Gütersloh. Mit großer Sorge haben Anwohner auf die Mitteilung reagiert, in der Haftanstalt Gütersloh-Pavenstädt sitzen überwiegend Sexualstraftäter ein. "Die Leute hier sind bestürzt", sagte ein Anwohnerin am Pavenstädter Weg. Äußerungen, wonach Sexualstraftäter in Pavenstädt ein "Netzwerk" aufgebaut hätten, um sich über potenzielle Opfer auszutauschen, wies der Leiter der Justivollzugsanstalt Bielefeld-Senne, Uwe Nelle-Cornelsen, gestern indes zurück.
Der Richter, der diese Aussage kürzlich in einem Strafprozess getätigt habe, bedauere diese Aussage mittlerweile, so Nelle-Cornelsen. "In der Außenstelle Pavenstädt gibt es keine organisierte Struktur für weitere Straftaten und keine diesbezüglichen Listen", betonte er.
Im Pavenstädter Gefängnis gibt es 76 Haftplätze. 44 davon sind derzeit laut Nele-Cornelsen mit Sexualstraftätern belegt, davon wiederum sind einige zusätzlich auch wegen anderer Delikte verurteilt. Pavenstädt ist eine Anstalt des Offenen Vollzugs, tagsüber gehen die Insassen einer Arbeit auf dem Anstaltsgelände oder in Fremdfirmen nach.
Anwohner planen Treffen
"Der Anteil an Sexualstraftätern in Pavenstädt ist vergleichsweise hoch", sagte Nelle-Cornelsen. Das erkläre sich dadurch, dass dort überwiegend Straftäter einsäßen, die therapeutisch behandelt würden. "Das hat etwas mit der Konzentration an Therapeuten im Raum Gütersloh zu tun. Die Außenstelle Pavenstädt ist für uns Schwerpunktanstalt für Insassen, denen wir Therapiemöglichkeiten anbieten wollen."
Und zu dieser Gruppe zählten Sexualstraftäter. Dass es 2008 dort Absprachen zwischen einzelnen Insassen gegeben häbe, sei offenbar Fakt. "Das war aber nur für einen sehr begrenzten Zeitraum, und von einer organisierten Struktur kann keineswegs die Rede sein."
Rund um den Pavenstädter Weg wird das Thema derweil heiß diskutiert. "Die Insassenstruktur war hier niemandem bekannt", sagt eine Anwohnerin. "Zu erfahren, dass täglich Sexualstraftäter vor unseren Gärten und Türen hermarschieren und unsere Kinder betrachten, erfüllt uns mit großem Zorn. Pavenstädt will und duldet keine Menschen, für die Menschlichkeit ein Fremdwort ist."
Einige Anwohner planen nun ein Treffen, in dem sie sich über weitere Schritte austauschen wollen. "In Pavenstädt leben viele Familien, außerdem haben wir Kindergärten und eine Grundschule in der Nähe. Wir fragen uns daher, ob ausgerechnet am Pavenstädter Weg solche Tätergruppen gebündelt werden müssen." Wünschenswert sei, eine Informationsveranstaltung zu organisieren, möglichst mit dem Anstaltsleiter.
Nelle-Cornelsen sagte, ihm sei an Transparenz gelegen. "Haftanstalten brauchen öffentliche Akzeptanz." Er wies darauf hin, dass der weitaus größte Teil der Sexualstrafstäter ihre Delikte im unmittelbaren Nahbereich begingen. "Wir reden hier von Onkeln, Vätern, Stiefvätern, Großvätern. Dass wirklich jemand daherkommt und greift sich ein Kind vom Schulhof, ist die absolute Ausnahme. Bei allen berechtigten Emotionen darf man über solche Tatsachen nicht hinweg sehen.