Gütersloher Stadtschützen feiern mit Samba und Walzer einen rauschenden Ballabend
Gütersloh. Wenn Dieter Lohmann und Astrid Wippermann den Thron der Gütersloher Stadtschützen besteigen, scheint eines garantiert zu sein: ein Winterball, bei dem die Post abgeht. Polonäste vor 27 Jahren Gottlieb Wendehals durch den Saal, war es diesmal eine Samba-Gruppe von der Copacabana, die dem reifen, aber keineswegs unlustigen Publikum Beine machte.
Die vier knackigen Damen und der Waschbrettbauch aus Rio de Janeiro mischten das Galapublikum gehörig auf. Mag sein, dass die Damen vom Kattenstrother kfd-Karneval eine solche Stimmungswelle nur mitleidig belächeln würden, aber für ein Publikum, das in Smoking und Ballkleid womöglich etwas weniger Eskalations-Entschlossenheit als närrische Weiber mitbringt, kochte die Stimmung bemerkenswert hoch.
Der Auftritt der Tanzgruppe aus Brasilien, eigens für den Abend eingeflogen, markierte den atmosphärischen Höhepunkt eines Balles, wie ihn die Stadtschützen wohl schon länger nicht mehr gefeiert haben.
Die Tanzkapelle? Mit der Barney Jackson Band spielte eine der besten der Region auf, derart begehrt, dass die Pavenstädter Schützen so entgegenkommend waren, ihren eigenen Winterball zu verschieben, um nicht auf sie verzichten zu müssen. Die Sänger? Mit Giorgios, einem griechischen Tenor, und Sabine Marleen, einer Sängerin mit Tonlage zwischen Aretha Franklin und Duffy, war vorzügliches Niveau geboten. Die Programmnummern? Mit den hüftschwingenden Brasilianern, den beiden Luftakrobaten des "Duo Excellence" sowie dem Debütanten-Defilee der Tanzschule Weissenberg, bewährt beim Landespresseball, waren sie exquisit ausgesucht. Die Tombola? Bestückt mit Schrankwänden von Wöstmann, Fahrrädern von Wulfhorst und Markenuhren von Dodt, mussten die Verkäufer nicht lange Eimerchen tragen, bis sie alle Lose abgesetzt hatten.
Der prominent besetzte Thron, ein Querschnitt durch die Gütersloher Geschäftswelt, hatte offenbar wenig Kosten gescheut, einen unterhaltsamen Abend zu organisieren. Nicht nur das: Wochenlange Akquise bei den Gütersloher Bürgern, zumal bei der Kaufmannschaft, führte dazu, dass der große Saal der Stadthalle voll war, mit Tischreihen dicht an dicht. "Es sollte ein besonderer Abend werden", lächelte Schützenkaiser Dieter Lohmann zufrieden, "das war uns wichtig." Sein Thron hatte Platz genommen an einer goldüberzogenen, mit Kerzenleuchtern dekorierten Tafel, die derart üppig geschmückt war, dass die Throngemeinschaft freilich darauf verzichten musste, ihn mit Tellern vom Gala-Buffet des "Sinfonie"-Chefkoches Olaf Sieweke zu verunstalten.
Dass der Winterball nicht nur an die Stimmung vor 27 Jahren anknüpfte, sondern schon das aufnehmen durfte, was im Vorjahr die Regenten Karl-Johann Lukarsch und Regina Schneider geleistet hatten, darüber äußerten sich Lohmann und der Schützen-Vorsitzende André Schnakenwinkel dankbar. Denn ein bisschen nervös waren alle doch gewesen. Lohmann hatte zunächst seinen Wein (siehe Kasten) vergessen, und Ehrengast Maria Unger, in froher Erwartung, an diesem Abend Oma zu werden, hatte ihr Handy nicht aus den Augen gelassen.