Der Leiter des Evangelisch-Stiftischen Gymnasiums, Dr. Ulrich Engelen, geht in den Ruhestand
Gütersloh. Der langjährige Leiter des Evangelisch-Stiftischen Gymnasiums, Dr. Ulrich Engelen, ist am Freitag in den Ruhestand verabschiedet worden. Engelen (65) führte die Schule 22 Jahre lang; die Redner beim Festakt in der Aula würdigten ihn als einen christlichen Humanisten, der das ESG und seine Schüler auf wunderbare Weise geprägt habe.
Ob eine Schule erfolgreich sei, darüber entscheide vor allem die Leitung, zitierte Professor Burghardt Piltz, Vorsitzender des Kuratoriums, einen Artikel. Auf Engelen bezogen, lasse sich das mit Recht behaupten. Engelen habe es verstanden, die Schule zu formen, die Balance zwischen Tradition und Moderne zu halten und bei allem Bemühen um Innovation nie das Wohl der Schüler aus den Augen zu verlieren. Piltz händigte Engelen die Entlassungsurkunde aus. Am Montag übernimmt Friedhelm Rachner (57), bis gestern Gymnasiumsleiter im niedersächsichen Langen, dessen Nachfolge.
50 Lehrer, 800 Schüler, drei Züge – das waren die Zahlen, als Engelen 1987 die Schule übernahm, damals als Nachfolger von Dr. Hans Hilbk. 80 Lehrer, 1.200 Schüler und fünf Züge – das sind die Zahlen heute. Kuratoriumsleiter Piltz sagte, für ihn stünden sie jedoch nur vordergründig für den Wandel, den das Traditionsgymnasium unter Engelen vollzogen habe. Die Fachleute seien sich einig: Die umfassende und zeitgemäße Medienbildung, die sich mitnichten auf das Aushändigen von Laptops an Schüler beschränke, sei ein Schritt, mit dem das ESG Akzente gesetzt habe – und dies, ohne die ganzheitliche Förderung der Schüler aus dem Auge zu verlieren. Stets habe Engelen die Schule auch in ihrer gesellschaftlichen Veranwortung gesehen, und stets sei es ihm zentrale Aufgabe gewesen, junge Menschen im Geiste vorgelebter Werte zu erziehen und konsequent zu fachlich kompetenten, kritisch-kreativen Persönlichkeiten auszubilden – überdies, so Piltz, mit auch bei der Leistung bemerkenswerten Ergebnissen: 36 Einser-Abiturienten im vergangenen Jahr sprächen für sich.
Bürgermeisterin Unger lobte Engelen dafür, dass er das ESG zu einer innovativen und doch traditionsbewussten Schule geformt habe. "Wir als Stadt waren und sind gerne an Ihrer Seite." Es stehe ihr nicht zu, ihm ein Zeugnis auszustellen, aber unter "Bemerkungen" wüsste sie etwas einzutragen: "Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass die Begeisterung, mit der er an seine Arbeit ging, Früchte trug." Unger überreichte Engelen ein besonderes Geschenk: die Zusage des Altschülers Oliver Welke, in dessen satirischer "Heute-Show" (freitags, 22.30 Uhr, ZDF) live als Gast dabei zu sein.
Der Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche und der Festakt in der Aula wurden zu einem bewegenden Ereignis. Vertreter von Kirche, Bezirksregierung, Eltern- und Schülerschaft fanden warme und würdigende Worte für Engelen. Für das Kollegium führten die Lehrer Hans-Werner Küster, Johannes Scheelje, Martin Schewe (Schulpfarrer) und Yvonne Bansmann ein heiter-erhebendes Kabarett auf.
Engelen selbst sagte, ihn hätten die vergangenen Jahre regelrecht beglückt. Das ESG bleibe in seinem Herzen verankert. Am Ende einer geschliffenen, dankenden und anrührenden Rede sagte er, er wünsche dieser "ganz besonderen Schule" auf alle Zeit Glück, Wärme, Erfolg und Rückenwind.