Gütersloh. Sie haben es mal wieder getan. Kurz vor dem Jahreswechsel treffen sich die Gütersloher SmAll Stars in der zumeist ausverkauften Weberei und rocken die Bühne. Dies geschieht seit 14 Jahren, und angesichts der harmonischen Professionalität mag man meinen, dass sie immer gemeinsam musizieren.
In diesem Jahr wurden sie wieder an zwei der vier Abenden für etwa eine Stunde von einem Gastmusiker ergänzt. Bandmitglied Achim Meier war es gelungen, für Montag und Dienstag den 1980er Jahre-Star Purple Schulz mit ins Boot zu holen. Ein gelungener Schachzug, denn der Kölner Musiker präsentierte den rund 400 Besuchern mit viel Humor seine musikalische Bandbreite.
"Wer war denn damals auch schon dabei gewesen?", fragt Purple Schulz und erinnert sich an seinen Auftritt in der Weberei vor rund 25 Jahren. Zögerlich schallt es vereinzelt "Hier" und "Ich" aus dem Raum. "Ich dachte, ihr seid alle schon tot", scherzt Schulz.
In den vergangenen Jahren war es etwas still geworden um den Kölner Sänger, der vor einem Vierteljahrhundert den Sog der abklingenden Neuen Deutschen Welle nutzte, und unvergessene Hits wie "Sehnsucht", "Kleine Seen" oder "Verliebte Jungs" ablieferte. Dass der 53-Jährige aber nach wie vor voll da ist und neben melodiösem Deutschpop andere Stilrichtungen beherrscht, zeigte er auf der Bühne.
Sein Gastspiel mit den Musikern der SmAll Stars erlebte zudem eine Premiere. Sein 20-jähriger Sohn Ben war mit nach Ostwestfalen gereist, um mit seinem Vater zwei Songs, den Peter Gabriel Klassiker "Solsbury Hill" und den gemeinsam für Europas größtem Integrationsfestival von Menschen mit und ohne Behinderung, "Tag der Begegnung 2008", komponierten "Wir haben alle was zu sagen", zu singen.
Dass der 53-Jährige nicht nur gefühlvolle Balladen beherrscht, sondern auch für mächtig Stimmung sorgen kann, bewies er mit seinem karnevalistischen Kurzauftritt. Verkleidet als Clown sang er, wie seit einigen Jahren zur närrischen Zeit auch auf der Kölner Stunksitzung, im kölschen Dialekt "Wegen den Brauchtum", einem humorvollen Song zur Musik von U2’s "With or without you".
Seine Interims-Bandkollegen harmonierten wunderbar mit Purple Schulz und bewiesen, dass sie trotz sehr kurzer Probezeit jedes Stück mit ihrem ganz eigenen Stil einstudieren können. Zum Abschied gab es "Kleine Seen", welches zum Schluss in den Michael Holm-Klassiker "Tränen lügen nicht" überging. "Bei sowas singt ihr mit, das kennt ihr", sagt Schulz scherzhaft und bedankt sich beim Publikum. "Ich hör jetzt damit auf, sonst muss ich noch Gebühren an die GEMA zahlen", sagt er und verlässt unter lautem Applaus die Bühne.
Das Konzert war damit aber noch lange nicht zu Ende. Bis weit nach Mitternacht präsentierten die SmallStars, bestehend aus Stefan Denninger (Schlagzeug), Christian Kretschmer (Cello, Percussion), Achim Meier (Keyboard), Fred Bachmann und Mickey Meinert (Gitarren) und Gerry Spooner (Gesang), sowie zahlreiche Gaststars wie etwa Phil Shakleton, Steve Haggerty oder Roger Clarke-Johnson, ihre stileigenen Interpretationen ehrlicher Rocksongs.