Gütersloh. Die rechtspopulistische Initiative "Pro NRW" hat gestern vergeblich versucht, auf dem Berliner Platz mit einer Kundgebung für sich zu werben. Ein breites Bündnis aus linken Gruppierungen blockierte den Tourbus und den Pkw, in dem der deutsch-schwedische Unternehmer und Pro NRW-Politiker Patrik Brinkmann saß. Dann kam es zum Eklat.
Um 17.30 Uhr bog der dunkle Tourbus mit der Aufschrift " Gegen Islamisierung" über die Fußgängerzone auf den Berliner Platz ein.
Dicht gefolgt von dem VW Touran, mit dem Brinkmann, Geldgeber und Wahlkampfredner für Pro NRW, chauffiert wurde. Dort wurden sie mit Pfiffen und Sprechchören von etwa 50 Demonstranten empfangen, darunter Jusos, Mitglieder der Partei "Die Linke", der Gütersloher Antifa-Bewegung, aber auch Jugendliche, die keiner Organisation angehörten, nur gegen die vom Verfassungsschutz beobachtete und als rechtspopulistisch geltende Pro NRW demonstrieren wollten. Mit Luftschlangen "schmückten" sie die beiden Autos, klebten Sticker auf die Motorhauben, klatschten Flugblätter an die Scheiben und kesselten Bus und Pkw langsam von allen Seiten ein. Für einen Moment lang schien es, als ob Pro NRW dennoch die ordnungsgemäß angemeldete und von der Polizei rechtlich nicht zu beanstandene Kundgebung beginnen wollte. Zwei in dunkle Anzüge gekleidete Bodyguards verließen den Bus, sicherten die Tür. Das tadellose Outfit litt ein wenig unter den an den Hosenbeinen deutlich sichtbaren Spuren von Eigelb: Zeichen des Unmuts, den die Initiative zuvor bei Auftritten in Bielefeld, Minden und Bad Salzuflen einstecken mussten.
Als die Demonstranten den Ausstieg nicht frei geben wollten, verlor der Busfahrer die Nerven. Er gab plötzlich Gas, der schwere Bus machte einen Satz nach vorn, begrub ein Plakat unter sich und fast eine Gruppe von Jugendlichen. In letzten Sekunde konnten sie beiseite springen. Mit hoher Geschwindigkeit raste der Bus zur Blessenstätte – beworfen von Plastikflaschen und Eiern der aufgebrachten Demonstranten. An der Stadtbibliothek war die Fahrt zu Ende: Polizeibeamte umstellten den Bus, nahmen die Personalien auf. Sprecherin Corinna Koptik: "Wir prüfen, ob es eine Anzeige wegen versuchter Körperverletzung gibt." Der Vorgang wurde aus dem Fenster des alten Amtsgerichts gefilmt.
Sichtlich geschockt von den Verhalten waren Michael Pusch und Rudolf Schiedel von der Partei "Die Linke". "Wir konnten uns nur mit einem Sprung retten."
Züge einer Hundertschaft aus Bielefeld und Münster verstärkten die Einheit vor Ort. Zwei Jugendliche wurden in Gewahrsam geworden, einer wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot, der zweite wegen Widerstands.
Pro NRW konnte gegen 19 Uhr seine Kundgebung auf dem Dreiecksplatz beginnen – unter massivem Polizeischutz.