Wie elf Männer aus dem Kreis Gütersloh sich auf die Reise zur WM in Südafrika vorbereiten
Kreis Gütersloh. Nein, ein Riesenpack Ohropax zählt nicht zum Reisegepäck. Vor dem Getöse der Vuvuzelas haben Michael Muhl und seine zehn Freunde keine Angst. Sie freuen sich vielmehr auf jene lautstark geäußerte Lebensfreude, mit denen Südafrikaner ihre Fußballmatches begleiten. Wenn am 11. Juni 2010 die 19. Fußballweltmeisterschaft angepfiffen wird, sind die Elf dabei, sind sie mitten drin in all dem Tuten und Blasen.
"In Südafrika sind die bestimmt alle ausverkauft", hat der zehnjährige Jan-Josef seinem Vater Josef Diermann dazu geraten, sich vorab eine Südafrika-Tröte im Internet zu kaufen. Und die führt Diermann bei einem Vorbereitungstreffen der Südafrika-Fahrer lautstark vor.
Der Kauf einer Vuvuzela war freilich das geringste Problem für die Truppe, wie Michael Muhl erzählt. Schon nach Südafrika zu gelangen, war kein leichtes Unterfangen: "Alle Direktflüge ab Deutschland sind lange ausgebucht." So muss man mit "Turkish Airlines" den Umweg über Istanbul machen, von wo es weiter nach Kapstadt geht. "Und auch das war kitzelig genug", ergänzt Peter Vielstedde. "Der Flug, für den wir noch 1.250 Euro pro Nase hinblättern mussten, war eine Woche später schon ganz rar und doppelt so teuer".
"Seit 2006 haben wir jeden Monat 25 Euro auf ein spezielles Konto eingezahlt", so Muhl. 2006, bei dieser Jahreszahl bekommen Alle Glanz in die Augen: Denn das Sommermärchen bei der WM in Deutschland war die Initialzündung für das Projekt "WM am Kap". "Die Superstimmung damals hat uns einfach voll angemacht", erinnert sich Jörg Schmedthenke.
In wechselnder Besetzung waren die Elf in den letzten Jahren der deutschen Nationalelf auf den Spuren geblieben. Das Highlight unter all den Länderspielen, die sie sahen, ist und bleibt das Treffen England-Deutschland, bei dem die deutschen Kicker den "Erfindern" des modernen Fußballs die Einweihung des neuen Wembley Stadions durch einen 2:1 Auswärtssieg verhagelt hatten.
Muhl und seine Freunde waren schon kurz nach der WM 2006 dem offiziellen "Fan Club Nationalmannschaft" beigetreten. Dort wurde die Gruppe unter dem Namen "WM-Projekt 2010" eingetragen. "Was den Erwerb von Eintrittskarten deutlich erleichtert hat", erzählt Muhl. Für ein WM-Spiel der Deutschen in Südafrika hat es dennoch nicht gereicht. "Wir bleiben die ganze Zeit komplett in Kapstadt", so Muhl weiter, "und sehen dort Uruguay gegen Frankreich und Italien gegen Paraguay." Die weiteren Spiele wollen sie sich beim Public Viewing auf öffentlichen Plätzen sehen. Und freuen sich unbändig, das inmitten von Fans aus aller Welt tun zu können.
"Viel Spaß", habe die Ehefrau nur kurz gesagt, als Josef Diermann seiner Christiane von dem Südafrika-Plan erzählte. Und Nicole Muhl ergänzt: "Wir Frauen gönnen unseren Männern voll und ganz diese Reise." Auch Luisa Vielstedde (12) tut das. "Wenn Du nach Südafrika fliegst", hat sie Papa Peter aber zu verstehen gegeben, "dürfen Mutti und ich mal allein nach New York." In Kapstadt werden die elf Männer im Alter von 40 bis 50 von einer deutschen Frau willkommen geheißen. "Unser Ulla wartet schon auf uns", scherzt Ralf Lütkewitte. Die Auswanderin betreibt das "Morningside Cottage", eine kleine Pension mit zwölf Betten. "Die ist dann voll in unserer Hand", freut sich Richard Alter.
Mit viel Häme hatten Freunde das "Projekt WM 2010" bedacht. "Und was ist, wenn Deutschland sich gar nicht qualifiziert?", habe man immer wieder gehört, berichtet Muhl. Nun ist Deutschland dabei. Wie auch die elf Fußballverrückten, die aus dem ganzen Südkreis (nur einer kommt aus Aachen) stammen. Denen bleibt noch ein großer Wunsch: "Als Weltmeister zurück nach Deutschland kommen!"