Gütersloh. Schlittschuhlaufen auf dem Linteler See, das wollte Ina Oenning. Für 14 Uhr hatte sich die Gütersloherin mit ihrer Freundin verabredet. Vorher wurde sie am Brockweg aber erstmal gebremst. Etwas zu schnell war die 54-Jährige unterwegs – und nicht die Einzige, die sich derart aktiv am landesweiten Blitzmarathon beteiligte. Da Oenning von der Aktion wusste, war sie etwas verärgert, nahm den unfreiwilligen Stopp aber gelassen: "Mit den 20 Euro kann ich leben."
So wie Oenning reagierten die meisten Autofahrer, die der Polizei mehr oder weniger zügig vor die Laserpistole, die Radarfalle oder den Einseitensensor (ESO) kamen. An insgesamt 40 Stellen im Kreisgebiet – davon zwölf in der Stadt Gütersloh – unterbrach die Polizei echte Raserei oder gemäßigtere Schnellfahrten. Mit acht Laser-Teams, vier Radarwagen und einem Einseitensensor war die Gütersloher Polizei im Einsatz, an dem sich auch Kräfte der Stadt und des Kreises Gütersloh beteiligten.
Wann die Polizei blitzt, liegt auch im Ermessen der Beamten. Am Brockweg im Süden Kattenstroths, jenseits der Autobahn-Überführung Richtung Lintel, streckt Marcus Grob ab Tempo 64 seine Kelle raus, um die Temposünder beiseite zu lotsen. Erlaubt ist hier Tempo 50. Abzüglich der drei Kilometer, die als Toleranz abgezogen werden, macht dies für alle hier Erwischten bis zu einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 15 Stundenkilometer 20 Euro.
Bei 16 bis 20 km/h mehr sind 30 Euro fällig. Richtig teuer wird’s für einen 33-jährigen Gütersloher, der mit 90 in die Falle ging und "es einfach ziemlich eilig hatte". Da hilft auch die Toleranz nicht mehr: 37 Stundenkilometer kosten 120 Euro und bringen drei Punkte. Auch er hatte von der großen Kontrollaktion gehört, sie dann aber vergessen.
Vorher stand das Blitz-Team vom Brockweg am Stadtring Kattenstroth. In zwei Stunden gab’s dort zwei Ordnungswidrigkeiten (ab 21 Stundenkilometer zu schnell) und 16 Verwarngelder (bis 20). Auch wenn es dem obersten Kontrollbeauftragten des Landes, Innenminister Ralf Jäger, nicht ums Geld geht, sondern darum, Geschwindigkeit als Unfallursache Nummer eins in den Fokus zu rücken, war da ein anderer Austragungsort der Blitzaktion weitaus ertragreicher: An der Brockhäger Straße in Niehorst wurden in der Frühschicht von 6 bis 11.30 Uhr 223 Tempoverstöße gezählt. Die Polizei hatte ihren Einseitensensor im Bereich zweier Bushaltestellen gestellt, für den die Anwohner häufige Tempokontrollen fordern, sagt Jens Wohlfeil, Einsatzkoordinator für Gütersloh.
Doch nicht immer wurden Fahrer angehalten, weil sie zu schnell waren. Ein 44-Jähriger war nicht angeschnallt und telefonierte am Steuer – und zwar mit seiner Frau. Diese kennt ihren Mann offenbar gut. Sie wollte ihn warnen, allerdings vor einer Blitzaktion an anderer Stelle.