Gütersloh. "Ich habe mir meinen Start in dieser Position auch anders vorgestellt", sagt Petra Imwinkelried, die am 1. Januar die Geschäftsleitung der Stadtbibliothek Gütersloh von Wolfgang Sieveking übernommen hat. Seit Montag weiß sie aus der Presse, dass weitere drastische Einsparforderungen auf die Einrichtung zukommen. "Wir müssen bis 2015 mehr als 600.000 Euro einsparen", erklärt Imwinkelried und ist schier ratlos über diesen neuerlichen Sparplan, den ihr Stadtverwaltung und Politik ohne Absprache vorgelegt haben. Erst im Herbst hatte die Stadtbibliothek auf Druck der Stadtverwaltung den Abbau von 4,5 Stellen umgesetzt. "Wir haben uns immer kooperativ gezeigt und Sparmöglichkeiten nie verweigert."
Der Betriebskostenzuschuss für die Stadtbibliothek beträgt rund 1,65 Millionen Euro im Jahr. Bereits 2012 sollen es nach dem Willen der Stadt noch 1,35 Millionen Euro sein, ab 2015 dann ein gedeckelter Zuschuss von einer Million Euro pro Jahr. "Zwei Drittel dieser heutigen Summe sind Personalkosten", erklärt Imwinkelried. 26,8 Mitarbeiter beschäftigt die Stadtbibliothek derzeit (2001: 35), und die Geschäftsleiterin fürchtet, dass diese hohe Einsparsumme nicht ohne Personalabbau zu leisten sei. "Dabei lautete die ausdrückliche Absprache mit der Stadtverwaltung, dass keine betriebsbedingten Kündigungen durch die Umsetzung der Sparmaßnahmen erfolgen sollten."
Petra Imwinkelried ist aufgefordert, bis zum 19. Februar verschiedene Sparmodelle zu erarbeiten, die im März dem Bildungsausschuss vorgelegt werden. "Nicht gerade viel Zeit, um durchdachte Pläne präsentieren zu können", aber Imwinkelried wird Szenarien anbieten. "Wir werden über Zielgruppen reden, über Kürzung der Öffnungszeiten, Bestandsaufnahmen machen und vieles mehr", unterm Strich aber, da ist sich die neue Geschäftsleiterin sicher, "wird sich das Gesicht der Stadtbibliothek massiv verändern."
Ein Auszug aus dem Gebäude - wie von der Grünen-Fraktion gefordert - ist für Imwinkelried abwegig. "In welches kostenfreie Gebäude sollen wir denn ziehen? Und was machen wir dann hiermit?" Nach Mietern werde weiterhin gesucht, aber um etwa 600.000 Euro auszugleichen, müsste mindestens eine Etage vermietet werden.
"Einsparungen in diesem Ausmaß kann ich nicht mittragen", sagt Petra Imwinkelried, die neben der Kürzung von 600.000 Euro die Nachricht erhielt, dass auch die 280.000 Euro Personalkosten pro Jahr für die Schulbibliotheksmitarbeiterinnen gestrichen werden sollen. Dieses Geld überweist die Stadt aus dem Fachbereich Bildung an die Stadtbibliothek. Sieben Kollegen sind in neun Gütersloher Schulen angesiedelt, um dort Bibliotheksarbeit zu leisten. Damit ist nun auch bald Schluss.