Schloß Holte-Stukenbrock. Sabine Henningsen hat eine schlimme Nacht hinter sich. Ihre zwölfjährige Tochter war auf Klassenfahrt von ihrem Lehrer als vermisst gemeldet worden, die Polizei befürchtete das Schlimmste. Dabei lag das Mädchen tief schlafend in ihrem Bett in einem Feriencamp in Körbecke. "Ich neige dazu", sagt Henningsen, "Strafanzeige zu erstatten."
Denn nicht nur die Darstellung des Sachverhaltes durch die Polizei am Möhnesee (Artikel auf nw.news "Vermisste Schülerin in der Nacht gefunden") sei, so Henningsen, falsch, sondern auch das Verhalten des Aufsicht führenden Lehrers des Gymnasiums skandalös gewesen.
Die Stukenbrockerin war am späten Donnerstagabend darüber informiert worden, dass ihre Tochter im Feriencamp am Möhnesee nach einem Streit mit Mitschülern vermisst werde. "Wir sind sofort losgefahren", berichtet die Mutter. "Als wir ankamen, war die Polizei gerade dabei, einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera zu bestellen, und sie wollte einen Spürhund einsetzen." Außerdem wurden Ufer und Brücke des Sees abgesucht. Derweil wurden Sabine Henningsen und ihr Begleiter von dem Lehrer und einer weiteren Betreuungskraft zu den Räumlichkeiten des Camps gebracht. Die Schüler, die sie dort antrafen, seien zum Teil betrunken gewesen, berichtet die Mutter. Ohnehin spiele Alkohol bei der Geschichte eine wichtige Rolle.
Ohne Probleme vier Flaschen Wodka gekauft
Nach Schilderung ihrer Tochter hatten die Zwölfjährigen schon Tage zuvor am Möhnesee ohne Probleme vier Flaschen Wodka kaufen können, die auch getrunken wurde, und zwar von manchen, so das Mädchen, nicht zu knapp. Sie bekam offenbar Zweifel und Streit mit ihren Mitschülern, woraufhin sie sich zurückzog. Das Mädchen hat ihrer Mutter versichert, dass sich direkt in ihr Zimmer begeben habe, das sie sich mit drei anderen Mädchen teilte.
Zimmergenossinnen wussten nichts von der Suchaktion
Welches Zimmer das gewesen sei, habe der betreuende Lehrer Donnerstagnacht nicht gewusst, so Henningsen. Er habe erst auf einer Liste nachsehen müssen und dann andere Schüler damit beauftragt, für den Spürhund Kleidungsstücke des vermissten Mädchen zu holen. Das wollte Sabine Henningsen lieber selbst übernehmen. Als sie das Zimmer betrat, lag ihre Tochter im Bett, schlief tief, wie auch Henningsens Begleiter bestätigen kann. "Die drei anderen Mädchen in dem Zimmer wussten gar nicht, dass meine Tochter vermisst worden war", berichtet die Stukenbrockerin. "Sie waren offenbar nicht befragt worden." Ein schlimmes Versäumnis, findet Henningsen.
Fehler im Pressebericht
Dass im Pressebericht der Polizei vom Möhnesee vermeldet wurde, ein Lehrer habe das Mädchen schließlich in einem Gebüsch unweit des Feriencamps gefunden, macht sie geradezu fassungslos. Noch ist unklar, wie diese falsche Information in den Pressebericht geraten ist, die Polizei bemüht sich um Aufklärung.
Die Klärung der Sachverhalte ist gegenwärtig auch ein Anliegen des Gymnasiums. Da gestern weder die Schulleiterin noch ihr Stellvertreter zu erreichen waren, ist erst in der nächsten Woche mit einer Stellungnahme zu den Vorfällen zu rechnen. Darin müsste dann auch auf den Vorwurf eingegangen werden, dass Zwölfjährige auf der Klassenfahrt Alkohol trinken konnten. "Der Lehrer", betont Henningsen, "hat seine Aufsichtspflicht massiv verletzt."
Eine vollkommende Kontrolle kann es nicht geben, auch aus rechtlichen Rahmenbedingungen. Und ehrlich gesagt will diese auch niemand von uns. Ich erwähne an dieser Stelle die Diskussion um die Nacktscanner.
Außerdem kann ich jedem nur raten einmal die noch unseriösere Berichterstattung des Westfalenblattes zu lesen. Aber auch "Beobachter" muss ich zustimmen, dass die NW besser, aber dennoch nicht vorbildlich recherchiert hat. Mittlerweile verkommen selbst unsere Tageszeitungen und ursprünglich seriösen Nachrichtensendungen zur Boulevardpresse. Hauptsache Schlagzeilen scheint hier das Motto zu heißen.
Schuld hin und Schuld her. Wann fangen wir endlich einmal an an einem Strang zu ziehen?
Wir unterstützen den Prozress, dass die Erziehung unserer Kinder immer mehr auf die Schulen abgewälzt wird. Die Schulen sollen heutzutage nicht nur ihrem Bildungsauftrag gerecht werden, sondern auch den Bewegungsmangel und Sozialisation (Playstation statt Sport) auffangen und die Sexual- und Medienerziehung übernehmen.
Selbstverständlich sind die Lehrer und Sozialarbeiter nicht unfehlbar. Aber sollten beide Seiten nicht lieber konstruktiv zusammenarbeiten?
Stattdessen erlauben wir es unseren Heranwachsenden erfolgreich einen Keil zwischen beide Erziehungsparteien treiben zu lassen.