Gütersloher Orthopäden gründen Kompetenzzentrum am St. Elisabeth-Hospital
Gütersloh. Die Gütersloher Orthopäden schließen sich zusammen. Gleich sechs Fachärzte gründen im Herbst eine neue orthopädische Gemeinschaftspraxis am St. Elisabeth-Hospital. Dr. Gerd Fuhrmann, einer der sechs, sprach gestern von einer "Medizin der kurzen Wege".
"Die Bündelung bringt viele Vorteile mit sich", sagte der 53-Jährige. Austausch von Wissen, gemeinsame Verwaltung, effiziente Auslastung teurer Geräte – der Zusammenschluss sei medizinisch wie wirtschaftlich gleichermaßen sinnvoll. "Beide, Ärzte und Patienten, werden davon profitieren."
Die Gemeinschaftspraxis entsteht im neuen Ärztehaus, "Elisabeth-Carré" genannt. Im November war für den 14-Millionen-Bau Richtfest gefeiert worden. Außer den Orthopäden lassen sich dort Therapeuten, Dienstleister und weitere Fachärzte nieder. Zu den Nutzern zählen auch sämtliche 16 Augenärzte im Kreis Gütersloh; sie betreiben im Hospital ein Augendiagnostikzentrum, das wegen des größeren Platzangebotes ins Carré umziehen wird. Nicht von ungefähr hatte Krankenhaus-Geschäftsführer Dr. Stephan Pantenburg beim Richtfest von einem "Campus" gesprochen.
In der neuen orthopädischen Gemeinschaftspraxis schließen sich sechs Fachärzte zusammen: Dr. Gerd Fuhmann und Dr. Karl-Dieter Meis, Dr. Thomas Gräber, Dr. Elisabeth Leineweber und drs Martin Podzimek sowie Dr. Ulrich Meyer. Von den klassischen Orthopäden ist als einziger lediglich Dr. Knut Hermjacob außen vor; er behält seinen Arztsitz in der Ernst-Buschmann-Straße am Kolbeplatz, pflegt aber weiter den Austausch mit seinen Fachkollegen und gehört der schon länger bestehenden Arbeitsgemeinschaft für Knochenerkrankungen an.
Bleiben wird auch der Praxisstandort Meis/Fuhrmann am ZOB. "Die Zentrumsnähe und Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sind wichtig, das wollten wir nicht aufgeben", sagte Fuhrmann. Eine Praxis an zwei Standorten – seit einigen Jahren ist das möglich. "Wer wann wo arbeitet, wird im einzelnen noch festgelegt."
Das Sechser-Team behandelt in der neuen Gemeinschaftspraxis alle orthopädischen Erkrankungen; dank kurzer Wege wollen sie zu einer möglichst schnellen und exakten Diagnose kommen. Laut Dr. Elisabeth Leineweber ist die Fachkompetenz weit gespannt: Sie reicht von der klassischen Orthopädie über Osteopathie, chinesische Medizin, Rheumatologie und Kinderorthopädie bis hin zu ambulanten und stationären Operationen. Um das gemeinsame Wissen zu nutzen, tauschen sich die Kollegen – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt – regelmäßig in Fachkonferenzen aus.
"Wir freuen uns auf die Teamarbeit", sagte Leineweber. Dabei müsse niemand befürchten, seinen ihm bekannten Arzt zu verlieren. "Jeder, der möchte, soll bei seinem Doktor bleiben. Wir halten das persönliche Vertrauen des Patienten für sehr wichtig." Daran solle auch die größere Praxis nichts ändern; darin grenze man sich im übrigen auch von den medizinischen Versorgungszentren (MVZ) ab.
Leineweber und Fuhrmann betonten, dass durch die Zusammenlegung die neue Gemeinschaftspraxis optimal mit Geräten ausgestattet sei; etwa für Röntgen, Knochendichtemessung, Ultraschall, Stoßwellentherapie und einem Labor.
Sorgen, die enge Anbindung ans Krankenhaus führe dazu, dass mehr operiert werde, wiesen die beiden Ärzte zurück. "Wir sind unabhängig und nicht Teil der orthopädischen Hospitals-Abteilung. Wir sind auch nicht dazu da, für eine Auslastung von OP-Sälen zu sorgen." Fuhrmann betonte, dass ihm und seinen Kollegen vielmehr daran gelegen sei, das breite und künftig noch breitere Spektrum an Behandlungsoptionen zu nutzen – möglichst ohne OPs.