Gütersloh. In Gütersloh kann man ab sofort die Pflege studieren. Zum Start haben sich 30 Studenten eingeschrieben. Für den neuen dualen Studiengang an der Zentralen Akademie für Berufe im Gesundheitswesen (ZAB) fiel gestern der Startschuss.
"Dies ist ein Meilenstein für Gütersloh, für Ostwestfalen, für das Land", sagte ZAB-Geschäftsführer Andreas Westerfellhaus. Gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Ursula Doppmeier (CDU) hatte er fünf Jahre für die Einrichtung des Studiengangs gekämpft. ZAB und das Land hoffen, die Pflege- und Gesundheitsberufe über die Akademisierung attraktiver zu machen.
Der damalige NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte den Studiengang im Mai genehmigt. Binnen kürzester Zeit gelang es der ZAB und der Fachhochschule Bielefeld, die Voraussetzungen für einen Start noch in diesem Wintersemester zu schaffen. "Die Nachfrage war riesig. Wir hätten noch wesentlich mehr Studienplätze vergeben können", sagte Westerfellhaus. Eine Aufstockung der Plätze 2011 hält er für denkbar.
GÜTERSLOH: Pflege kann man studieren - Worin liegt der Reiz?
Sektion 1 (6 Bilder)
|
Das Studium ist dual, berufsbegleitend angelegt. Die theoretischen Module wechseln sich mit der praktischen Arbeit in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ab. Nach dreieinhalb Jahren haben die Studenten den berufsqualifzierenden Abschluss in der Gesundheits- und Krankenpflege in der Tasche, nach vier Jahren den Bachelor of Science. Etwa 60 Prozent des theoretischen Unterrichts wird an der FH in Bielefeld abgehalten, 40 Prozent in Gütersloh. Summa summarum kommen die Studenten auf 2.100 Studen Theorie, die sie zusätzlich zu ihrer Arbeit in den Kranken- und Pflegeeinrichtungen büffeln müssen.
Für ihre Mühe werden sie mit glänzenden Zukunftsaussichten belohnt. "Ich kann Ihnen schon jetzt die Angst nehmen, dass Sie sich um Ihre berufliche Zukunft jemals wieder Sorgen machen müssen", sagte ihnen Jens Alberti vom Städtischen Klinikum, Sprecher der Pflegedirektoren der der ZAB angeschlossenen Kliniken.
Der Bedarf an Pflegekräften sei hoch, vor allem auch an qualifzierten Kräften. Alberti: "Wir merken, dass von uns Pflegern immer mehr Management- und Leitungsaufgaben verlangt werden, Kompetenzen also, die in der bisherigen Pflegeausbildung zu kurz kommen." Der duale Studiengang sei die richtige Antwort auf diesen Bedarf.
ZAB-Chef Westerfellhaus, seit etwa einem Jahr auch Präsident des Deutschen Pflegerates in Berlin, sprach von einer "Professionalisierung und Aufwertung" des Pflegeberufes. "Das Berufsbild der Pflegenden wird sich in den kommenden Jahren massiv verändern.
Pfleger bekommen größere Verantwortung. Beispielsweise werden sie therapeutische Maßnahmen nicht nur anwenden, sondern auch selber verordnen und abrechnen. So etwas gibt es in Deutschland noch nicht." Dank ihrer Bachelor-Qualifikation dürften die Studenten davon ausgehen, dass sie die künftige Patientenversorgung höchstqualifiziert und eigenverantwortlich übernähmen.
Landtagsabgeordnete Doppmeier sagte, die Akademisierung der Pflege sei richtig, um dem Mangel an Pflegekräften zu begegnen. Sie freue sich, dass das Land der Etablierung des Studiengangs in Gütersloh zugestimmt habe. Zeitlich starteten gestern Studiengänge in Köln und Bochum. Die stellvertretende Landrätin Christine Disselkamp und Bundestagsabgeordneter Ralph Brinkhaus sprachen von einem "zukunftsweisenden Studiengang". Die Krankenhäuser und die Gesundheitseinrichtungen in der Region profitierten davon.
Kooperationen mit mehreren Unis
Die ZAB GmbH ist eine gemeinnützige Bildungseinrichtung, deren Aufgabe die Aus- und Weiterbildung für Berufe im Gesundheitswesen ist. Sie hat ihren Sitz auf dem Gelände der LWL-Klinik und verfügt über circa 400 Ausbildungsplätze in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie für operationstechnische Assistenten. 1993 gegründet, arbeiten mittlerweile 46 hauptamtliche Kräfte für die ZAB. In der praktischen Ausbildung kooperiert sie mit zwölf Kliniken in Ostwestfalen-Lippe. Die Auszubildenden schließen ihren Arbeitsvertrag mit der ZAB ab.
2007 ist das Angebot um berufsbegleitende Qualifikationsmöglichkeiten auf der Ebene von Bachelor- und Masterstudiengängen erweitert worden. Kooperiert wird mit mehreren Hochschulen, etwa der Hamburger Fern-Hochschule, der University of Louisville (USA) und der Paracelsus Privatuniversität Salzburg. (ost)