Ray Wilson wird beim "Genesis Klassik"-Konzert gefeiert / Erfolgreicher Auftakt der Reihe "Gütersloh Music Nights"
Gütersloh. "Ihr verrückten Leute", sagt Ray Wilson und schüttelt ungläubig lächelnd den Kopf über die ohrenbetäubenden Ovationen, mit denen mehr als 1.000 Fans den Ex-Sänger von "Genesis" frenetisch feiern und in der braven Stadthalle ein bisschen Rockpalast-Atmosphäre aufkommen lassen.
Unter den Jubelnden steht auch der Mann, der das "Genesis Klassik"-Projekt nach Gütersloh gebracht hat: Ulrich Bongartz. An der Seite von Bürgermeisterin Maria Unger und dem Bertelsmann-Vorstandsvorsitzenden Hartmut Ostrowski, die es auch auch schon längst von den Sitzen geholt hat, feiert der Arvato-Manager seinen Einstand als Kultur-Veranstalter. Und besser hätte es für die erste "Gütersloh Music Nights" gar nicht laufen können. Die Halle gefüllt, die Stimmung bestens - und die Musik: einfach perfekt.
"Genesis Klassik" heißt das Konzept, mit dem der Schotte mit seiner Band und dem "Symphony Ensemble Berlin" derzeit auf Tournee ist. Sorgen, die Songs der legendären Band in Streicherschmalz versinken zu sehen, waren unbegründet. Unter den Genesis-Leuten war Ray Wilson, der Phil Collins nach dessen Abgang von 1997 für zwei Jahre ersetzte, immer der geradlinigste Rocker.
Und so stützen die sechs Damen an Geigen, Bratschen und Violoncello so hübsch und streichzart den knackigen Bandsound, den Ray Wilson mit seinen Mannen produziert, dass man sich wundert, wie relativ gut die Tontechnik beide Klangbereiche ausbalanciert bekommt.
Der Umgang der Band mit ihm mag nicht immer fair gewesen sein. Dennoch gibt es nichts Schlechtes über die ehemaligen Mitstreiter von ihm zu hören. Lediglich über den angeblichen Rückzug seines Vorgängers in der Band, Phil Collins bezweifelt er: "Dafür ist er zu jung."
Dass er an die Musik der Band immer geglaubt hat, macht er an diesem Abend deutlich. Ob er Songs aus der frühen Phase singt wie "Carpet Crawlers" von 1974, oder Stücke, die andere Genesis-Mitglieder geschrieben haben wie Mike Rutherford für seine Band "Mike an the Mechanics" - immer überzeugt Ray Wilson mit seiner fantastisch ausdrucksstarken Stimme, seiner Musikalität, seiner ganzen authentischen Haltung. Stücke wie "Change" zeigen zudem, dass er selbst auch ein großartiger Songwriter ist.
Doch so richtig gehen an diesem Abend vor allem die Genesis-Hits aus der populären Phase ab. Bei "Invisible Touch", "Land of Confusion" oder "I can't dance" strecken sich die Arme im Publikum dem unkompliziert-sympathischen Sänger entgegen, der nach drei Konzertstunden im Foyer Autogramme gibt und für Fotos posiert. Näher kann man Genesis nicht kommen.