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14.10.2011
GÜTERSLOH
Umbau sorgt für Unruhe bei Arvato
Betriebsrat zuversichtlich, Gewerkschaft übt Kritik
VON STEFAN SCHELP

Arvato-Mitarbeiter müssen versetzt werden | FOTO: DPA

Gütersloh. 150 Mitarbeiter von Entertainment Europe, nach wie vor besser bekannt als Sonopress, müssen in absehbarer Zeit versetzt werden. Das hat Rolf Buch, Chef der Sonopress-Mutter Arvato, im Sommer angekündigt – und damit für Unruhe im Unternehmen gesorgt. 

Die Pläne begründete er seinerzeit damit, dass sich das Geschäft mit den CDs, die in Gütersloh hergestellt werden, bis 2015 halbieren werde und bis Ende des Jahrzehnts ganz auslaufen werde.

"Wir bleiben deutlich unter der Zahl von 150", versichert Siegfried Wenzel, Betriebsratsvorsitzender. Genaue Zahlen will er nicht nennen, die Gewerkschaft spricht von 40 bis 50 Betroffenen. Für sie suche man nach neuen Arbeitsplätzen "innerhalb des Konzerns und im Kreis Gütersloh", erklärt Wenzel. Seit Sommer werde verhandelt. "Wir stehen kurz vor einem guten Abschluss."

Demnach soll es für Mitarbeiter, die einen schlechter dotierten Job annehmen, eine Teilabfindung geben, die den Verdienstausfall ausgleiche. "Wir geben jedem Mitarbeiter einen ,Rucksack‘, eine ,Hängematte‘ mit." Und selbst wenn die neuen Verträge teils auf 18 Monate befristet seien, so gebe es doch für jeden wechselnden Mitarbeiter ein Rückkehrrecht zu Entertainment Europe. Das alles sei weitaus besser als ein Sozialplan, wie er in anderen Unternehmen ausgehandelt werde. "Ich bin selbst seit 27 Jahren im Unternehmen", sagt Wenzel, "ich kann den Leuten in die Augen gucken."

Gehaltseinbuße von 600 Euro

Deshalb ist er auch kreuzunglücklich, dass sich jetzt die Gewerkschaft eingeschaltet hat und "für Unruhe sorgt". Von Gewerkschaftsseite heißt es, Mitarbeiter müssten künftig für 1.800 Euro im Monat arbeiten, was einer Gehaltseinbuße von 600 Euro entspreche. Das, so wird in Mitarbeiterkreisen erzählt, habe es schon einmal gegeben, als der Auftrag eines Großkunden abgezogen worden sei.

"Und dann basierte das Arbeitslosengeld auf der niedrigeren Lohnzahlung." An eine Rückkehrmöglichkeit an den ursprünglichen Arbeitsplatz glauben die Gewerkschafter nicht. Und überhaupt zweifelt die Seite an der Notwendigkeit des Schritts. "Die Mitarbeiter schieben eine Bugwelle von Überstunden vor sich her."


Kommentare
Wenn ich nicht wissen, dass der Betrieb hier mitließt, würde ich dir gerne ein Bier ausgeben @Bärtellsmänneken
Du sprichst mir aus der Seele...

Nun stellt euch mal nicht so an, bzw. stellt euch an!

Naja Befristungen und Gehaltseinbußen von knapp 50% sind nicht wirklich eine Alternative.

Im Kreis Gütersloh arbeiten knapp 10.000 Menschen für den Konzern. Da wird man die 40 bis 50 Betroffenen locker verteilen können und zwar weiterhin festangestellt und ohne Lohneinbußen.

Das Problem ist, dass es sich nicht mehr um ein Bertelsmann sondern um unzählige unterschiedliche GmbHs handelt, die alle für sich selbst wirtschaften und nur ungerne alteingesessene Leute aus anderen GmbHs übernehmen wollen.

Das Bertelsmann von früher und den Zusammenhalt gibt es durch die dezentrale Struktur nicht mehr. Jede Firma kocht sein eigenes Süppchen und sie sind auch nicht verpflichtet Sonopress Mitarbeiter aufzunehmen da es wie gesagt unterschiedliche Arbeitgeber sind. Zwar ein Konzern aber auf dem Papier und rein rechtlich unterschiedliche Firmen.

Dem müsste sich eigentlich der Konzernbetriebsrat und der Bertelsmann Vorstand annehmen. Soll doch jede Firma im Kreis Gütersloh 5 Mitarbeiter aufnehmen. Das tut in der Bilanz nicht großartig weh und würde dem ein oder anderen verdienten Mitarbeiter weiter helfen.

Menschen, die 25 Jahre im Konzern dabei sind sollte man nicht einfach so hängen lassen.

Für diejenigen, die "das Jammern auf hohem Niveau" nicht verstehen können, weil die "Pausenkönige" nicht auf die tollen Jobalternativen mit Begeisterung reagieren:

Zugegeben: Es ist sicherlich in der Vergangenheit nicht so gewesen, dass man sich bei Sonopress körperlich zu Tode gearbeitet hätte! Das ist aber schon seit mehreren Jahren nicht mehr so! Die Schlagzahl steigt stetig!
Es wird sicherlich noch einzelne Mitarbeiter geben, die fürs Nichtstun ihr Geld bekommen (so wie in jedem anderen Betrieb auch). Das sind jedoch Einzelfälle. Der Großteil der Belegschaft jedoch, rackert sich ab, denn die müssen für die faulen "Kollegen" mitarbeiten...
Dass diese "Kollegen" damit noch protzen müssen ist zwar traurig, entspricht aber nicht dem Firmenstandart.

Auch ist es nicht so, dass die Mitarbeiter nicht dankbar währen, und alternative Jobangebote annehmen würden, wenn es eine Alternative zu Entlassungen währen.

Nur ist es so, dass es dem Unternehmen ausgezeichnet geht, und somit gar keine Veranlassung für Entlassungen besteht!
Aktuell wird rund um die Uhr an 7 Tagen pro Woche gearbeitet. Samstags- und Sonntagsarbeit (12 Stunden Schichten). So wie jedes Jahr! Und täglich grüßt das Murmeltier...

Die alten (teuren) Mitarbeiter werden seit Sommer diesen Jahres genötigt, sich auf Jobsuche zu machen, und zeitgleich werden billige Hilfskräfte angelernt, und aktuell noch immer über Personaldienstleister gesucht! Nur dumm, dass etwa 80 Prozent der Aushilfen zum Teil schon am ersten Arbeitstag wieder ihren "Rucksack" packen, und sich lieber wieder in die soziale "Hängematte" legen....

Jetzt könnte der alt eingesessene Mitarbeiter sagen: OK, nehme ich halt eines der Alternativangebote an. Dumm nur, dass ALLE Jobangebote BEFRISTET sind, die Wahrscheinlichkeit einer anschließenden Festanstellung (unabhängig von der gezeigten Leistung) verschwindend gering ist (Leiharbeiter kosten nur die Hälfte, und ich kann sie von Heute auf Morgen "entsorgen"), und das ganze auch noch für 30 bis 50 Prozent weniger Lohn! Ganz großes Kino!
Die Geschäftsleitung und der Betriebsrat behaupten zwar, dass man im Falle der Nichtübernahme wieder zurück kommen könne (wieso sind die Kollegen dann überhaupt über?!?!), aber es dürfte schwer sein, dieses in Zukunft auch durchsetzten zu können! Von Gewerkschaftsseite wurden hier bereits angemahnt, dass im Falle eines Rechtsstreits eher geringe Chancen bestünden, selbst wenn hier Verträge abgeschlossen würden...

Tatsächlich wurde seitens der GL bereits offen zugegeben, dass in diesem Falle dann eben die Kündigung später erfolgen würde, und es doch ohnehin viel besser sei, die (Ironie) enorme Abfindung zu nehmen, und nach dem Saisongeschäft zu verschwinden!

Fraglich ist auch, was das Arbeitsamt im Falle einer Arbeitslosigkeit sagen wird, wenn jemand aus einen Festvertrag zu einen Zeitvertrag gewechselt hat und nach Ablauf dieses Vertrages auf der Straße landet...?

Wenn es einem Unternehmen schlecht geht, sind Kündigungen sicherlich ein legitimes Mittel, um wenigstens den verbleibenden Kollegen den Arbeitsplatz zu sichern. Wenn aber, wie in diesem Fall, Millionengewinne eingefahren werden (eben u.a. durch die Mitarbeiter, die man jetzt loswerden möchte), und aus reiner Gier nach noch mehr langjährige Mitarbeiter durch billige Hilfskräfte (z.T. Weniger als 900 Euro netto im Monat mit Überstunden im 3-Schicht-Wechsel) ersetzt werden sollen, dann stinkt das zum Himmel!!!

Wurde nicht auch im Februar diesen Jahres noch eine Studie der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht, in der über Zeitarbeit in Deutschland zu lesen war?
War sicherlich nicht ganz billig, diese Studie. Das Geld hätte man sich aber sparen können, wenn man einfach mal aus dem Fenster geschaut hätte......!!!

Ich habe fertig, muss jetzt Bewerbungen schreiben....

"Geht es dem Esel zu gut, dann geht er auf’ s Glatteis". Diese zum Teil anspruchslose Diskussion kann ich einfach nicht verstehen. Wo gibt es das schon, dass eine Firma alles versucht, die Mitarbeiter, die nicht mehr beschäftigt werden können, im Konzern unterzubringen. In kleineren Firmen bekommt man, wenn überhaupt eine Abfindung und ansonsten bleibt einem nur noch der Gang zum Arbeitsamt. Dieser Gang wird den Mitarbeitern durch eine Verteilung im Konzern erspart. Ich weiß aus eigener Erfahrung was das heißt, beim Arbeitsamt nur eine Nummer zu sein und dort auf Jobangebote zu warten. Das ist alles andere als lustig. Da hilft auch wenig eine Abfindung und ein Jahr Arbeitslosengeld darüber hinweg, wenn man nach mehreren Jahren immer noch nicht richtig vermittelt wurde. Außerdem stört mich diese ständige Verurteilung von Betriebsräten. Hut ab vor den Leuten, die in diesen Krisenzeiten überhaupt noch solche undankbaren Aufgaben übernehmen.
Wenn die Mitarbeiter die internen Jobangebote des Konzerns nicht annehmen wollen, müssen sie das ja auch nicht, sie können ja dann direkt zur Arbeitsagentur gehen. Aber trotzdem erst mal Jammern auf hohem Niveau.



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