Gütersloh. Gleich mehrere Grundschulen sind im Kreis Höxter in der Bredouille: Ihr Träger für die Ganztagsbetreuung ist insolvent. Andernorts wird über Finanzprobleme gejammert. Und wie sieht es in Gütersloh aus? Roland Thiesbrummel, Leiter des Fachbereichs Jugend und Bildung bei der Stadt, hat keinen Grund zum Klagen. "Unser Angebot ist gut", sagt er. Das sehen die Träger hier auch so - dennoch ist gut manchmal eben noch nicht gut genug.
1.520 Schülerinnen und Schüler der Grundschulen nutzen derzeit die offene Ganztagsschule (OGS) im Stadtgebiet, im Schuljahr 2010/11 waren es 1.284. "Rund 40 Prozent aller Grundschüler sind inzwischen in der OGS", so Thiesbrummel. Beim Start des Ganztagsangebotes für Grundschüler im Jahr 2003 war das Land noch von einer Beteiligungsquote von 25 Prozent ausgegangen.
"Keiner hat geahnt, dass das Angebot OGS zahlenmäßig so explodiert", sagt Cornelia Röwekamp, Leiterin des Geschäfsfeldes Schule beim Kolping-Bildungszentrum. Der Träger organisiert die OGS an fünf Grundschulen im Stadtgebiet. Bei der räumlichen und sächlichen Ausstattung müsste schon noch nachgesteuert werden, meint Röwekamp. An einer Grundschule, die die Kolpinger betreuen, müsse man in kürzester Zeit 120 Schüler in drei Schichten "durch das Mittagessen schleusen". Der erzieherische Ansatz - Tischmanieren, in Ruhe essen - komme da zu kurz. Dennoch spricht Röwekamp von einer "soliden Grundausstattung" in Gütersloh.
Die kann sich in der Tat im Landesdurchschnitt sehen lassen: 935 Euro zahlt das Land pro Kind pro Jahr, dazu kommen Elternbeiträge, die nach Einkommen gestaffelt sind. "Wir überweisen pro Kind pro Monat 62,50 Euro Elternbeitrag, also 750 Euro im Jahr", so Thiesbrummel. Die Stadt gibt 480 Euro dazu, macht 2.165 Euro. In klammen Kommunen fällt dieser Beitrag deutlich geringer aus. Seit 2003 hat die Stadt laut Thiesbrummel in den Ausbau der Schulen für die OGS 5,99 Millionen Euro gesteckt.
"Die Budgets sind eng", sagt auch Susanne Brückner-Wentzlaff, Abteilungsleiterin Offener Ganztag bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die neun Grundschulen im Stadtgebiet betreut. Die Horte seien früher besser ausgestattet gewesen. "Mit mehr Geld könnten wir noch bessere pädagogische Arbeit machen", sagt sie. "Wenn unsere Mitarbeiter nicht so erfinderisch wären..." Eine Idee sei beispielsweise die Kooperation mit Sportvereinen vor Ort - "Bewegungkiste" heißt das Projekt, das gemeinsam mit dem Kreissportbund ins Leben gerufen wurde. "An vielen Schulen sind auch die Landfrauen mit im Boot", so Brückner-Wentzlaff.
Zufrieden mit der finanziellen Ausstattung ist das Sozialpädagogische Institut Gütersloh (SPI), das für die Hundertwasserschule, eine Förderschule, die OGS organisiert. "Die Förderschüler erhalten vom Land 1.890 Euro", so SPI-Geschäftsführer Hergen Bruns. 36 von 52 Kindern nutzen hier die Nachmittagsangebote. Durch eine spezielle Vereinbarung mit dem städtischen Fachbereich Familie und Soziales sei hier ein Modellprojekt entstanden, die weitaus teurere Maßnahmen - eine Tagesgruppe für die Kinder - verhindere.