Gütersloh. Die ersten Risse tauchten ein halbes Jahr nach Wiedereröffnung des Gütersloher Erlebnisbades "Welle" Ende 2008 auf. In Haaresbreite verliefen sie über Betonwände des neuen Sauna-Anbaus. Das war noch kein Anlass zu Sorge, Denn: Kein Neubau ohne Risse. Doch es wurden immer mehr, summierten sich auf fast 50. Obendrein nahmen sie immer öfter eine bedenkliche Form an. Inzwischen sind die Schäden ein Fall fürs Gericht.
Die Stadtwerke Gütersloh (SWG) haben nach Auskunft des Leiters der Bäderbetriebe, Michael Sucker, beim Landgericht Bielefeld ein Beweissicherungsverfahren eingeleitet. "Vorsichtshalber, damit wir unsere Rechtsansprüche gegenüber den Planern und der Baufirma nicht aus der Hand geben", sagt Sucker.
Daher habe man die Risse auch nicht einfach zugeschmiert und übergestrichen. Stattdessen wurde über jedem einzelnen eine Gipsmarke angebracht. Einige sind inzwischen ihrerseits gerissen, was zeigt, dass noch immer Bewegung im Bau steckt.
Parallelen zu Köln?
Ein unabhängiger Gutachter soll klären, woher die Risse genau rühren und wie sie sachgerecht zu behandeln sind. "Wir warten tagtäglich auf das Ergebnis", berichtet Versorgungstechniker Joachim Suchart, der den fünf Millionen Euro teuren Umbau als SWG-Bauleiter betreute.
Mit Spekulationen halten sich Suchart und Sucker unter Hinweis auf das schwebende Verfahren zurück. Handelt es sich um normale Setzungserscheinungen? Liegt es daran, dass der Beton im feuchten Raumklima besonders viel Zeit zum Abtrocknen benötigte? Oder wurde vielleicht, wie beim Bau der Kölner U-Bahn zu wenig Stahl eingebaut? Sämtliche Abnahmeprotokolle sind dem Gerichts-Sachverständigen übergeben worden.
Laut Suchart stellen weniger die feinen senkrechten Risse auf den langen Betonwänden ein Problem dar, denn sie orientierten sich an sogenannten Sollbruchstellen. Aber die schrägen mit teilweise treppenartigem Verlauf wie in der neuen Sauna-Lobby, die könnten eventuell auf statische Gründe zurückzuführen sein.
Bau auf Betonpfählen
Als "rein kosmetisches Problem" bezeichnet der Projektleiter des zuständigen Planungsbüros pbr (Osnabrück), Peter Korthals, die Risse. Tragende Wände seien nicht betroffen. Der Sauna-Anbau habe wegen des engen Terminplans vor der ohnehin verzögerten Inbetriebnahme möglicherweise nicht genug Zeit gehabt, zu trocknen. "Das sieht jedoch schlimmer aus, als es ist."
Für Korthals könnten die Risse zumindest teilweise auch aus der ungewöhnlichen Gründung resultieren. Der Neubau ruht auf rund 120 Betonpfählen, die in den Boden gegossen wurden.
Wie berichtet, kam es ausgerechnet beim letzten Pfeiler zu einer Panne, als bei den Bohrarbeiten versehentlich der Abwasserkanal getroffen wurde und hinterher mehrere Kubikmeter Beton in das Rohr gepumpt wurden.
Auf jeden Fall ausgeschlossen sind nach Aussage der SWG Gefahren für die Besucher. Das habe ein frühzeitiger Termin mit allen Beteiligten vom Architekten bis zum Statiker gezeigt. Die Gäste hätten sich schon an unschönen Begleiterscheinungen gewöhnt, zumal es ein schleichender Prozess gewesen sei.
Gleichwohl ist Michael Sucker alles andere als gelassen. Jede Menge Risse in den Wänden passen schließlich nicht recht zu den fünf Sternen, mit denen der Deutsche Sauna-Bund die "Premium"-Anlage dekoriert hat. Aber da hatte der Tester weniger die Wände im Blick als vielmehr die Schwitz-Angebote.