Gütersloh. Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland können weder richtig lesen noch schreiben. Diese und andere Zahlen die belegen, dass Lesen keine Konjunktur hat, stören den Vorstandschef der Bertelsmann AG. Zusammen mit der Stiftung Lesen und dem Goethe Institut will der Medienkonzern helfen, dem Analphabetismus Einhalt zu gebieten. Begonnen wird damit in Gütersloh. Gestern startete in der Stadtbibliothek die Aktion "Lesespaß".
Weil das Lesen für Ostrowski die "Kulturtechnik schlechthin" ist, schenkt die AG, die in diesem Jahr ihr 175-jähriges Bestehen feiert, ihrer Heimatstadt dieses auf zwei Jahre angelegtes Projekt. Ziel sei die Leseförderung von Kindern aus " lesefernen Familien".
Wie breit das Projekt angelegt ist, demonstrierte ein Kinderfest in der Stadtbibliothek, bei dem sich alles ums Lesen drehte. Die Autorin Hatice Akyün signierte Autogrammkarten und wurde von ihren kleinen Fans fast überrannt. Durch das Programm führte RTL-Moderatorin Nina Moghaddam. Beide Frauen stehen stellvertretend für die bildende Kraft des Lesens, die den Migrantinnen ihre Integration in die bundesrepublikanische Gesellschaft ermöglicht habe. Geduldig warben sie und auch die Bertelsmänner für den Griff zum Buch.
Bürgermeisterin Maria Unger hat die Schirmherrschaft von "Lesespaß" übernommen. "Je früher wir erfahren, wie Lesen die Fantasie beflügelt und das Leben bereichert, umso sicherer werden wir davon profitieren." Während die Initiatoren erklärten, dass man mit der Leseförderung nicht früh genug anfangen könne und Gütersloh ein Referenzprojekt geschenkt bekomme, von dem auch andere Städte profitieren sollen, feierte der Nachwuchs sich und das Buch. Selten sah man so viel zwischen Buchdeckeln steckende Nasen und nie war es so laut in der Bibliothek.
"Das hat Charme", freute sich eine Mutter, deren Sprössling sich nicht zwischen den Rockkonzert auf dem Vorplatz und der Lesung im Obergeschoss entscheiden konnte. Sichtlich zufrieden darüber, dass sein Geschenk so gut ankommt, trat Hartmut Ostrowski beim Torwandschießen an und beeindruckte den Nachwuchs durch seine Kicker-Qualitäten.
Der Lesespaß in der Bibliothek war aber nur der Auftakt . In den nächsten beiden Jahren werden in Kindertagesstätten und Schulen Jugendliche als Lesescouts aktiv, deutsche und nichtdeutsche Erwachsene bilden mehrsprachige Vorlese-Tandems. Eltern werden in ihrer Rolle als Lese-Vorbilder ermutigt und erhalten Hilfsmittel.