Gütersloh. Kurz nach Mitternacht war der Plan der Teutoburger-Wald-Eisenbahn, das Vermögen der TWE Bahnbetriebs GmbH an den Mehrheitsaktionär Captrain zu verkaufen und ihr Ende als Aktiengesellschaft zu beschließen, vorerst gescheitert. Durch "eine geschickte Vorgehensweise und Fragetaktik sowie Gegenanträge, so Vorstand Thomas Kratzer, habe ein knappes Dutzend kritischer Kleinaktionäre es geschafft, die Hauptversammlung am Montag in der Stadthalle so zu verlängern, dass sie abgebrochen werden musste. Die Presse war nicht zugelassen.
Beschlüsse müssen innerhalb eines Tages gefasst werden. Neben Anfragen war unter anderem ein Gegenantrag erst gegen 23 Uhr eingegangen. Die Hauptversammlung muss nun noch in diesem Jahr wiederholt werden, ein Termin steht noch nicht fest.
Hauptpunkt war die Zustimmung zum Verkauf der TWE-Infrastruktur für 3,39 Millionen Euro. Auf diese Summe schätzt ein unabhängiges Gutachten den Wert der TWE, so Kratzer. Durch das geringe Handelsvolumen sei der Hamburger Börsenkurs von 1.899 Euro für Stammaktien des Typs A sowie 900 Euro (Typ B) für die 6.650 Aktien dabei "nicht repräsentativ".
Bereits früher war der Verkauf an Kleinaktionären gescheitert. Diese stellten sich gegen die "Entwicklung der Gesellschaft", so Kratzer. "Im Vordergrund steht für sie die Gewinnmaximierung: das ist unser Eindruck."
Wilhelm Nottbohm von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre und Sprecher für elf Kleinanleger kritisierte, dass es schon um 11.30 Uhr eine zweieinhalbstündige Pause gegeben hätte, dadurch sei der Verlauf von der TWE selbst verschuldet. Auch sei "es nicht gelungen, das ungute Gefühl bezüglich des tatsächlichen Unternehmenswertes auszuräumen". Nottbohm spricht von 92 Millionen Euro, bei 800.000 Euro für jeden der 115 Streckenkilometer. Skeptisch beäugt er auch das Wertgutachten und wirft Captrain vor, Geld aus der TWE zu ziehen.
Durch den Rückgang des Eisenbahnverkehrs hatte die TWE ein schwieriges Jahr 2009. Der Verlust beträgt 2,1 Millionen Euro, in der Bilanz tauchen durch Vorjahreseffekte 3,7 Millionen Euro an Schulden auf. Mit der Auflösung der AG sollte die Verwaltung verschlankt werden. Das "Einsparpotenzial liege im sechsstelligen Bereich", so Kratzer. Mit der Sicherung und Erhöhung des Güterverkehrsaufkommens, der Reaktivierung des Personennahverkehrs zwischen Verl und Harsewinkel und einer Förderung mit öffentlichen Mitteln will die TWE ihr Geschäft langfristig sichern.
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