Gütersloh. Es wäre der ideale Abend, um einfach entspannt zu feiern. So hatte sich André I. Schnakenwinkel das gedacht. Während er als Chef der Gütersloher Schützengesellschaft den Winterball sonst immer organisiert, konnte er sich dabei zurücklehnen. Doch dann musste der Schützenkaiser immer wieder ran. Und einerseits mit seiner Frau, andererseits mit dem Ball tanzen. Was bei dem Motto "Schwarz-gelbe Nacht" aber nicht überraschte.
Zur Halbzeit des Programms köpfte er sich mit Ballartistin Aylin Yaren die Kugel zu. Unter dem schwarzen Jackett trug er mittlerweile das BVB-Jersey mit der Nummer 23, das von Shinji Kagawa, der am Samstag das 1:0 gegen Leverkusen geschossen hat. Zuvor war Yaren mit dem Trikot aus dem Bestand des Oberschützen aufgelaufen.
Schwarze und gelbe Stoffbahnen überall im Saal, gelbe Tulpen auf den Tischen. Die Erwartungen an eine Borussia Dortmund huldigende Feier wurden nicht enttäuscht. Nur war im Gegensatz zur dauerausverkauften Dortmunder Arena die Gästezahl in der Stadthalle überschaubar. Mit 400 bis 450 Ballfreunden waren es etliche weniger als 2011 mit 520. Vielleicht lag’s am Motto, sagte Schnakenwinkel. Doch er feiere auch mit wenig Gästen.
Hauptsache, die Stimmung ist gut - und das war sie. Vor allem beim Kaiser, dem Moderator Jürgen Lutter von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eine VIP-Einladung ins Stadion in den Saal brachte.
Auch an der Garderobe gingen die Modefarben des Abends nicht vorbei: schwarzer Anzug und gelbe Krawatte für die Herren, schwarz-gelbe Kleider für die Damen. Wobei der Kimono-Stil von Kaiserin Britta I. Schnakenwinkel besonders ins Auge fiel - und mit dem Trikot des Japaners Kagawa eine asiatische Klammer bildete.
Doch da bei dem vierten Motto-Winterball nicht alles fußballgetränkt war, sorgten auch andere Punkte für einen Kick. Neben Ballzauberin Yaren waren dies das Gloria Sextett und der wortgewaltige Hofnarr Oliver Tissot, der seiner Majestät gehörig den Spiegel vorgehalten hat. So seien Schützen wie Popstars und müssten sich auch so verhalten. Was er damit meinte? Sie sollten die Gläser an die Decke pfeffern und an die Stadthalle pinkeln. Schnakenwinkels große Sause als Anlass zum Abriss - wozu sich die Politik nicht durchringen würde.
Was im Aufruf zur Revolte endete, hatte ganz klassisch begonnen. Zum Auftakt hatte das Kaiserpaar gewienerwalzert - und viele Ballgäste machten gleich in der ersten Runde mit. Weiter ging’s mit Discofox, Twist, Rumba, Polonäse undundund.