Machbarkeitsstudie zum Geschäftsreiseverkehr auf dem Flughafen / Kein Konflikt mit Gewerbegebiet
Gütersloh. Ein riesiges aufgemaltes weißes X signalisiert unmissverständlich: Diese Start- und Landebahn ist stillgelegt. Das muss nicht so bleiben. Eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs mit zivilen Maschinen auf dem Airport an der Marienfelder Straße ist selbst dann möglich, wenn rund um das 344 Hektar große Gelände ein neues Gewerbegebiet entsteht. Das hat eine von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie ergeben.
Gütersloh - Peking, nonstop: Das hört sich zunächst vollkommen illusorisch an, ist nach der Untersuchung des Münsteraner Büros gpa Goebel Projektsteuerung Airport Consulting aber nicht aus der Luft gegriffen. Nach einer Reaktivierung des Geschäftsflugverkehr könnte dort nämlich der kleinste Airbus abheben. Das Modell A 319 CJ hat eine Reichweite von bis zu 11.100 Kilometern. Es wird häufig als Firmenshuttle eingesetzt; ebenso wie die Falcon 2000 mit 5.000 Kilometern Reichweite, deren Einsatz in Gütersloh ebenso in Frage käme.
Dabei ist das Fachbüro sogar von einer Verkürzung der Start- und Landebahn von derzeit 2.250 auf 1.800 Meter ausgegangen. Zum Vergleich: Auf dem Flughafen Münster/Osnabrück hat die Runway ein Länge von 2.170 Metern, in Paderborn wurde sie auf 2.590 Meter erweitert.
Auch wenn die zivile Mitnutzung des Militärflughafens für den Geschäftsreiseverkehr nach sieben Jahren 2003 wieder eingestellt wurde, die Genehmigung gilt nach wie vor. Erlaubt sind 3.500 Flugbewegungen pro Jahr mit Flugzeugen bis 20 Tonnen Höchstgewicht.
Laut Studie müssten für die Wiederaufnahme des Flugbetriebs Befeuerungsanlagen, Enteisung, Tankanlage sowie Sicherheitseinrichtungen neu installiert werden. Südlich der Startbahn wäre der Bau eines Abfertigungsgebäudes plus Hangar denkbar.
Militärflüge bis 1993
Mit dem Bau des Fliegerhorstes wurde 1935 begonnen, Rollbahn und Gebäude 1937 in Betrieb genommen. Während des Krieges war er schweren Bombenangriffen ausgesetzt. Nach dem Krieg und der Übergabe durch die US-Streitkräfte wurde der Flughafen schnell zur wichtigen Einsatzeinrichtung für das britische Militär. Von 1948 bis 1949 war Gütersloh Ausweichplatz für die Berliner Luftbrücke. Später waren bei der Royal Air Force Canberra-Bomber, Lightning-Abfangjäger und Harrier-Senkrechtstarter stationiert. Die RAF zog 1993 ab und übergab den Flughafen der britischen Armee, die hier Logistik- und Hubschrauber-Einheiten stationierte.(raho)
Die heimische Wirtschaft hat in jüngsten Gesprächen mit der Stadt betont, dass der Flugplatzstandort Gütersloh "im Sinne einer langfristigen Infrastruktursicherung höchste Priorität" habe. Auch Landrat Sven-Georg Adenauer warnte davor, die Option leichtfertig aus der Hand zu geben. Daher werde auch die Flughafen Gütersloh GmbH (FGT) am Leben gehalten.
Um eine Interessenkollision mit der FGT und den heimischen Unternehmen zu vermeiden, hat die Stadt das jüngste Gutachten in Auftrag gegeben. Es ging darum auszuloten, ob und in welchem Maß die geplante Gewerbeansiedlung beidseits der Marienfelder Straße die Perspektive Flugverkehr beeinträchtigt. Ergebnis: "Grundsätzlich ist beides nebeneinander möglich."
Zwar gelten für den Flughafen, der inzwischen nicht mehr im Nato-Inventar enthalten ist und auch nicht mehr als Nato-Airbase geführt wird, weiterhin sogenannte Bauschutzbereiche sowie Beschränkungen hinsichtlich der Flugsicherheit, zum Beispiel Radaranlagen. Jedoch lassen die Auflagen bereits ab einem Abstand von 150 Metern zur Start- und Landebahn Bauten in geringer Höhe zu. Ab 250 Metern sind Bauhöhen von 14 Metern möglich - mehr als für gewerbliche Gebäude meistens erforderlich.
Eine Nebeneinander von Gewerbe und Flughafen habe einen besonderen Charme, sagte Landrat Adenauer. "Es wäre doch toll, wenn Firmen ihre Geschäftsfreunde aus aller Welt gleich nebenan empfange könnten."
Wie Planungsamtschef Michael Zirbel auf Anfrage bestätigte, ließe sich die Start- und Landebahn auf der östlichen Seite, also Richtung Innenstadt um 450 Meter verkürzen. Das würde Konflikte mit den Anwohnern in Pavenstädt mindern. Die Anrainer litten zu Zeiten der Royal Air Force stark unter dem Fluglärm der Militärmaschinen.
Eine Nutzung als vollwertiger Personen- oder Frachtflughafen kommt auch nach den jüngsten Experten-Meinungen nicht in Frage. Er müsse vor dem Hintergrund der Luftverkehrskonzeption des Landes und den Flughäfen im Umkreis als "unrealistisch" angesehen werden.
Freilich steht selbst der Geschäftsreiseverkehr langfristig auf wackeliger Basis.Denn sobald die militärische Nutzung des Flughafens aufgegeben wird, entfällt auch die Genehmigung für die zivile Mitbenutzung. Der Flughafen mit dem Code ETUO wäre wohl endgültig Geschichte.