Gütersloher Schützen diskutieren: Darf Münsteraner beim Bundesschützenfest neben seiner "Königin" gehen?
Gütersloh. Dirk Winter ist ein Schützenkönig aus Münster. Doch Dirk Winter liebt Männer - und deshalb hat er keine Königin, sondern einen Königsgemahl an seiner Seite. Das gefällt dem Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) nicht. Winter und sein Partner Oliver Hermsdorf sollen beim Bundesschützenfest im September in Harsewinkel getrennt laufen. Eine Entscheidung, die auch unter Gütersloher Schützen ausgiebig diskutiert wird.
Vor dem Hintergrund der großen katholischen Tradition im BDHS
könne er die Entscheidung zumindest nachvollziehen, sagt Günter Bastubbe, Brudermeister der St. Sebastianus-Bruderschaft Avenwedde, die im BDHS organisiert ist. "Für Glaube, Sitte und Heimat" lautet der Leitsatz des Bundes. Ihren Glauben bekennen die Mitglieder, indem sie für "die katholischen Glaubensgrundsätze und deren Verwirklichung" eintreten, wie es in den Statuten steht. Das bedeute "insbesondere ein möglichst vorbildliches Ehe- und Familienleben", heißt es in einer weitergehenden Erläuterung. Mit Bezug auf diese Statuten wurde Winter, der im Juni Schützenkönig geworden war, und Hermsdorf der gemeinsame Auftritt verwehrt. Das "Sakrament der Ehe habe eine wesentlich tiefere Bedeutung als jede andere Lebenspartnerschaft", schreibt das Präsidium des BDHS in einem Brief an Winter. Der Kölner Weihbischof Heiner Koch schlägt vor, dass Königsgemahl Hermsdorf eine Reihe vor oder hinter Winter gehen könne. Nur zusammen, das ginge nicht.
"Das ist eine völlig unnötige Diskussion", sagt Markus Schumacher, amtierender König der St. Hubertus-Schützen aus Spexard und freier Mitarbeiter dieser Zeitung. "Solche Lebenspartnerschaften gehören zum Leben dazu. Die Kirche muss sich öffnen und die Bruderschaften sollten es auch tun." Vermutlich müsste man sich auch in Spexard erst an einen schwulen Schützenkönig gewöhnen, aber man würde sich nicht dagegen sperren. "Ich kann mir das gut vorstellen", sagt Markus Schumacher.
"Wir hätten kein Problem damit"
"Ich finde das mehr als lächerlich. Wir haben uns sehr über diese Entscheidung amüsiert", sagt André Schnakenwinkel, 1. Vorsitzender der Gütersloher Schützengesellschaft (nicht Mitglied im BDHS). Auch er kann sich einen schwulen König vorstellen. "Warum nicht? Wir hätten kein Problem damit." Bastubbe ist in dieser Angelegenheit zurückhaltender. "Aus dem Stegreif würde ich sagen: Nein." Der Brudermeister sieht aber vor allem jetzt den Dachverband in der Pflicht. Die Konzessionsentscheidung, dass Winter und Hermsdorf nur in getrennten Reihen laufen dürfen, hält er für unglücklich. "Es wird vermutlich in der Zukunft solche Situationen immer öfter geben. Was die Vereine brauchen, sind klare Vorgaben vom Dachverband." Auch beim Ausrichter des Bundesschützenfest, der St. Hubertus-Bruderschaft aus Harsewinkel, war die Entscheidung des BDHS ein Thema. Eine einheitliche Meinung innerhalb der Bruderschaft habe es dazu nicht gegeben, sagte Vizepräsident Matthias Hörster. Es hätte sowohl Schützen gegeben, die Verständnis geäußert hätten, aber auch ebenso viele, die auf Winters Seite gestanden hätten.
Dirk Winter selbst hat die Entscheidung des BDHS akzeptiert. Er wird in Harsewinkel in einer Reihe mit den Königsbegleitern gehen. Ehrendamen werden den Königsgemahl begleiten.
Da geht nur eines: austreten, sofort! Und seine gesparten Kirchensteuern gezielt Einrichtungen spenden, mit denen man sich identifizieren kann.!