Gütersloh. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Gütersloher Anlage-Unternehmen Alternative Capital Invest (ACI). Das haben ACI-Chef Uwe Lohmann und Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann bestätigt. Der Vorwurf gegen ACI lautet auf Kapitalanlagebetrug. Nach der Durchsuchung der ACI-Räume in Gütersloh hätten die gewonnenen Erkenntnisse "den Verdacht bisher nicht erhärten können", teilt Pollmann mit.
Das Verfahren sei aufgrund der Anzeige eines einzigen Anlegers hin eingeleitet worden, betont Pollmann. In Gang gebracht hat das Verfahren offenbar der Siegburger Anwalt Hartmut Göddecke, der nach eigenen Angaben mehrere der Anleger juristisch betreut.
Er hat sich gestern per Pressemitteilung in das Verfahren eingeschaltet. "Unsere Mandanten haben den Eindruck gewonnen, dass ihr Geld möglicherweise veruntreut wurde", schreibt er. Er wittert ein "modifiziertes Schneeball-System" und fürchtet, am Ende werde "der Traum von der hohen Rendite platzen".
Streitpunkt sind - bereits seit mehr als einem Jahr - die ACI-Fonds Dubai II-V. Rund 160 Millionen Euro haben ACI-Seniorchef Uwe Lohmann und sein Sohn Robin bei rund 8.000 Anlegern eingesammelt. Viele von ihnen stammen aus Nordrhein-Westfalen. Mit dem Geld der Anleger wollte ACI in Boom-Emirat Dubai Hochhäuser mit klingenden Namen bauen.
"Der Niki-Lauda-Tower", der "Boris-Becker-Tower" und das "Michael-Schumacher-Business-Center" sollten Lockstoff sein für all jene, die an das grenzenlose Wachstum am Golf glaubten. Das Problem: Mit der Weltwirtschaftskrise ist das Wachstum im übertragenen und wörtlichen Sinne in sich zusammengebrochen. "Nein", sagt Lohmann, "die Türme stehen noch nicht."
Das allerdings sei - anders als Anwalt Göddecke behauptet - nicht das Verschulden von ACI. Auslöser sei vielmehr, dass zahlreiche Investoren ihre Zahlungen zurückhielten. Und daran trage letztendlich das Emirat Dubai, beziehungsweise die staatlichen Projektentwickler, die Schuld. "Unsere Käufer sehen,
dass gleich nebenan ein fertiger Büroturm steht - aber ohne Strom, ohne Wasser, ohne Zufahrt." Und sie fürchten, dass das bei den ACI-Projekten genauso passieren könnte. Für die Infrastruktur aber seien die staatlichen Projektentwickler zuständig, erklärt Lohmann. Die habe er - wie vom Gesetz vorgesehen - bezahlt.
"Aber arbeiten tun die trotzdem nicht. Auch nicht nach mehrmaligen Mahnungen." Also kann es aus Lohmanns Sicht erst weitergehen, wenn der Staat wieder flüssig ist. Weil dann die Infrastruktur gebaut wird, die Investoren neues Vertrauen schaffen und das Geld bereitstellen, damit auch Lohmann selbst seine hochfliegenden Tower-Pläne verwirklichen kann.
Erst in dieser fernen Zukunft dürfen auch die ACI-Anleger Hoffnung haben, die erhofften Renditen einzufahren. "Die Anleger sind informiert", sagt Lohmann. Und die Staatsanwaltschaft sei es nun auch.
Emirat der Superlative
Dubai, das kleine, reiche Emirat am persischen Golf, galt lange Jahre als die Boom-Region schlechthin. Zu Hunderten wurden die Wolkenkratzer in die Höhe gezogen. Das höchste Hochhaus der Welt, der größte Hafen, das größte Einkaufszentrum, die "Palme" als größte künstliche Insel der Welt. Scheich Mohammed, Herrscher von Dubai, schwelgte viele Jahre in Superlativen. Sein Ziel war, Dubai zum Dienstleistungs- und Tourismus-Zentrum schlechthin zu machen.
Im Herbst vergangenen Jahres hat die Finanzkrise auch das Emirat erfasst, der staatseigene Projektentwickler Dubai World samt Tochtergesellschaft Nakheel war annähernd pleite. Gerettet hat das Emirat der superreiche Nachbar Abu Dhabi mit neuen Krediten. Seither ist es deutlich ruhiger geworden in Dubai. Noch immer liegen zahlreiche Baustellen brach.