Gütersloh. Zwei von 524 Stuhlpaten wollten nicht ihren eigenen Namen verewigen. So steht auf einem Theatersessel nun "Alles ist Theater" – auf einem anderen "Theater ist alles." Zwei Sprüche, die eine Emotion zusammenführen, die am Samstag zur Eröffnung des neuen Theaters Gütersloh ihren Ausdruck fand.
"Mit unserem Theater sind wir die ostwestfälische Antwort auf Ruhr 2010", sagte Bürgermeisterin Unger schmunzelnd vor Stolz. In ihrer Ansprache ließ sie den jahrzehntelangen Kampf ums Theater Revue passieren, dankte Weggefährten wie Helmut Lütkemeyer oder den Beigeordneten Andreas Kimpel, Josef E. Löhr und Joachim Martensmeier, die anstelle von Schelte an diesem Tag großen Beifall für ihre Arbeit rund um den Theaterneubau entgegen nehmen konnten. "Kommunen tragen Verantwortung für Kultur", sagte Unger und sprach ihren Zuhörern im vollbesetzten großen Theatersaal Mut zu: "Auch wenn die Zeiten um so vieles schlechter geworden sind: Wir schaffen das!"
Diesen verbalen Wurf fing NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auf. "Mut ist gerade jetzt wichtig. Wie sollen wir denn sonst aus der Krise rauskommen?" Bei seinem Kollegen im amerikanischen Pittsburgh habe er sich informiert, wie er die Stadt – einst gebeutelt von der Wirtschaftskrise – aus der Situation herausgeführt habe.
10.000 Euro für Kinder- und Jugendtheater-Programm
Dort habe man als erste Maßnahme fünf Lehrstühle für Modern Jazz an der Universität eingerichtet. Eine scheinbar paradoxe Handlung. Aber: "Wenn Kultur da ist, sind auch Menschen da. Und wo Menschen sind, da ist wirtschaftliches Wachstum möglich." Um Menschen in einer Stadt halten zu können, bedarf es nach Rüttgers drei Voraussetzungen: Kultur, grüne Parks und Spitzensport. "Dann empfinden wir Heimat." Dass Gütersloh nun durch sein Theater attraktiver wird, daran gebe es für ihn gar keinen Zweifel, und das sei auch der Grund, warum das Land 875.000 Euro Fördermittel dazu gebe. Und der Ministerpräsident hatte einen weiteren Scheck in der Tasche: 10.000 Euro für das Kinder- und Jugendtheater-Programm. "Besser der Onkel, der was mitbringt, als die Tante, die Klavier spielt", für Rüttgers’ Geste gab’s reichlich Applaus.
Überraschung | FOTO: VORNBÄUMEN
"Ich mache seit 40 Jahren Theater, aber ich habe noch nie ein Theater eröffnet", gestand Friedrich Schirmer. Der Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg hatte eine Tasche gepackt. "Hier drin ist all das, was ich Ihnen erspare." Und so gab es keine elfseitige Rede, auch kein Konzert mit Apfel, Banane und Bio-Mango in Anlehnung an das Vienna Vegetable Orchestra, sondern eine amüsante Abhandlung von Ein-und Ausladungen, die der Intendant in all den wechselvollen Theater-Jahren aus Gütersloh erhalten hat.
Schirmer wünschte der Bürgermeisterin für das neue Haus "Stets viel Wasser unterm Kahn" und überreichte einen Bühnenbohrer. Nicht in der Tasche aber dennoch dabei: Schirmers Ensemble aus dem Schauspielhaus, das am Abend mit "Zigeunerjunge" die Premierenvorstellung bestreitete.
Name gesucht
Nun ist es fertig, das Gütersloher Theater. Bei der Eröffnung meinte Architekt Jörg Friedrich, dass noch eine Kleinigkeit fehlt: der Name. Die Lokalredaktion fragt deshalb die Leser: Welchen Namen sollte das Theater künftig tragen? Schreiben Sie uns per Mail: guetersloh@neue-westfaelische.de oder diskutieren Sie in unseren Kommentaren mit.
Moment zwischen Weinen und Jubel
"Ich bin total glücklich", Karin Miele machte keinen Hehl aus ihrer Freude. Als Unternehmerfrau und Vorstandsmitglied des Theaterfördervereins hatte sie in den vergangenen Jahren die Rolle der Sponsoren-Besorgerin. "Glauben Sie mir, das ist der unangenehmste Posten, den man haben kann", aber sie war erfolgreich. Sechs Millionen Euro Spenden kamen zusammen. "Alle haben meine Bettelei mit Wohlwollen geprüft", und sie kündigte vergnügt an: "Ich kann Ihnen leider nicht versprechen, dass ich nicht wieder bei Ihnen anklopfe." Mit einer ersten Spareinlage von 10.000 Euro gab der Förderverein den Startschuss für den "Theaterfonds". Vorsitzender Eckhard Heitlage versprach der Bürgermeisterin: "Wir werden Ideen entwickeln, wie das Geld verwendet wird. Lassen Sie sich überraschen!"
Ein Moment zwischen Weinen und Jubel war es für Architekt Jörg Friedrich. "Seit 20 Jahren streiten wir über dieses Theater. Sie haben etwas sehr Zähes", oft hatte er sich über Gütersloh geärgert, doch in diesem Moment sollte es auch ein Kompliment sein. Als Geschenk hatte er einen besonderen Schlüssel für die Bürgermeisterin mitgebracht, "damit können Sie das Theater auf-, aber nie wieder zuschließen." Zwei Fehler am Theater machte Friedrich noch aus: Es hat keinen Namen und "der Anteil von silberhaarigen Besuchern ist zu hoch." Alles ist Theater – Theater ist alles.
Das Theater sucht einen Namen
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