "Wir sind weiterhin hochzufrieden mit der Akzeptanz unserer Ermittlungen in der Bevölkerung", sagt Stehrenberg. Die 1.000 noch fehlenden Tests seien darauf zurückzuführen, dass die betreffenden Männer im Urlaub waren oder anderweitig verhindert. Erneut werden die Beamten von Haus zu Haus gehen, bis alle Tests beisammen sind. Auch bei Messarius und den anderen Test-Unwilligen werden sie klingeln - und sich einen Korb einhandeln. "Zwingen können wir als Polizei niemanden", sagt Stehrenberg. Die Verweigerer müssten sich aber darauf einstellen, dass sich die Polizei für ihr Alibi interessiert. "Was dann letztlich der Staatsanwalt entscheidet, werden wir sehen", sagt Stehrenberg.

"Wir alle sind potenzielle Opfer"

"Rücksichtslos" findet NW-Leserin Dietlind Sander die Verweigerungshaltung: "Wir alle sind potenzielle Opfer oder Angehörige, deshalb sollten wir ein Interesse an der schnellstmöglichen Aufklärung haben." Die Polizei könne nicht eindeutig Unbescholtene wie Messarius in einer Spezialdatei registrieren, um diese dann von den Ermittlungen auszuklammern.

"Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht", sagt ein anderer Leser, der Messarius unterstützt und Speicheltest sowie Handy-Ortungen als Angriff auf seine Privatsphäre empfindet. Die Alters-Obergrenze für den Speicheltest bei 80 festzulegen, halte er für übertrieben. "Ein 80-Jähriger, der nachts im Feld Frauen ermordet, das ist nun wirklich nicht vorstellbar."


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Kommentare
Zu Marlies Bach: Wer nichts zu verbergen hat, kann sich auch mit Hilfe einer Aufzeichnungskamera ständig "live" im Internet präsentieren und sich natürlich auch von der Polizei ständig "begucken" lassen oder ? Bereit als erstes Vorbild zu dienen?

Wer nichts zu verbergen hat, kann den Test machen. Oder?

Wäre schon interessant zu wissen, wer hier von den Schreiberlingen, die Massengentests befürworten, bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft beschäftigt ist? Ansonsten kann doch niemand so borniert sein! Oder gibt es wirklich in der Bevölkerung noch so viele unkritische Geister, die die Zeichen der Zeit (Guantanamo usw) nicht verstanden haben?

Mein Mitgefühl ist mit den Angehörigen und auch ich verabscheue diese Tat ausdrücklich. Und jetzt kommt auch von mir das ABER: 7000 Speichelproben werden bald ausgewertet sein. Ein paar wenige "Verweigerer" werden dann wohl genauer überprüft. Und ich unterstelle mal, dass der Täter nicht dabei ist. Was passiert dann? Werden dann vielleicht die Bewohner der Thesingsallee "eingeladen" oder eher doch die der Weserstraße? Was ist denn mit den vielen männlichen Besuchern, die im fraglichen Zeitraum sich im fraglichen Bereich zufällig aufgehalten haben? Wobei der fragliche Bereich immer mehr ausgeweitet wird. Mann stelle sich mal an die Holler Straße und zähle die Fahrzeuge, die täglich die Stelle am Zugang zum Schulpättchen passieren, auch alles potentielle Testkandidaten? Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit? Auch ich weiß ganz bestimmt, dass ich nicht der Täter bin und auch ich berufe mich auf meine Bürgerrechte. Und noch scheint alles im Lot zu sein. Es gibt keinen einzigen richterlichen Beschluss zur Speichelentnahme. Und jeder juristisch bewanderter Mensch weiß auch ganz genau warum. Der Versuch der Polizei auf freiwilliger Basis den Speicheltest einzufordern halte ich für nachvollziehbar. 7000 Alibis und noch mehr Zeugen müssen nicht bearbeitet werden. Aber es ist mein verbrieftes Recht den Speicheltest zu verweigern. Dafür muss ich mich nicht vor anderen rechtfertigen und ganz bestimmt nicht vor denjenigen, welche die Meinung vertreten "wer nichts zu verbergen hat ....." Die Väter unserer aller Verfassung wussten ganz genau, warum sie uns Bürgern diese Grundrechte gegeben haben. Danke an Oli und alle anderen hier, die unermüdlich versuchen einfach nur ihr gutes Recht einzufordern!

Im Zweifel für den Angeklagten : wessen werden wir beschuldigt ? Wir wohnen zu nah am Tatort, sind männlich und keine 80 Jahre alt, so wie viele Millionen andere Männer in Deutschland auch. Und der Test ist freiwillig, wer ihn aber nicht macht, bekommt schlimme Folgen agedroht. Und die Daten werden gelöscht, anschließend, irgendwann, ehrlich ... lol. Ich weiß nicht, aber so blind ist mein Vetrauen in unsere Behörden leider nicht. Ach, weiß übrigens jemand, wieviel eine einzige Analyse kostet ? Lt Internet (Vaterschaftstest) zwischen 300 - 700 Euro ! Natürlich wünsche ich den Angehörigen und den Ermittlungsbehörden, daß sie den Täter finden, aber ein Netz von Tests über ganz Deutschland, damit einer hängenbleibt ( 7000 Kandidaten ergeben Kosten von ca 2,1 Mio Euro !!??)....Kommissar Zufall läßt grüßen.



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