Gütersloh. Schlittschuh laufende Kinder, Männer, die mit Eishockeyschlägern einen Puck voran treiben - ja ganze Familien sind auf dem zugefrorenen Regenrückhaltebecken des Reinkebachs in Avenwedde und genießen das eiszeitliche Vergnügen. Bei der Eisdicke von 20 bis 25 Zentimetern und dauerfrostigen Temperaturen besteht derzeit noch keine Gefahr, einzubrechen. Doch dies kann sich schnell ändern. Und für den Fall, dass es doch passiert, haben am Samstagnachmittag die Rettungstaucher der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) trainiert.
Unter Eis gehen speziell ausgebildete Rettungstaucher der drei Tauchgruppen der DLRG im Kreis Gütersloh aus Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Verl. Bezirkstauchleiter Udo Spiekermann protokolliert dabei jeden einzelnen Tauchgang. Immerhin hat jeder einzelne Rettungstaucher für jedes Jahr fest vorgeschriebene Übungszeiten nachzuweisen. "Ich muss zusehen, dass meine Taucher in Übung bleiben", sagt Spiekermann.
Die größte Gefahr beschreibt Spiekermann dabei ganz einfach und doch äußerst anschaulich: Taucher können unter einer geschlossenen Eisdecke nicht nach oben. Daher gehe es vor allem um die "mentale Stärkung", mit dieser Situation umgehen zu können.
Geprobt werden zwei Szenarien. Im ersten Fall wird simuliert, wie eine Person ins Eis eingebrochen und unters Eis getrieben ist. Dafür nimmt ein Taucher eine Dummy-Puppe und versteckt sie unter dem teils mit Schnee bedeckten Eis. Danach geht’s für die Kollegen an die Suche. Diese läuft halbkreisförmig, ausgehend von der Einstiegsstelle. Jeder Taucher hat dabei eine Leine, deren anderes Ende der Signalmann in der Hand hält. Unter Eis schwimmt der Taucher in einem gewissen Abstand zum Loch von einer Seite zur anderen. Der Signalmann beobachtet ganz genau die Position der Leine, die vom Taucher gleichmäßig gezogen wird, so dass sie immer straff gespannt ist. Bewegt sie sich nicht weiter, so ist zu vermuten, dass sie an einem unter der Oberfläche treibenden Körper festsitzt.
Im zweiten Szenarium wird die Suche nach einem Rettungstaucher geprobt, dessen Leine gerissen ist. Ohne diese Verbindung fehlt dem Taucher unter dem Eis jegliche Orientierung.
"Bisher gab es bei uns noch keinen Fall, in dem jemand tatsächlich eingebrochen ist", sagt der DLRG-Vorsitzende Hans-Dieter Hucke. "Aber wir haben hier auch nur selten solches Eis." Zuletzt sind die Taucher, die diese Eiseskälte nutzen, vor drei Jahren an gleicher Stelle untergetaucht.
Dafür gab es einmal eine Art halbechten Einsatz, sagt Spiekermann. Neben einer Einbruchstelle im vereisten Teich im Mohns Park wurde ein Kinderschuh gefunden. Doch die Suche blieb in diesem Fall - so muss man es sagen - glücklicherweise erfolglos. Später meldete sich eine Familie, deren Kind tatsächlich eingebrochen war. Es konnte sich jedoch selbst retten und war dann nach Hause gelaufen.