Harsewinkel (upo/-sg-). Schock für die Zirkus-Familie Sperlich: Unbekannte haben in der Nacht zu Donnerstag in Harsewinkel das etwa 10 mal 18 Meter große Tierzelt zerstört. Getötet wurde dabei ein einjähriges Dromedar.
An etwa 15 Stellen wurde die Plane mehrere Zentimeter breit aufgeschlitzt. Zudem wurden fünf Spanngurte durchgeschnitten. Aufgeschreckt durch die Tat an der Alten Brockhäger Straße verendete das einjährige Dromedar "Muckel", das erst vor zwei Wochen zum Zirkus Sperlich kam. Schon in dieser kurzen zeit avancierte "Muckel" zur Attraktion des Zirkus. Das Kreisveterinäramt hat eine Sektion des Dromedars angeordnet, um die Todesursache festzustellen. Dabei kam es allerdings zu einer Panne. Die Firma, die das Tier zur Obduktion nach Bad Sassendorf bei Soest bringen sollte, lieferte den Tierkörper in Belm (Kreis Osnabrück) ab, wo er umgehend beseitigt wurde.
"Das ist sehr ärgerlich", sagte Kreissprecher Jan Focken. Die Todesursache sei jetzt nicht mehr festzustellen. Die Tierärztin hatte nach einem ersten Eindruck keine Verletzungen festgestellt. Darum gehe sie von akutem Herzversagen durch die nächtliche Aufregung aus.
Der Gesamtschaden, der nicht durch eine Versicherung abgedeckt ist, beläuft sich auf etwa 10.000 Euro. Die Polizei sucht dringend Zeugen. Hinweise bitte unter der Telefonnummer (05 24 1) 86 90.
Zirkus-Familie hat Existenzssorgen
Der Familien-Zirkus wird vom Ehepaar Tanjela (37) und Jan (37) Sperlich zusammen mit ihren sechs Kindern im Alter zwischen 2 und 18 Jahren sowie einer Aushilfskraft betrieben. Zum Unglück mit "MNuckel" kommen noch Existenzsorgen. Zu den vier Vorstellungen am vergangenen Wochenende waren im Schnitt gerade einmal jeweils 25 Zuschauer gekommen – trotz Freikarten und Eintrittspreisen ab drei Euro.
Die Leere im Zirkuszelt führt nun auch zur Leere in den Kassen. "Ich habe kürzlich mein Auto verkaufen müssen", sagt Tanjela Sperlich. Die Krankenkasse wartet zudem noch auf die letzten Beiträge, und die Dachfenster der beiden Wohnwagen, in denen die Kinder schlafen, müssten für rund 2.000 Euro erneuert werden, weil es durch sie durchregnet.
"Ich bin im Zirkuswagen geboren und wurde im Zelt getauft. Mein Traum ist es, in der Manege zu sterben. Einfach umfallen und Ende", sinniert Jan, der momentan Angst hat, dass die Manege vielleicht vor ihm das Zeitliche segnet. "Aber wir kriegen das schon wieder hin", sagt der Zirkusdirektor dennoch mit einer Spur Zuversicht und schaut zu seiner Frau rüber. Tanjela nickt wortlos – denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.