Gütersloh. Da wird das heimische Wohnzimmer zum Radiostudio. Ein Computer und ein Mikrofon reichen aus, um ein Podcast zu erstellen. Via Internet kann es dann jeder hören. Norman Osthus zählt zu den Pionieren dieses Mediums. Seit 2004 geht der Gütersloher auf Sendung. 182 Folgen zählt inzwischen sein "NormCast", wie die Beiträge in Anlehnung an seinen Namen heißen. Nun hat der 42-Jährige dafür einen Preis bekommen: den "European Podcast Award".
Die gläserne Trophäe wird seit zwei Jahren von der Elektronikfirma "Olympus" ausgelobt. Um sich die Bedeutung vorzustellen, liefert Osthus einen passenden Vergleich: "Im Prinzip ist das der Eurovision Song Contest für Podcasts." Was Lena mit "Satellite" gelang, hat auch er geschafft. Er überzeugte gleichsam eine Jury und Internetnutzer, die für ihren Lieblings-Podcast abstimmen konnten. Osthus bekam den meisten Zuspruch in der Kategorie "Personality".
Beim Besuch seines Wohnzimmerstudios fallen neben dem Computer unzählige Schallplatten ins Auge, die gleich mehrere Regalwände füllen. Und mit der Liebe zur Musik fing alles an. Wie viele Jugendliche saß er in den 70er und 80er Jahren gebannt am Radio, wenn der im Jahr 2009 verstorbene, legendäre Diskjockey Mal Sondock im WDR seine Hitparade präsentierte. "Ich hatte schon immer eine Affinität zum Radio", erklärt er. Die Möglichkeit, vom passiven Hörer zum aktiven Sender zu werden, ergab sich schließlich vor sieben Jahren, als die Podcasts nach Deutschland schwappten. Sein "NormCast" war die erste deutsche Sendung, die sich dem klassischen Radio-Stil anlehnte.
Der Mix macht's
Und daran hat sich bis heute nicht geändert. Seine Beiträge zeichnet eine technische Qualität aus, die höchsten Ansprüchen genügt. "Die Stimme ist sehr wichtig", sagt er. Außerdem versucht Osthus, seinen Hörern einen interessanten Themen-Mix zu bieten. Neben seinem Steckenpferd Musik ("Viele lokale Bands") informiert er bevorzugt über Neuigkeiten aus Fernsehen, Film, Technik und Computer. "Die Themen springen mir in den Weg." Viele Anregungen bekommt er über soziale Netzwerke wie "Facebook" und "Twitter". Schließlich tauscht sich die Podcast-Szene untereinander aus, laut Osthus gibt es rund 100 relevante Anbieter in Deutschland.
"NormCast 181" beschäftigt sich beispielsweise mit dem 40. Geburtstag der "Sendung mit der Maus" und dem E-10-Benzin. Aufgelockert werden die Wortbeiträge von Musikstücken, ganz so wie man es von einem Magazin im Radio kennt. Bei der Länge macht sich Osthus keine feste Vorgabe. "Meine Podcasts können zwischen fünf und 60 Minuten dauern." Wichtig ist ihm eine gewisse Regelmäßigkeit. Alle zehn Tage möchte er auf Sendung gehen, um seine Anhängerschaft bei der Stange zu halten. Bei der neusten Episode hat Osthus sein klassisches Format verlassen. Nummer 182 bietet ein Interview mit Radio-Gütersloh-Chef Helmut Delker. "Ab und zu mache ich solche Spezialsendungen", sagt Osthus. Ob er den Geschmack trifft, kann er an den Download-Zahlen ablesen: "Ich komme auf 500 bis 6.000 pro Folge."
Ganz oben in seiner persönlichen Hitliste steht ein Special über seinen Jugendhelden Mal Sondock, den er 2007 zu einem Interview in Köln besuchte. "Mit diesem Treffen haben sich für mich neue Türen geöffnet", berichtet Osthus. Die Plattenfirma "Sony", die gerade eine CD-Box mit Mal Sondocks Lieblingsmusik zusammenstellen wollte, bat ihn, als Bonus den Podcast beilegen zu dürfen. Drei Sammlungen sind inzwischen entstanden, bei allen wirkte Norman Osthus mit. Obwohl der Gütersloher CDs eigentlich nicht sonderlich schätzt, haben diese drei freilich einen Ehrenplatz in seinem Zimmer.
www.normcast.de
stehenden Code hier ein*: