Herford/Köln. Es war ein Fall, der vor 20 Jahren wegen seiner Brutalität bundesweit für Aufsehen sorgte: Am 12. Dezember 1989 wurde im Großraum Köln der 61-jährige Werkzeugmacher Ivan Pusnik ermordet aufgefunden. Der oder die Täter, so die Ergebnisse der Mordkommission, hatten das Opfer bei Düren zwei Tage zuvor gefesselt und getötet. 20 Jahre lang blieb diese Tat ungesühnt.
Doch nun wurden die Täter gefunden. Den Hinweis lieferte ein Herforder Polizeibeamter. Entscheidend für die Lösung des Kriminalfalls war ein fast 20 Jahre alter Bericht des Polizeioberkommissars Uwe Döpking, der mit dem dreiseitigen, schriftlichen Vermerk den Hinweis auf das verdächtige Duo aus dem Kölner Rotlichtmilieu gab.
Spätere DNA-Tests und ein Geständnis der inzwischen 35 Jahre alten Täterin klärten die Bluttat auf. Manfred und Andrea K. sitzen nun wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Mordes in Untersuchungshaft.
Aufgemerkt nach Fernsehsendung
Doch wie kam es zu dem entscheidenden Hinweis? Der 44-jährige gebürtige Löhner, der nach seinem Realschulabschluss zur Polizei ging, arbeitete von 1986 bis 1990 in Köln. Und das Täterpaar im Fall Pusnik war Döpking durch seine Einsätze rund um den Kölner Hauptbahnhof bekannt.
Als er am Abend des 1. Juni 1990 die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY-ungelöst" im ZDF sah, zeichneten sich für den Polizeibeamten sofort Parallelen ab. Uwe Döpking: "Ich hatte eine Woche vor der Ausstrahlung die beiden Tatverdächtigen überprüft. Dabei war mir aufgefallen, dass sich der Mann die Haare kurz geschoren und die Frau falsche Personalien angegeben hatte, obwohl sie mich kannte. Das im Fernsehen gezeigte Phantombild erinnerte mich stark an den Mann, als er noch längere Haare trug."
Der Polizist dokumentierte seinen Verdacht gegen die damals 15 und 20 Jahre jungen, mutmaßlichen Täter in einem dreiseitigen Vermerk. Das spätere Ehepaar rückte damit ins Visier der Kölner Ermittler. Doch die kriminaltechnische Forschung war vor 20 Jahren längst nicht so ausgereift wie heute.
Wo Uwe Döpking die Verdächtigen sah
Wie die Bielefelder Mordermittler gehen auch die Kölner Kriminalisten immer wieder ungeklärten Fällen nach, denn Mord verjährt nicht. Zu den früher üblichen Faserspuren und Fingerabdrücken gesellt sich heute ein weiteres Verfahren: Der DNA-Test, bei der das Erbgut aus Körperzellen einen Täter überführt. Das DNA-Material hatten die Ermittler damals unter den Fingernägeln des Opfers gesichert. Das Material wurde nun von Spezialisten des Landeskriminalamtes isoliert.
Vor wenigen Wochen Post bekamen deshalb Andrea K. und Manfred K. Post von der Justiz. Es war eine Vorladung zum DNA-Screening für das Ehepaar, das mittlerweile den Ausstieg aus dem Drogensumpf geschafft hatte und im Kölner Stadtteil Dünnwald lebte.
Der DNA-Test aus dem Jahr 2009 ließ keine Zweifel mehr zu: "Wenn der Kollege den Vermerk nicht gemacht hätte, dann wären die Namen des Paares gar nicht in der Akte gelandet, somit wären sie auch 20 Jahre nach dem Mord nicht zum Speicheltest geladen worden", lobt Polizeioberrat Christoph Keller den Oberkommissar Uwe Döpking.
Jugendstrafrecht greift
Nachdem der 40-jährige Manfred K. im April von der Polizei zu einem Speicheltest gebeten worden war, wuchs der Druck auf das Täterpaar. Seine Frau, Andrea K., stellte sich der Polizei und legte ein Geständnis ab. Beide werden wohl nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.
"Fühlen Sie sich nie sicher, die Polizei arbeitet nachhaltig an allen Fällen." So lautet die von Landrätin Lieselore Curländer formulierte Botschaft der Polizei an alle Straftäter, die noch nicht gefasst wurden.