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01.06.2010
GÜTERSLOH
Der Abwrack-Boom und die Folgen
Profiteure von damals sind Verlierer von heute
VON HOLGER KOSBAB

Geplättet | FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh. Ostwestfalen vor einem Jahr: Tausende Menschen fahren ihre Autos zum Schrottplatz – aus Angst, dass sie aus dem Milliarden-Topf der Bundesregierung kein Geld mehr bekommen. Das Zauberwort war "Umweltprämie" – und es wurde abgewrackt, was die Garage her gegeben hat. Heute zeigen sich die Folgen dieser Subventionspolitik.

Ab September 2009 waren keine Anträge mehr angenommen worden, weil die Finanzmittel erschöpft waren. Danach seien "alle mit Schreckensvisionen ins Jahr 2010 gegangen", gesteht Reinhard Aschentrup vom gleichnamigen Gütersloher Autohaus und Obermeister der Kfz-Innung. Er meint besonders den Effekt des vorgezogenen Autokaufs, der zu einem Einbruch hätte führen können. Doch so schlecht sehe es heute nicht aus, wenngleich es auch fabrikatsabhängig sei, so Aschentrup.

"Die Profiteure von damals sind die Verlierer von heute", sagt er mit dem Blick auf die bundesweiten Kfz-Zulassungen im April. So liegt der Wert 31 Prozent unter der Vorjahreszahl, bezogen auf die ersten vier Monate des laufenden Jahres seien es 25 Prozent. Gegenüber April 2009 hätten Fiat 66 Prozent, Toyota 56 Prozent und Opel 55 Prozent verloren, bei Peugeot seien 44 Prozent und bei VW noch 24 Prozent.

2011 soll wieder besser werden

Mit der Abwrackprämie wurden in erster Linie Klein- und Mittelklassewagen gekauft. Die Volumen-Fabrikate wie bei ihm Peugeot hätten gelitten, sagt Ralf Markötter, Geschäftsführer der Markötter-Gruppe: "Rein statistisch musste der Erfolg zurückgehen. Was im Vorjahr gekauft wurde, kann man nicht noch einmal verkaufen." Bei den von der Prämie kaum betroffenen Marken Volvo und Landrover habe sich das Geschäft mittlerweile wieder positiv entwickelt. Trotz der Prämien hatte Markötter, bekennend "kein Freund großer Subventionen", auf ein normales Jahr gehofft: "Dies hatte sich aber nicht bewahrheitet." 2011 soll es nun wieder besser werden.

Der Gebrauchtwagenmarkt habe ein allgemein hohes Niveau, so Matthias Mense, Inhaber des Autohauses Mense. Dagegen sei der Neuwagenverkauf im Privatkundensektor um ein Viertel zurückgegangen und liege auch im Vergleich zu 2008 im zweistelligen Prozentbereich unter den Vergleichszahlen. "Selbst interessante Angebote werden nur verhalten angenommen", betont Mense.

Allgemein erwartet worden war auch ein Einbruch der Reparaturen, sagt Reinhard Aschentrup. "Das hat sich aber letztlich nicht bewahrheitet." Die Auslastung mit Reparaturen ist auch bei Markötter gut. Für Vertragswerkstätten habe er dies auch nicht anders erwartet, so Ralf Markötter.

Gut gefülltes Ersatzteillager

Mächtig viel Arbeit machte die Umweltprämie Maik Milsmann (Niehorster Autorecycling). Knapp 3.000 Fahrzeuge wurden im Vorjahr in seinem Betrieb abgewrackt. "Erheblich mehr als sonst", so Milsmann. Auch wenn sich die Schrottkarossen heute wieder auf normaler Höhe stapelten, so sind immer noch nicht alle Pkw aus dem Vorjahr zerlegt. Das Ersatzteillager sei fürs Erste aufgefüllt, zugleich bemerke Milsmann bei gewissen Fahrzeugtypen ein gesunkenes Interesse an Teilen.

Dies spürt auch Mustafa Eryilmaz von der Gütersloher Autoverwertung. Die Nachfrage bei Gebrauchtteilen sei quer durch alle Marken um 30 Prozent gesunken. Aus seiner Sicht war die Aufstockung der Abwrackprämie eine Katastrophe: "Die Preise gehen auch bei guten Teilen nach unten." Zudem seien die Kosten unter anderem durch zusätzlich nötigen Zwischenlagerplatz gestiegen. Mit dem Verkauf übers Internet – Ebay – will er ein paar Euro zusätzlich verdienen. "Wir versuchen alles Mögliche, um durch diese Krise zu kommen", sagt Eryilmaz.


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Kommentare
Moin moin
Umweltprämie?- Schwachsinn, jeder Motor kann weiter verkauft werden, egal ob Spritschleuder oder Ölschlucker!
Standortsicherung und ankurbeln der deutschen Wirtschaft?- Fehlanzeige, wie immer werden deutsche Steuergelder ins Ausland verschleudert!
Und dann noch die Frechheit deutscher Politiker,- "....kauft ausländische Autos, um jetzt keine spez. Marke zu benennen...."
Und über Qualität aus Frankreich , Italien oder gewisse asiatische Gebiete zu sprechen, lohnt nicht wirklich.
Die Prämie hätte nur für IN DEUTSCHLAND GEBAUTE Autos sein dürfen.
Achso.......Du "F. Überall"- ausländische Autos mögen für den Standartpreis voller ausgestattet sein, aber laß mal 3-5 Jahre ins Land ziehen und die ersten Rep. kommen.
Mag für manches Ohr komisch klingen, aber derzeit ist Mercedes fahren, vor allem im Bezug auf Verschleißteile, eine der günstigsten Varianten ein 4-Rad zu bewegen.
Bedankt und beste Grüße
svente74

Wäre interessant zu erfahren wieviele "PKW-Kredite" aus dem Abwrackjahr platzen.

Hoffentlich geht die Bilanz der "Umweltprämie" auf. Ich vermute eher nicht, da die Produktion (von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Fahrzeug) der neuen Autos mehr die Umwelt belastet hat, als durch die "Verbrauchseinsparung" wieder reinkommt.

Mich wundert es nicht, dass die ausländischen Hersteller die großen Abverkaufssieger sind und die deutschen Autobauer in die Röhre geguckt haben, weshalb das Ansinnen der Regierung, nämlich die deutsche Wirtschaft zu fördern, vollkommen verpufft ist. Schliesslich gibt es bei den ausländischen Herstellern komplett ausgestattete Autos zu einem niedrigeren Preis als z.B. ein deutsches Basismodell, welches dann auch noch mit vielen Aufpreisen komplett gemacht werden muss. Solange sich die Deutschen nicht von dieser Aufpreispolitik verabschieden, werden die Ausländer immer die Nase vorn haben. Hier darf vor allem VW genannt werden, in deren Preislisten die Aufpreis- und Ausstattungspolitik exessiv betrieben wird. Am Ende kommt beim sog. Wunschfahrzeug eine Summe heraus, die den früheren Begriff VOLKS-wagen wahrlich nicht mehr verdient.

Ich sehe hier eher die Problematik das die Zahlen der ausländischen Hersteller ehrlich sind, und die Zahlen von VW geschönt sind.
Wenn VW nur die Zahlen der normalen Verkäufe berücksichtigt, also ohne Tageszulassungen und ohne Ausgliederung an einen Konzerneigene Autovermietung, dann würde auch bei VW ein deutlicheres Minus stehen.
Aber die Wolfsburger waren da ja noch nie ehrlich



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