Gütersloh/Rietberg. Fantasiegeschichten mag sie nicht, Krimis auch nicht. Am liebsten sind Judith Kleinheinrich Geschichten aus dem wahren Leben. Und die schreibt sie gleich selbst. So wie "Zuckerwatte-Welten". Mit der schaffte die Gymnasiastin jetzt eine Nominierung für den bundesweiten THEO-Preis für Junge Literatur. Es war ihre erste Bewerbung und die Nominierung kam für sie ein klein wenig überraschend.
"Eigentlich war ich selbst nicht so besonders überzeugt von der Geschichte", sagt die 12-Jährige und schmunzelt. Durch Zufall hatte sie den Schreibwettbewerb im Internet gefunden, "per Google", und sich einfach mal gedacht: Warum nicht mitmachen? "Ich hatte vorher einige Textausschnitte meiner Manuskripte schon an Verlage geschickt und dachte, jetzt könnte ich es mal bei einem größeren Schreibwettbewerb versuchen", erklärt die Schülerin.
Denn Bücher schreibt die Siebtklässlerin des Städtischen Gymnasiums auch schon: "Hunde und andere Wünsche" heißt das erste. "Es handelt von einem Mädchen, dass sich einen Hund wünscht. Ihre Eltern einigen sich darauf, dass sie sich die Kosten für das Tier selbst verdienen muss. Also arbeitet sie im Tierheim und erlebt viele tolle Sachen", verrät Judith. Genau wie das zweite Buch, "Marshmallowstadt und Maracujamilchshake", ist noch in Arbeit, füllt aber schon zwei bunte Din-A5-Collegeblocks, in denen Zeile an Zeile dicht geschrieben steht. Ihre Ideen holt sich die 12-Jährige aus dem Alltag. "Wenn ich etwas Lustiges sehe, dann merke ich es mir und schreibe es gleich in mein Notizbuch." Die Kapitel für ihre beiden Bücher stehen aber schon – fein säuberlich in ein Schulheft eingetragen sind sie das Gerüst für Judiths Geschichten. Für jedes Kapitel hat sie die Handlung festgelegt.
Zum Schreiben kommt Judith allerdings meist erst am Wochenende. "Ich spiele auch noch Klavier, lese viel und gehe reiten", zählt sie ihre weiteren Hobbys auf. Apropos Reiten – seit gut einem Jahr schreibt sich Judith auch regelmäßig mit einer ihrer Lieblingsautorinnen, der Jugendbuchverfasserin Kathrin Schrocke, die auch Pferdebücher schreibt. "Sie hat mir viel Mut gemacht und mich ermuntert", erzählt die Schülerin begeistert. Mut, um nach ersten Erfolgen bei Schreibwettbewerben an ihrer Schule auch beim THEO mitzumachen, zum Beispiel.
Ganz kurz vor Abgabeschluss habe sie die Geschichte "Zuckerwatte-Welten" geschrieben. An nur einem Tag. Nun fiebert Judith dem großen Tag am 18. April entgegen. "Ich weiß noch gar nicht, was da auf mich zukommt und wieviele Leute dort sind." Das Vorlesen vor Publikum wolle sie noch üben, betont die Rietbergerin.
Und egal, ob sie am Ende gewinnt, das nächste Ziel hat Judith fest im Blick: "Die beiden Bücher fertig schreiben." Und bei Verlagen anbieten. "Ein Buch von Kindern für Kinder, das wäre doch mal was anderes."