Gütersloh. Die Gütersloher Polizei hat eine Jugendbande geschnappt, die zehn Einbrüche begangen hat. Zwei der Täter waren erst zwölf Jahre alt. Sie sind damit noch nicht strafmündig.
"Die Fälle sind gar nicht mal gravierend", sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Stehrenberg gestern. Die Häufung aber und die Tatsache, dass die Einbrüche von derart jungen Menschen begangen wurden, die seien erschreckend.
Die Bande bestand aus vier Personen: Einer 16 Jahre alt, einer 14, zwei zwölf. Sie sind Deutsche, stammen aus vier verschiedenen Familien. Die beiden Älteren waren bei allen Einbrüchen dabei, die beiden Jüngeren nur ab und an. Ihre zehn Straftaten hatten sie in den vergangenen zwei Monaten begangen.
Strafmündigkeit
Strafmündig ist in Deutschland nur jemand, der mindestens 14 Jahre alt ist. Diese Grenze gilt seit 1953. Vorher lag sie bei 12 Jahren.
Strafmündigkeit beschreibt das Erreichen eines Alters, ab dem der Gesetzgeber jemandem zutraut, die Folgen seiner Handlungen so zu überblicken, dass er bewusst anderen schaden kann.
Wer jünger als 14 ist, (also ein "Kind" im Sinne des Gesetzes), kann nicht bestraft werden. Das Familiengericht kann jedoch außerhalb des Strafverfahrens bestimmte Maßnahmen anordnen.
In der Schweiz und in England gelten Kinder schon ab dem 10. Lebensjahr als strafmündig.
Unabhängig vom Strafrecht können zivilrechtliche Ansprüche gegen das Kind und eventuell gegen die Aufsichtspflichtigen geltend gemacht werden. (Quelle: Wikipedia)
Bei ihrem letzten Einbruchversuch Ende Januar im Städtischen Kindergarten am Wöstmannsweg war die Polizei gut vorbereitet. Die Beamten griffen drei der vier Jugendlichen in der Nähe des Tatortes auf. Ausreden waren zwecklos: Die Täter führten Einbruchswerkzeug, Masken, ein Messer und sogar eine Schusswaffe bei sich. Stehrenberg: "Die Waffe war zwar nicht geladen, aber es war keine Schreckschusspistole und auch kein Kinderspielzeug, sondern eine richtige Schusswaffe." Wie die Jugendlichen an die Waffe gelangten, war gestern noch unklar.
Bei den Durchsuchungen zuhause fanden die Polizisten Diebesgut und reichlich Beweismaterial. Die beiden älteren Täter, mit 14 und 16 Jahren strafmündig, wurden vernommen; sie gaben die ihnen zur Last gelegten Taten zu. Sie erklärten auch, dass sie in unterschiedlichen Konstellationen unterwegs, die beiden Kinder keinesfalls immer dabei waren.
Die Tatorte lagen alle nah beieinander: In Spexard und Sundern innerhalb eines Radius’ von kaum mehr als einem Kilometer. Zwei Mal stiegen die Kinder und Jugendlichen in die Heidewaldschule ein, drei Mal in den Second-Hand-Laden der Arbeitslosenselbsthilfe an der Wilhelmstraße, ein Mal ins Kolping-Bildungszentrum an der Osningstraße, ein Mal in die Kindertagesstätte Vogelsbergstraße und drei Mal in die Kita Wöstmannsweg – wobei es in der letztgenannten Einrichtung in allen drei Fällen beim Versuch blieb.
"Die kriminelle Energie, die die Täter an den Tag legten, war erheblich", sagte Stehrenberg. An der Heidewaldschule, wo sie ein Fenster einschlugen, nahmen sie etwa die Originalschlüssel mit, auf dass sie es beim nächsten Mal einfacher hätten.
Als Diebesgut hatten es die Vier hauptsächlich auf Computer, Computerteile und Bargeld abgesehen. Das Bargeld teilten sie untereinander auf.