Detmold (lz). Vor vollem Haus haben Bildungspolitiker aus Lippe und die Autoren der Bertelsmann-Bildungsstudie am Montag das Lernatlas-Ergebnis diskutiert. Lipper wie Gütersloher blieben bei ihren Positionen. Die Studie arbeite mit veralteten Zahlen hieß es auf der einen Seite. Nein, es sei das aktuellste Datenmaterial, hieß es auf der anderen.
Wie tief der Stachel sitzt, von der Bertelsmann-Stiftung im Kreisvergleich bundesweit die "rote Laterne" zugesprochen bekommen zu haben, zeigte sich gleich zu Beginn: Landrat Friedel Heuwinkel und Bildungsausschuss-Vorsitzender Friedrich-Wilhelm Nagel trugen gemeinsam eine solche Laterne in den Sitzungssaal.
Mit Augenzwinkern und leichter Selbstironie war es jedoch schnell vorbei. Heuwinkel wie Nagel ließen keinen Zweifel daran, stinksauer auf die Stiftung zu sein. Gesicherte Erkenntnisse fehlten, kritisierte Nagel, und Heuwinkel sprach von einem nachhaltigen Schaden für Lippe", den der Lernatlas angerichtet habe: "Sie haben sich doch mit unserer Region überhaupt nicht beschäftigt."
Streit um die Datenmenge
Hans Böke, Fachbereichsleiter im Unruhestand, und Markus Rempe (Lippe Bildung) betonten, längst die "Zeichen der Zeit" erkannt zu haben: "Dafür brauchen wir Ihren Atlas nicht." Scharfe Kritik an den Bertelsmännern kam auch von Professor Horst Weishaupt (Institut für internationale pädagogische Forschung): Die verfügbare Datenmenge erlaube es überhaupt nicht, so einen Atlas zu erstellen, die ökonomische Situation eines Bundeslandes bleibe zudem unberücksichtigt.
Frank Frick, Lernatlas-Programmdirektor, stellte klar: Lernen sei mehr als zur Schule zu gehen, es dauert ein Leben lang. Vergleichbares Datenmaterial gebe es aber fast ausschließlich aus dem Bereich dieses "formalen Lernens". So belege diese Statistik, dass es beispielsweise eine lange Zeit brauche, bis Jugendliche ohne Schulabschluss eine Eingliederungsmaßnahme bekämen und dass sie dann schlechte Chancen auf einen Ausbildungsplatz hätten.
Dass es seitens der Wirtschaftsjunioren, des Netzwerkes oder der Berufsschulen allerhand Aktivitäten gebe - auch in Bezug auf soziales Lernen - sei anzuerkennen, aber "wir kommen hinsichtlich der Qualität dieser Angebote in den Bereich der Vermutungen."
ich habe den eindruck, dass man zusätzlich nicht darauf vorbereitet war, dass man den lernatlas so detailiert auseinandernimmt, sondern dass die region mea culpa sagt und bertelsmann für ihren einsatz lobt.