Osnabrücks Präsident schließt Manipulation der Relegationsspiele gegen Paderborn nicht aus
Verl / Paderborn. In den größten Betrugsskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs sollen auch Vereine aus Ostwestfalen verstrickt sein. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung steht ein Spiel der Amateur-Elf des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach gegen den heimischen SC Verl (Kreis Gütersloh) unter Manipulationsverdacht. Osnabrücks Präsident Dirk Rasch hält es nicht für ausgeschlossen, dass die Relegationsspiele gegen den SC Paderborn manipuliert worden sind.
Die Partie der Regionalliga West hatten die Verler am Pfingstsamstag mit 4:3 gewonnen. Beobachter hatten sich damals über den kuriosen Spielverlauf gewundert: Zunächst führte der SC im Rheydter Grenzlandstadion zur Halbzeit mit 3:0, musste dann nach der Pause aber das 3:3 hinnehmen. Umso ausgelassener feierten die heimischen Kicker, als Christian Knappmann aus heiterem Himmel doch noch das
Siegtor in der 89. Spielminute erzielte.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung findet sich in den Akten der Staatsanwaltschaft der Hinweis, dass dieses Spiel manipuliert werden sollte. "Unbekannte", mutmaßliche Wettbetrüger hätten "unbekannte Spieler" bestechen wollen. Auf Deutsch: Weder die Namen der angeblich geschmierten Spieler noch die Namen der angeblichen Wettbetrüger sollen bekannt sein. Entgegen der Verabredung habe Verl letztendlich aber doch gewonnen und damit sei der Versuch der Manipulation hinfällig gewesen.
Laut Bild-Zeitung soll es auch bei der Partie der Verler am 6. Jnui 2009 gegen den 1. FC Köln II nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Der SC verlor mit 0:1 durch ein Eigentor von Ihsan Kalkan.
Dazu Verls Präsident Peter Mankartz am Samstag gegenüber der Neuen Westfälischen: "Es gibt nicht einen offiziellen Hinweis. Alles, was bisher an mich herangetragen wurde, beruht auf der Veröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung. Bitte haben sie Verständnis, dass ich keine Fakten nenne, denn ich habe keine. Wir müssen abwarten, was in der nächsten Woche auf den Verein zukommt. Dann werden wir selbstverständlich handeln. Aber im Moment gibt es keine Grundlage."
Auch der Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach, Max Eberl, gab sich auf Fragen nach einer etwaigen Verwicklung seiner zweiten Mannschaft in den Wettskandal abwartend: "Dazu kann ich nichts sagen, weil wir von DFL, DFB und Staatsanwaltschaft nichts wissen. Sollten es irgendwelche Spieler sein, muss man in aller Härte und Schärfe gegen sie vorgehen, damit es abschreckend ist."Der SC Verl verlor am Samstag mit 1:2 gegen Fortuna Düsseldorf. Den Skandal wollte Trainer Raimund Bertels nicht als Entschuldigung für die Niederlage anführen. Er befürchte allerdings einen Imageschaden für den Verein schon dadurch, dass der SC Verl im Zusammenhang mit dem Wettskandal genannt wird.
Aus diesen Ligen sollen Spiele im jüngsten Wettskandal manipuliert worden sein:
Deutschland:
4 Spiele der 2. Bundesliga,
3 Spiele der 3. Bundesliga,
18 Spiele der Regionalligen,
5 Spiele der Oberligen,
2 Spiele der U 19
Belgien:
17 Spiele der 2. Liga
Schweiz:
22 Spiele der 2. Liga
6 Vorbereitungsspiele
Kroatien:
14 Spiele der 1. Liga
Slowenien:
7 Spiele der 1. Liga
Türkei:
29 Spiele von der 1. Liga abwärts
Ungarn:
13 Spiele der 1. Liga
Bosnien:
8 Spiele der 1. Liga
Österreich:
11 Spiele der 1. und 2. Liga
Champions League:
3 Spiele
Europa League:
12 Spiele
Qualifikation der U-21- EM:
1 Spiel
Und wieder trifft es den SC Paderborn
Vereins-Präsident Dirk Rasch von Fußball- Drittligist VfL Osnabrück befürchtet, dass die Relegationspartien für die 2. Bundesliga in der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht geraten. "Offensichtlich ist nichts mehr auszuschließen", sagte Rasche am Samstag Zeit online in einem Interview. Nach zwei 0:1-Niederlagen gegen den SC Paderborn im vergangenen Sommer stiegen die Osnabrücker in die 3. Liga ab.
Ohne diese wohl sehr aus Verbitterung gesprochenen Worte über die Vorkommnisse rund um den VfL Osnabrück zu kennen, hatten sich im Vorfeld Verantwortliche des SC Paderborn zum Wettskandal geäußert: "Vermutlich handelt es sich um die gleichen Strippenzieher wie beim letzten Wettskandal. Diese Leute sind offensichtlich unbelehrbar. Ich gehe davon aus, dass der SC Paderborn 07 nichts mit der Sache zu tun hat. Unsere Mannschaft hat in der letzten Saison versucht, immer den größtmöglichen Erfolg zu erzielen, und wir sind am Ende in die 2. Bundesliga aufgestiegen," so Martin Hornberger, geschäftsführender Vizepräsident.
Vizepräsident Peter Evers bekräftigte: "Es wird wohl nicht lange dauern, bis in dieser Angelegenheit Ross und Reiter genannt werden. Ich gehe davon aus, dass es in unserem Verein keine Manipulationen gegeben hat."
Und wieder trifft es die Region
Sollten sich die Hinweise verdichten, wäre Ostwestfalen auch vom zweiten großen Wettskandal der jüngsten Fußball-Geschichte betroffen. Verpfiffen worden war am 21. August 2004 das Spiel in der ersten Runde des DFB-Vereinspokals zwischen dem damaligen Regionalligisten SC Paderborn 07 und dem Bundesligisten Hamburger SV.
Dieses war überraschend 4:2 für Paderborn ausgegangen, und Robert Hoyzer hatte dabei als Schiedsrichter zwei mehr als fragwürdige Strafstöße gegen den HSV gegeben, die zu Toren geführt hatten. Hoyzer wurde später vom Landgericht Berlin wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt.