Donnerstag, 24.05.2012
Homepage-Ticker | RSS | Twitter | Impressum | Kontakt | AGB | Mediadaten


Schrift

09.11.2009
GÜTERSLOH
"Mit Fankultur hat das nichts zu tun"
15 Festnahmen nach Gewaltausschreitungen am Heidewaldstadion / Vorwürfe gegen die Polizei
VON UWE KRAMME

Brodelnde Stimmung im Heidewald | FOTO: MARTINSCHLEDDE

Gütersloh. Auf der deutschen Hooligan-Landkarte, auf der gewalttätige Auseinandersetzungen am Rande von Fußballspielen eingetragen werden, ist der Kreis Gütersloh kein weißer Fleck mehr. Am Freitag wurden, wie berichtet, drei Busse mit Anhängern des SV Lippstadt, die dessen Westfalenligaspiel gegen den FC Gütersloh besuchen wollten, vor dem Heidewaldstadion von einer 80 Personen starken Gruppe vermummter Gewalttäter überfallen. Fünf Personen wurden leicht verletzt, ein Bus beschädigt. Die Bilanz des folgenden Polizeieinsatzes, an der auch eine Einsatzhundertschaft aus Bielefeld beteiligt war: 15 Festnahmen.

Das Szenario an der Heidewaldstraße ist gespenstisch. Aus Vorgärten steigt Rauch auf. Mit bengalischen Feuern sind Lebensbäume in Brand gesetzt worden. Blaulichter kreisen, Martinshörner heulen. Immer mehr Polizeiwagen rauschen heran. Verängstigte Lippstädter stehen am Straßenrand.

"Jetzt kommt jede Menge Polizei, aber wo war die denn, als wir angekommen sind?", fragt einer von ihnen kopfschüttelnd. "Es war doch bekannt, dass hier etwas passieren sollte." Ein anderer, dem der Schrecken noch ins Gesicht geschrieben steht, fragt einen Beamten: "Wer bringt uns denn jetzt ins Stadion, denn wer weiß, was noch alles passiert", Der Lippstädter vermutet Anhänger des FCG hinter dem brutalen Angriff.

Deutliche Ankündigungen im Netz

Übt Kritik | FOTO: HENRIK MARTINSCHLEDDE

"Unsere Leute haben damit nichts zu tun. Mit einigen habe ich zu dem Zeitpunkt selber gesprochen, viele standen schon im Stadion", versichert Udo Böning. Ausschließen, dass das ein oder andere gewaltbereite Mitglied der nicht unproblematischen FCG-Anhängerschaft mitgeschlagen hat, mag der FC-Vorsitzende aber nicht. "Die Masse war jedenfalls nicht beteiligt, so schnell können die gar nicht gelaufen sein", sagt Böning. Außerdem hätten ihm einige versichert, dass sie sich bewusst herausgehalten hätten, denn die Ankündigungen im Internet seien doch deutlich gewesen.

Gleichwohl wurden, so Böning, einige Fanatics von der Polizei "mit Platzverweisen belegt, beziehungsweise mitgenommen" .
Tatsächlich sind es Hooligans aus Ahlen, Beckum, Münster und Ultras aus Gelsenkirchen, die die Busse aus Lippstadt gegen 19.15 Uhr überfallen, wie die Polizei später feststellt. Aber auch gewaltbereite Anhänger des Handball-Bundesligisten GWD Minden sind beteiligt. Die Täter sollen "als ganz normale Fans" an die Absperrungen gekommen sein und sich auf das Kommando "die Busse kommen" vermummt haben, erzählen Ordner.

"Ich hatte Angst"

"Die haben irgendetwas durch das Fenster geworfen, einen Mülleimer mit Steinen oder so etwas", berichtet ein Zuschauer aus Lippstadt, als er im für Gästefans abgeteilten Teil des Heidewaldstadions zur Ruhe gekommen ist. "Ich hatte Angst, wir wussten überhaupt nicht, was los war." Tatsächlich werden auch Feuerwerkskörper in zumindest einen Bus geworfen und Scheiben eingeschlagen. Die Hooligans benutzen Baseballschläger und Eisenstangen. Rund um die Busse entwickelt sich eine Schlägerei. Als die Polizei eintrifft, ist der Spuk vorbei. Die Hooligans flüchten in Gärten, Straßen und den Stadtpark. Anwohner wollen später gehört haben, dass sie sich suchten, um sich wieder zu sammeln.

Fotostrecke
Klicken Sie auf ein Foto, um die Fotostrecke zu starten (10 Fotos).

Die Ausschreitungen von Freitag führen zu vielen Fragen. Saßen in den Bussen wirklich nur Fußballfreunde, die eine günstige Fahrgelegenheit nutzten? War nicht zumindest einigen von ihnen wegen der Verabredungen in Internetforen sehr wohl bewusst, auf was sie sich einließen? "Überleg dir was du schreibst, wir kennen dein Gesicht", bekommt ein Journalist zu hören. In ihrem Fanblock zünden SVL-Fans später bengalische Feuer und gefährden damit sogar ihren eigenen Stürmer Manuel Eckel beim Torjubel. Einige klettern mit vermummten Gesichtern auf den Zaun.

"Es gibt viel zu klären"

"Es gibt viel zu klären", findet auch Udo Böning. Heute soll ein Gespräch des FCG-Vorstandes mit der Polizei stattfinden. Austauschen will sich Böning wie schon vor dem Spiel mit den Kollegen beim SV Lippstadt. "Wie kann es sein, dass wir als Vereine auf die Gefahrensituation hinweisen, auf Anordnung von Ordnungsamt und Polizei die Heidewaldstraße absperren müssen und dann sind keine Einsatzkräfte vor Ort?", fragt der FCG-Chef. Ob sich der FCG möglicherweise vor dem Fußballverband verantworten muss, vermag Böning noch nicht zu sagen. "Nur weil wir der FC Gütersloh sind und da schon mal was war, kann man uns doch nicht verantwortlich machen. Und Fakt ist doch wohl, dass diese Ausschreitungen nichts mit Fußball und auch nichts mehr mit Fankultur zu tun haben."

Mehr zum Thema in nw-news.de

Schrift

Kommentare
Ein kleiner Tipp an den FCG2000 und die Polizei: Am Freitag, den 27.11.09, spielt der FCG zu Hause im Heidewald gegen Emsdetten 05. Mit diesem Verein verbindet die Fans des SV Lippstadt eine langjährige Fanfreundschaft. Vielleicht sollte man das Spiel gegen Emsdetten doch lieber auf den Sonntag legen, um zu verhindern, dass einige Lippstädter zum Heidewald kommen, um sich für den Überfall zu "bedanken"!!! Sonntags spielt Lippstadt in Rheine, ein erneutes Aufeinandertreffen der Fangruppen wäre dann eher ausgeschlossen!

So kann man es natürlich auch machen: Man rekrutiert irgendwelche "Miet-Hools" (anscheinend gab es da noch die eine oder andere Gefälligkeit zu entrichten) und hält sich bei alledem selbst vornehm zurück - um dann hinterher behaupten zu können, man habe mit all dem ja nichts zu tun gehabt. Interessant ist zum Beispiel: In einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 14.09.2009 ist es zu lesen, daß es beim letzten Handballmatch zwischen Minden und Nettelstedt zu Ausschreitungen inkl. nachfolgenden Hallenverboten gekommen ist. Und wer war auf Seiten der Mindener mit von der Partie? Richtig, eine Delegation des FC Gütersloh 2000. So ein Zufall aber auch. Sicher lassen mit etwas Recherche auch ähnliche Parallelen zwischen den FCG-Anhängern und den anderen beteiligten Hoolformationen finden. Wenn man nach solchen Aktionen der Meinung ist, man könne einen Verein nicht bestrafen, weil es sich ja schließlich um Touristen von außerhalb handelt, die sich ja nur zufällig das betroffene Stadion zum Treffpunkt auserkoren haben - dann gute Nacht, lieber Fußball!

Also ich habe am gestrigen Sonntag mit zwei mir gut bekannten Gütersloher Polizisten gesprochen, die beide am Einsatz beteiligt waren. Auf meine Frage, ob tatsächlich keine Gütersloher beteiligt waren, haben beide unabhängig voneinander nur gegrinst; einer meinte dann auch kurz darauf vor Zeugen, dass unter den ersten fünf Festgenommenen bereits zwei Fans des FCG gewesen seien.

@ FC Fan seit 1997: Ich bin Verler, und ich habe jedes Derby, als Ihr noch gegen uns spielen durftet, mitgemacht. Jedesmal hat einer von uns, die wie friedlich sind, eins ohne Grund aufs Maul gegekriegt. Und Ihr habt Euch immer den mit dem höchsten Alkoholpegel ausgesucht. Kühe, Schweine, FCG und jetzt noch einen auf Mitleid machen. Wir Verler freuen uns auf das Legionalligaderby FCG - SCV 2. Schämt Euch !

Mich stimmt die Berichterstattung ganz schön bedenklich. Zum einen, wieso sollten keine Gütersloher bei einem solchen Angriff beteiligt sein, bei ihrem eigenen Derby? Aber zum anderen, wieso sollten Ahlener Anhänger zusammen mit Münster, Beckum etc. einen Angriff gestartet haben gegen Lippstadt, obwohl es eine kleine Freundschaft zum SVL gibt und man in Rivalität zu Münster und co. lebt? Schon sehr fadenscheinig, was für Gerüchte ind er Zeitung auftauchen.



 Seite 1 von 3
weiter >
  >>


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder




Anzeige
Weitere Nachrichten aus Gütersloh
GÜTERSLOH
Luisa sitzt auf dem Trockenen
Gütersloh. 25 Grad, bestes Badewetter. Denken sich auch die Besucher des Parkbades. Doch statt Wasser und Plantschvergnügen erwartet sie in diesen Tagen eine Baustelle... mehr

GÜTERSLOH
Abriss in der Münsterstraße
Gütersloh. Die Münsterstraße ist im Wandel begriffen. Das Haus Nummer 29, zwischen Sparda-Bank und Internet-Café gelegen, wird nächste Woche abgerissen und durch einen Neubau ersetzt... mehr

RHEDA-WIEDENBRÜCK/BIELEFELD
Amokläufer soll in die Psychiatrie
Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld (joh). Der Lebenslauf des Angeklagten und die Gutachten der Sachverständigen standen am vierten Verhandlungstag im Prozess gegen den 27-jährigen "Amokläufer" Matthias G... mehr

KREIS GÜTERSLOH
Produktion bei Roggenkamp Organics ruht
Kreis Gütersloh (ost). Die Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Kreises Gütersloh hat die Produktion bei dem Lebensmittelhersteller Roggenkamp Organics AG beanstandet... mehr



Anzeige


Anzeigen

Wetter in Gütersloh
Meistgeklickt in Gütersloh

Luisa sitzt auf dem Trockenen
Gütersloh. 25 Grad, bestes Badewetter. Denken sich auch die Besucher des Parkbades. Doch statt Wasser und Plantschvergnügen erwartet sie in diesen... mehr

Abriss in der Münsterstraße
Gütersloh. Die Münsterstraße ist im Wandel begriffen. Das Haus Nummer 29, zwischen Sparda-Bank und Internet-Café gelegen... mehr

Mordfall Nelli Graf: 200 Speichelproben fehlen
Halle (nw). Im Fall der getöteten Nelli Graf aus Halle (Kreis Gütersloh) fehlen noch die Speichelproben von etwa 200 Männern. Diese sind nicht zum... mehr

Amokläufer soll in die Psychiatrie
Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld (joh). Der Lebenslauf des Angeklagten und die Gutachten der Sachverständigen standen am vierten Verhandlungstag im Prozess... mehr

Produktion bei Roggenkamp Organics ruht
Kreis Gütersloh (ost). Die Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Kreises Gütersloh hat die Produktion bei dem... mehr

Mord an 82-Jähriger: Maske und Messer gefunden



24-jährige Frau in Steinheim erstochen



Bruder gesteht Tötung von Arzu Özmen



22-Jähriger starb in Herzebrock-Clarholz bei Kollision mit einem Baum



Mann in Bielefeld mit durchschnittener Kehle gefunden



Lindner ist neuer FDP-Chef in Nordrhein-Westfalen
mit 23 Kommentaren

Gütersloh (lnw). Christian Lindner ist neuer Vorsitzender der FDP in Nordrhein-Westfalen. Die Delegierten des Landesparteitages in Gütersloh wählten... mehr

Gütersloher Rat einstimmig gegen privaten Flugverkehr
mit 15 Kommentaren

Gütersloh (nw). Einstimmig hat sich der Gütersloher Rat am Montag gegen eine Wiederaufnahme des privaten Flugverkehrs auf dem britischen Militär... mehr

Straße in Halle nach Roger Federer benannt
mit 7 Kommentaren

Halle (dapd). Eine Straße in Deutschland ist nach dem Schweizer Tennisprofi Roger Federer benannt worden. Die Stadt Halle im Kreis Gütersloh... mehr

Wahlergebnisse live hier bei nw-news.de
mit 5 Kommentaren

Laufend informiert werden Sie am Wahlabend hier bei nw-news.de, dem Internetdienst der Neuen Westfälischen. Mit Schließung der Wahllokale haben wir... mehr


Fotos aus Gütersloh
Gütersloh: Lkw-Fahrer übersah Radfahrerin in Gütersloh
Gütersloh: Lkw-Fahrer übersah Radfahrerin in Gütersloh
Verl: Festumzug und Gottesdienst des 57. Bundesköniginnentages
Verl: Festumzug und Gottesdienst des 57. Bundesköniginnentages
Gütersloh: Laien brillieren in der 'Langenachtderkunst'
Gütersloh: Laien brillieren in der 'Langenachtderkunst'
Herzebrock-Clarholz: 22-Jähriger starb bei Kollision mit einem Baum
Herzebrock-Clarholz: 22-Jähriger starb bei Kollision mit einem Baum
Gütersoh: Tri-Team richtet 10. Dalkeman aus
Gütersoh: Tri-Team richtet 10. Dalkeman aus
Fußball-Westfalenliga: 4:0 Sieg des FC Gütersloh gegen Hamm
Fußball-Westfalenliga: 4:0 Sieg des FC Gütersloh gegen Hamm
 Harsewinkel: Ilona Pfeiffer und Sören Riechers gewinnen 10. Nightrun
Harsewinkel: Ilona Pfeiffer und Sören Riechers gewinnen 10. Nightrun
Rheda-Wiedenbrück: 800 Jahre Pfarrgemeinde St. Vit
Rheda-Wiedenbrück: 800 Jahre Pfarrgemeinde St. Vit
Rheda-Wiedenbrück: Gartenfestival Schloss Rheda
Rheda-Wiedenbrück: Gartenfestival Schloss Rheda
Verl: Bundesköniginnentag 2012
Verl: Bundesköniginnentag 2012