Gütersloh. Einzigartigkeit ist mitunter eine Bürde. Weil die Kornbrennerei-Elmendorf unvergleichbar in Westfalen-Lippe ist, darf die Eigentümerfamilie ihren Besitz nicht abreißen. Das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Westfalen Lippe ist dieser Meinung und lehnte den Abrissantrag, den die Familie Elmendorf im Dezember 2009 gestellt hatte, ab. Das bestätigten auf Anfrage der NW Stadtbaurat Josef E. Löhr und der Pressesprecher des Landschaftsverbandes, Markus Fischer.
"Uns liegt die schriftliche Ablehnung unseres Antrages noch nicht vor", sagte Knut Elmendorf. Dem letzten Chef der Kornbrennerei, der die Destillation 2001 einstellen musste, war aber schon vor drei Wochen signalisiert worden, dass das Denkmal nicht der Abrissbirne zum Opfern fallen werde. "So einfach könne man den "gordischen Knoten", den die Denkmalschutzgesetzgebung schnüre, halt nicht durchschlagen, erklärt Elmendorf. "Nun ist wieder alles offen".
Jahrelang versuchte die Familie Elmendorf, das komplett unter Denkmalschutz stehende Areal mit neuem Leben zu erfüllen. Kai Elmendorf, Sohn des letzten Firmenchefs, hatte viel vor mit dem 8.000 Quadratmeter großen Areal mitten im Ortskern. Eine Gastronomie der gehobenen Klasse sollte dort entstehen, Büros, Einzelhandelsgeschäfte und ein Appartement-Hotel. "Die Auflagen waren so hoch, dass sich das nicht gerechnet hat", erklärt Kurt Elmendorf das Scheitern. "Wir hätten ein halbes Theater, also knapp 12 Millionen Euro investieren müssen, um den Vorschriften gerecht zu werden."
Der erfahrene Kornbrenner grämt sich nicht: "Bei Denkmälern denken wir in längeren Zeiträumen. Nun muss man eine andere Lösung finden." Dabei bietet das Amt für Denkmalpflege seine Unterstützung an.Man werde versuchen, mit der Familie Elmendorf eine alternative Nutzung für das Areal zu finden, das auch durch seine städtebauliche Lage und Funktion die Denkmalschützer auf den Plan rufe, kündigte Markus Fischer an.
Bis es soweit ist, investiert Elmendorf in sein Erbe. "Die Sanierung des Schornsteins der Reinigungsanlage, die 1907 gebaut und 1919 außer Dienst gestellt worden sei, habe ihn 14.000 Euro gekostet, 7.000 Euro steuerte die Denkmalschutzbehörde zusätzlich bei. "Der Abriss war auf 25. 000 Euro beziffert worden".
Was 300 Jahre lang im Zentrum von Isselhorst errichtet, an- und umgebaut wurde, sei reine Industriearchitektur – einfach , funktional und nicht für die Ewigkeit entworfen. Was heutzutage in Gewerbegebieten entstehe, folge gleichen Vorgaben, erklärt Elmendorf die Schwierigkeiten, das Areal der Nachwelt zu erhalten. Jene Industriearchitektur ist es, an der die Denkmalschützer ihren Gefallen gefunden haben. Deshalb sahen sie sich nicht in der Lage das "Benehmen herzustellen". So nennt es die deutsche Verwaltung, wenn sie einem Rechtsakt als beteiligte Behörde zustimmt. Im Fall der Isselhorster Brennerei tat sie es nicht.