Gütersloh (jez/gans). Fußgetrampel, Bravo-Rufe, Standing Ovations - so enthusiastisch hat man das Gütersloher Publikum selten erlebt. Mit wahren Applaussalven klatschten 530 Premierengäste im neuen Theater das Ensemble des Deutschen Schauspielhauses immer wieder auf die Bühne. Und die neun Darsteller ließen sich nicht lumpen, sondern heizten die Begeisterung des Publikums mit Balkan-Pop aus dem Stück "Zigeunerjunge" von Erik Gedeon immer wieder aufs Neue an. Erfolgreicher hätte die Premiere nicht verlaufen können.
Das Ziel, zur Eröffnung des Theaters Unterhaltung zu bieten, die alle Menschen begeistert, wurde erreicht. Damit das klappt, hatten sich alle Verantwortlichen zuvor gründlich ins Zeug gelegt. "Ich habe die letzten Nächte hier im Theater geschlafen", sagte Architekt Jörg Friedrich. Die korrekte Einstellung der Lichter, das Begutachten der Technik und Akustik hat er zur Chefsache erklärt. "Ich hätte ja auch damit gerechnet, dass ein paar protestierende Bürger am Eingang stehen", für diesen Fall hatte der Hamburger sich eigens ein paar Eintrittskarten besorgt, die er den Theatergegnern gerne geschenkt hätte. Doch von Protest war am Samstag nichts zu spüren - weder innen noch außen.
"Die letzten Handwerker habe ich eben in der Skylobby verabschiedet", sagte Bauleiter Joachim Oehme zehn Minuten vor der offiziellen Eröffnungsfeier. Rund um die Uhr sei in der vergangenen Woche gearbeitet worden. "Das ist normal." Ob er trotzdem erleichtert sei? "Schon, aber wirklich erleichtert war ich im Januar. Da wusste ich, dass es fertig wird." Für den Ingenieur war der Umbau des Bielefelder Theaters nach eigener Aussage schwieriger.
"Ich sehe keine Stilbrüche."
"Jetzt haben wir eine Kulturdiagonale", schwärmte Ullrich Felchner vom Förderverein historische Kirchen. Sein Arm wies die Richtung: "Vom Theater bis zur Apostelkirche." Dort solle zukünftig wie gewohnt Programm gemacht werden.
"So ein Theater ist nur hier in der Provinz möglich", sagte Karin Zinkann. Warum? "Weil es hier einen überschaubaren Kreis von handelnden Personen gibt", überall anders hätte sich die Idee wohl verlaufen. Das Gütersloher Netzwerk trägt. "Als nächstes wollen wir unser Veerhoffhaus zurück", so Zinkann entschieden. Der Kreiskunstverein brauche eine vernünftige Bleibe. Derweil sprach der Vorsitzende des Kunstvereins, Friedrich-Wilhelm Schröder, dem Architekten-Kollegen Prof. Friedrich ein Lob aus: "Er hat sich an jeder Stelle im Haus durchgesetzt. Ich sehe keine Stilbrüche."
Großsponsorin Liz Mohn weilte im Ausland; Sohn Christoph war zur Eröffnung gekommen. Auch Gunter Thielen und Hartmut Ostrowski vertraten den Bertelsmann-Konzern. "Das Theater haben wir. Jetzt müssen wir sehen, dass der lokale Sport Geld bekommt", meinte Ostrowski und ergänzte: "Das werde ich zu meiner Aufgabe machen."
Die Begeisterung über das Theater setzte sich gestern am Besuchertag fort. Tausende Bürger inspizierten das Haus und brachten es mit ihrem Beifall erneut zum Klingen.