Verl-Kaunitz (fred). Der Streit um die Beschriftung der Ortsschilder nach der Stadtwerdung Verls (die NW berichtete) geht in eine neue Runde. In einem Offenen Brief an die Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt fordern Vertreter aus Vereinen und Verbänden im Stadtteil Kaunitz das Auswechseln der aufgestellten Ortseingangsschilder.
In dem Brief heißt es unter anderem: "Die Stadt Verl hätte gar keine neuen Schilder gebraucht und auch noch Geld gespart! Es wäre ausreichend gewesen, hätt man ’Gemeinde Verl’ mit einem gelben Klebeband und der Aufschrift: ’Stadt Verl’ überklebt."
Die Verfasser kritisieren, dass es im Vorfeld keine Gespräche in den Fraktionen, mit den Dorfgemeinschaften und den Bürgern der Stadt gegeben hat. "So erkennen wir nur einen willkürlichen Verwaltungsakt, der nach Meinung ganz vieler Bürger eben an den Bürgern der Stadtteile vorbeigeht.
Hier wäre Bürgernähe außerhalb von Wahlkampfzeiten ein wohltuender Akt gewesen, die dem Bürger deutlich gemacht hätte, es geht uns um euer und unser aller Wohl!" Die Vertreter fordern eine Veränderung der Ortseingangsschilder in dem Sinne, dass der Stadtteil in der ersten Schriftreihe steht, die Kommune: Stadt Verl in der zweiten Reihe und der Kreis Gütersloh die untere Schriftreihe ausfüllt.
Unterdessen wird die Stadtverwaltung im nächsten Straßen-, Wege- und Verkehrsausschuss am kommenden Dienstag, 16. März, um 16.30 Uhr empfehlen, dem Bürgerantrag zur Gestaltung der Ortstafeln nicht zu folgen.
In der Vorlage begründet Bürgermeister Paul Hermreck die Entscheidung mit der kommunalen Neugliederung im Jahr 1970: "Auch in der Folgezeit bis heute war man sich politisch einig, dass es sich bei der Gemeinde Verl um einen Ort handeln soll und nicht um einen aus fünf verschiedenen Ortsteilen zusammen gesetzten Ort." Der Grundgedanke sei seinerzeit gewesen, dass nicht das Ortsteildenken, sondern das Gesamtgebilde Verl im Vordergrund stehen sollte. "Mit der Stadtwerdung sollte dieses ’Gesamtgebilde Verl’ weiter unterstrichen werden, was dazu geführt hat, dass Verl in der ersten Zeile der nun aufgestellten Ortstafeln steht." Hermreck sieht die Protestbriefe von Joachim Cruse, der St. Hubertus-Schützenbruderschaft Kaunitz und der Dorfgemeinschaft, in denen die mangelnde Beachtung des Ortsteils Kaunitz bei der Beschilderung kritisiert wird, nicht als allgemeine Wahrnehmung: "Aus den anderen Ortsteilen liegen bis zum heutigen Tage keine gleichlautenden Anträge vor." Die vom Antragsteller Cruse erhobenen Vorwürfe des "unterbutterns" entzögen sich einer rationalen Bewertung. Im Falle einer Umgestaltung sollten auch die Ortstafeln aller Ortsteile verändert werden. Die Kosten für die 32 Tafeln beliefen sich dann auf rund 3.500 Euro. Die Ortsteilbeschilderung wird Thema im Rat am 22. März sein.