Gütersloh (ost). Udo Jürgens hat sich umgesehen, auch Tony Marshall, Scooter, Boney M. und Roland Kaiser waren dort. Die Bad- und Spiegelgalerie an der Blessenstätte genießt überregionalen Ruf. Genoss, muss man leider sagen. Ende des Monats wird sie geschlossen.
Weil sie keinen Nachfolger gefunden haben, geben Mechthild und Werner Krinke das Geschäft schweren Herzens auf. Der Räumungsverkauf läuft seit einigen Tagen. "Für mich Gelegenheit, den Kunden für jahre- und jahrzehntelange Treue zu danken", sagt Mechthild Krinke. Mit Mitarbeiterin Heike Meloh führt sie eine der größten Spiegelgalerien in NRW; auf 800 Quadratmetern und zwei Etagen bieten sie Spiegel aus allen Epochen und Stilen an.
Der Pachtvertrag läuft Ende des Monats aus. Damit endet eine Firmenhistorie, die ihren Anfang im Grunde bereits 1912 nahm. Damals eröffneten die Kaufleute Friedel Twick und Friedrich Lehrke an der Berliner Straße ein Fachgeschäft für Eisenwaren, Werkzeuge und Baubeschläge. Später zogen Twick & Lehrke um und nahmen unter anderem auch die bekannten Royal-Spiegelschränke in ihr Fertigungsprogramm auf.
1954 zog die Eisenwarenabteilung in das eigens dafür erbaute Haus an der Blessenstätte, 1985 wurde die Abteilung für Spiegel angegliedert. Als Twick & Lehrke 1989/90 von Keuco übernommen wurde, nutze die damalige Geschäftsleiterin Mechthild Krinke die Gelegenheit und machte sich mit der Spiegelgalerie selbständig.
Sukzessive baute sie das Geschäft zu einem der größten und schönsten in der Region um. Barockspiegel hängen neben modernen Spiegeln, der klassische, mit Blattgold belegte Rahmenspiegel findet sich ebenso wie der rahmenlose Kristallglasspiegel mit den breiten angeschliffenen Facetten und der ungewöhnlichen geometrischen Form. Um die Auswahl zeitgemäß zu halten, besuchte Krinke Messen in Frankfurt, Mailand, Paris oder Kopenhagen. Die Kunden, auch jene Prominenten, die Ehemann Werner über seine Tätigkeit bei Ariola vermittelte, wussten es zu schätzen. Dass sich in den vergangenen Jahren das Einkaufsverhalten vieler Menschen verändert hat, weniger Wert auf Qualität gelegt wird, bemerkten die Krinkes freilich auch.
Die Option, an anderer Stelle ein kleineres Geschäft zu eröffnen, erhält sich Mechthild Krinke gleichwohl. "Mal sehen", sagt sie. "Zunächst machen wir Urlaub."