Gütersloh. Bei einer solchen Frage scheinen Fehler nahezu unvermeidbar: Wie hoch ist die Kupferionen-Konzentration im Regenwasser? Dieser Aufgabe aus dem Zentralabitur 2010 stellen sich gerade Lukas Schmidt, Phil Wittenbrink und Meinolf Hölscher aus dem Chemie-LK des Städtischen Gymnasiums. Dann macht Lukas einen Fehler. Doch anstatt zum Schwamm geht er mit einem Spezialstift aufs digitale Radiergummi. Schließlich schreibt er nicht auf der altbekannten grünen Tafel, sondern auf einem Whiteboard.
Drei dieser weißen interaktiven Tafeln sind bisher im neuen Chemie-Trakt des Gütersloher Gymnasiums, bezahlt aus Mitteln des Projekts "Selbstständige Schule". Vier weitere sollen in der nächsten Zeit folgen für die Bereiche Physik/Informatik und Sprachen, so Schulleiter Siegfried Bethlehem.
Die cleveren Tafeln dienten "der Optimierung des Unterrichts", sagte Briest. "Auf die klassische Tafel wollen wir dabei nicht verzichten." Auch wenn die nächste Generation viele Vorteile biete wie Schnittpunkte mit anderen Programmen. So lasse sich beispielsweise ein Bild des Internetdienstleisters Google fix in ein Schaubild einbinden.
Am Anfang war Briest skeptisch. "Mittlerweile könnte ich mir vorstellen, dass die grüne Tafel langfristig ganz verschwindet." Außer den technischen Vorzügen seien auch die Schüler motivierter und stärker angesprochen als früher. Anfangs habe es zwar noch Fragen gegeben wie: Muss ich das noch abschreiben? Können Sie uns das nicht per Email zuschicken? Doch abschreiben müssen die Schüler auch weiterhin. Dann friert Briest das aktuelle Bild ein - als Freeze - und kann parallel schon am nächsten arbeiten.
Briests Unterrichtsvorbereitung habe sich dabei nicht verändert - außer, dass er die entsprechende Software auch zuhause nutzen und damit Tafelbilder entwerfen kann. Am Beginn einer Stunde ist die Startseite dabei genauso leer wie jene, die sich per Kreidestrich füllt. Dann reicht jedoch ein Click und das Ergebnis abgespeichert. Dies ist für beide Seiten ein wichtiger weiterer Mehrwert. Lehrer können je nach Bedarf Zwischenstände dokumentieren und auf einem Schulserver sichern. Und hat ein Schüler in der nächsten Stunde noch Nachfragen, kann unmittelbar daran angeknüpft werden.
"Wenn etwas nicht verstanden worden ist, kann man einfach zurück gehen", sagt Meinolf. "Vieles wie Schrifterkennung ist aber auch Spielerei", meint Phil. Einerseits wäre er ein Nutznießer; damit dies funktioniere, müsse er aber wiederum erstmal ordentlich schreiben.
Und wenn die Technik mal ausfällt, dann gibt es mit der klassischen Tafel und dem Schritt zurück in die Kreidezeit glücklicherweise ein sicherndes Backup-System. Auch wenn’s dann wieder mächtig quietscht und der Tafeldienst zum Schwamm greifen muss.