Gütersloh. Wörtlich übersetzt ist ein Superintendent ein "Oberaufseher". Als solcher wird Christian Heine-Göttelmann ab heute die Oberaufsicht über 113.000 evangelische Christen im Kirchenkreis Gütersloh übernehmen. Eine Aufgabe, die er mit Respekt angeht.
Präses Alfred Buß, leitender Theologe der evangelischen Kirche von Westfalen, ist es, der den 42-jährigen Heine-Göttelmann ab 16 Uhr in der Martin-Luther-Kirche in sein Amt einführt. Zugleich verabschiedet er dessen Vorgänger Dr. Detlef Reichert.
Der Stabwechsel beendet eine Ära. 13 Jahre hat Reichert (65) den Kirchenkreis geführt, ein Zeitraum, in dem sich vieles ereignete: die Zusammenlegung der Kreiskirchenämter Gütersloh/Halle, Gründung des Diakonie-Vereins, Verringerung von Pfarrstellen, Aufgabe von Kirchengebäuden – und bei allem Wandel nie den Vorsatz vergessend, dass das oberste Gebot die Weitergabe des Evangeliums bleibt, in einer Form, die bei den Gläubigen ankommt.
Naturgemäß sind die wenigsten dieser Aufgaben abgeschlossen, das weiß auch Heine-Göttelmann. "Es gibt viel zu tun", sagte der gebürtige Mainzer, "aber den Pessimismus vieler Menschen teile ich nicht." Er sehe die Kirche nicht auf einem absteigenden Ast, hatte er unlängst bereits in einem Interview formuliert. "Die Kirche muss nur an vielen Stellen ihre ursprüngliche Lebendigkeit wiedergewinnen." Er werde sich dafür einsetzen, sie profilierter und deutlicher wahrnehmbar zu machen, und sie werde Anwalt der Schwachen in der Gesellschaft sein.
Im demografischen Wandel und im ab 2012 erwarteten weiteren Kirchensteuerrückgang von einer Million Euro sieht Heine-Göttelmann, Vater dreier Kinder, Herausforderungen. Er kündigte gestern eine "Prioritätendiskussion" an. Der Kirchenkreis sei dabei, dafür ein Konzept zu entwickeln. "Der Umgang mit geringeren Finanzmitteln ist dabei nur die eine Seite der Medaille. Das Konzept soll zudem eine Diskussion befördern, die ein erkennbares evangelisch-christliches Profil des Kirchenkreises zur Folge hat und in entsprechende Projekte mündet." Eine stärkere Einheit des Kirchenkreises, von den Diaspora- bis hin zu den Großgemeinden, sei ein lohnendes Ziel. Motto: Mehr Einheit nach innen, mehr Profil nach außen.
Als Aufgabe des Kirchenkreises verstehe er, die Projekte und Initiativen für alle Gemeinden fruchtbar zu machen. Solche Projekte gebe es bereits viele: Bibeldorf in Rietberg, regionale Kirchentage in der Westregion, das gemeinsame Konfi-Camp, Freizeitorganisation in Schloß Holte-Stukenbrock zusammen mit professionellen Unternehmen, Fundraising in Gütersloh, Tafeln und Mittagstische an verschiedenen Orten. "Für den Ausbau solcher Projekte werden wir auch Geld ausgeben." Freilich gehe dabei nichts ohne die Hilfe von Ehrenamtlichen, Laienpredigern (derzeit zwölf), Gemeindepädagogen. Sie gezielt zu fördern, einzubinden, fortzubilden, ihnen Wertschätzung entgegenzubringen, sei unerlässlich; zumal angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Pfarrstellen im Kirchenkreis bis 2012 von 49 auf 42 weiter schrumpfen wird.
Heine-Göttelmann sprach von einer "Personalsteuerung zur Entlastung der Situation". Wünschenswert sei, den Pfarrer von Verwaltung- und Gremienarbeit zu entlasten. Ein Ausbau der Ökumene, eine stärkere Kooperation mit der katholischen Kirche bei Gemeindezentren, Gotteshäusern, selbst Personal stehe er aufgeschlossen gegenüber. Auch im Kreiskirchenamt seien noch Verwaltungsabläufe zu verbessern und an die tatsächlichen Bedarfe anzupassen.