Gütersloh. Der Wandkalender im Wohnungsflur verzeichnet unter dem Datum 11. Juni für 8.15 Uhr einen Termin beim Hausarzt oder Hautarzt, genau ist das nicht zu entziffern. Der Arzt hat Margarete Hutta nicht zu sehen bekommen. Wie berichtet, gilt die 29-jährige Gütersloherin seit diesem Datum als vermisst.
In dem Bemühen, Öffentlichkeit herzustellen, gab die besorgte Mutter Josefine Hutta gestern Medienvertretern die Gelegenheit, in die Wohnung ihrer Tochter zu sehen. Eine Produktionsfirma machte Fernsehaufnahmen, führte Interviews. Sie will den Beitrag öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern anbieten. "Das Fernsehen hilft vielleicht weiter", hofft Josefine Hutta. Sie schläft schlecht,wartet auf ein Lebenszeichen ihrer Tochter. Zuletzt war Margarete auf dem Flughafen Düsseldorf gesehen worden, nach ihrem Rückflug aus New York. Auch auf ihrem Sparkassenkonto gibt es keine Kontobewegungen.
Die Mutter hat ein neues Schloss in die Wohnung ihrer Tochter an der Hermann-Nohl-Straße einbauen lassen, sie lässt die Journalisten hinein. Die Wohnung ist sauber, aufgeräumt. Hinter der Tür sind sechs Paar Schuhe aufgereiht. Die Küche sieht frisch geputzt aus, das Geschirr steht da, als sei es eben abgespült. Im Schlafzimmer ist das Bett gemacht, auf dem Nachttisch stehen Handcrème, Teddy, Schmuckkästchen und Wecker. "Margarete ist schon immer ein ordentliches Kind gewesen", sagt die Mutter.
Im Wohnzimmer liegen die alten Wohnungs- und Briefkastenschlüssel nebeneinander auf dem Couchtisch. Eine CD mit Nelly Furtado ist im Player eingelegt, daneben liegt eine des Rappers Sean Paul. Vor dem Fernseher sind zwei Heiligenbildchen aufgestellt, "Margarete war gläubig, sie ging oft zur Messe nach St. Pankratius", sagte ihre Schwester Violetta Radzik (39). Auch in der Marienkapelle der Liebfrauenkirche wurde sie schon mal gesehen.
Die Mutter versucht es immer wieder auf dem Handy, doch das Gerät ihrer Tochter ist tot. Der Briefkasten ist voll: Einige Werbeprospekte stecken darin, der neueste Otto-Katalog und Mahnungen von der Telekom. Die Tochter hatte seit längerer Zeit keine Telefonrechnungen mehr bezahlt. Wie aus ihrem Lebenslauf hervorgeht, ist sie seit einem Jahr arbeitslos. Zuvor hatte die gebürtige Polin als Putzfrau gearbeitet und eine berufliche Integration im Gütersloher Kolpingwerk durchlaufen.
Ob Geldsorgen der Grund für ihr Verschwinden sind? Ihre Schwester und ihre Mutter glauben das nicht. Sie fürchten, dass sie über Kontaktsuche im Internet an einen Falschen geraten sein könnte. "Aber wir beten und geben die Hoffnung nicht auf", sagen sie.