Gütersloh. Der Kampfeinsatz in Afghanistan hat bislang 396 britischen Soldaten das Leben gekostet. Den letzten, einen Fernmelder aus Paderborn, traf es Dienstag. Von den Gütersloher Soldaten ist dagegen niemand gefallen, selbst Verletzte hat es kaum gegeben. Dass ihr Einsatz dennoch Mut erfordert und einen Orden verdient, das hat ihnen gestern Prinzessin Anne attestiert.
Und zwar nicht zum ersten Mal. Bereits 1976, 1994, 1999, 2004 und 2007 war die Vertreterin des britischen Königshauses in Gütersloh zu Gast, der Verlauf war jedesmal ähnlich. Anne, Namenspatronin der Princess Royal Kaserne an der Marienfelder Straße, schritt die Parade ab, lobte die Soldaten, heftete ihnen Orden an und trug sich anschließend ins Goldene Buch der Stadt ein.
Kleiner Unterschied diesmal: Das alte Goldene Buch der Stadt war voll, es gab ein neues. Hinter Philip Murphy, US-Botschafter in Deutschland, durfte Anne als zweite Prominente ihren Schriftzug auf das gestaltete Blatt setzen. Maria Unger hatte ihr zuvor das Buch zurechtgerückt, zum vierten Mal übrigens, wohl nicht von ungefähr hatte Anne ihr gegenüber beim Begrüßen die Vermutung geäußert, sie habe sie schon mal irgendwo gesehen.
Auch in die Goldenen Bücher Harsewinkels (vertreten durch stv. Bürgermeisterin Karin Kirchner) und Herzebrock-Clarholz (Bürgermeister Jürgen Lohmann) trug sich Anne ein, ebenfalls nicht zum ersten Mal. Und wie beim letzten Besuch 2007 überreichte ihr Unger als kleines Geschenk eine Schachtel Pralinen mit dem Gütersloher Stadtwappen.
Nicht ganz business as usual
Alles business as usual also? Nicht ganz. Da war Brian Sivewright vor. Der 23-jährige Corporal (Gefreiter) war auf einer Krücke zum Empfang ins Offizierskasino gehumpelt, mit ihm Eltern, Frau und Stiefsohn. Sivewright führte Prinzessin Anne, den Medien und allen Umstehenden vor Augen, welche Gefahren in dem Einsatzgebiet in der südafghanischen Provinz Helmand lauern. In einem gepanzerten Fahrzeug war er im Juli 2011 auf einer Landstraße unterwegs, um der Einheit Nachschub zu bringen, als eine Landmine explodierte. Das Fahrzeug wirbelte durch die Luft, Sivewright brach sich das linke Bein und den rechten Knöchel. Außer ihm wurden noch drei weitere Kameraden verletzt.
"Es war ein Schock", erzählte Sivewright der Prinzessin. Verglichen mit anderen Kameraden habe er aber noch Glück gehabt. Dank Behandlung und Physiotherapie sei er längst auf dem Weg der Besserung. Anne hörte ihm ausgiebig zu und überreichte ihm wie 92 anderen Soldaten, die zwischen März und September in Helmand stationiert waren, den Afghanistan-Orden "Herrick 14". Die anderen 60 Soldaten des 2. Logistic Support Regiments waren bereits aus früheren Einsätzen dekoriert.
Begleitet wurde Prinzessin Anne von Oberstleutnant David Gerhard Lüdicke, Kommandeur des Regiments; sein Großvater war Deutscher, geriet in Kriegsgefangenschaft und ließ sich in den Cotswolds nieder. Lüdicke wird noch manchen Einsatz seines Regiments befehligen müssen: Erst Ende 2014/Anfang 2015, vorher nicht, wollen die Briten gemeinsam mit den US-Amerikanern ihre Kampftruppen aus Afghanistan abziehen. Derzeit haben die Briten 9.500 Soldaten dort stationiert, 850 davon aus Gütersloh.