Düsseldorf/Bielefeld. Kai von Bargen wirkt immer aufgekratzt. Stets hat er einen flotten Spruch auf den Lippen. Er liebt luxuriöse Autos, schöne Frauen – und seine Karriere. Diese hat jetzt einen Knick bekommen.
Kai von Bargen (43), in Herford geboren und in Ostwestfalen-Lippe einst Radio-Chefredakteur, hatte zuletzt beim Düsseldorfer Konzern Henkel (Persil) den Sprung in die Kommunikations-Abteilung geschafft. Dort besaß er direkten Kontakt zum Vorstand und ließ sich nicht selten in der High Society sehen. Doch nun ist Kai von Bargen abgestürzt. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Urkundenfälschung und Betruges, wie ihr Sprecher Johannes Mocken dieser Zeitung bestätigte. Von Bargen habe die Ermittlungen durch eine Selbstanzeige am 19. Oktober dieses Jahres ausgelöst. Diese lese sich "wie ein Drehbuch zu einem Krimi".
Es geht um einen gewaltigen und dreisten Millionenbetrug, den von Bargen zusammen mit dem einschlägig bekannten Düsseldorfer Hochstapler Willy L. (55) begangen haben soll. Dabei soll eine Hamburger Vermögensberatung, eine sogenannte Factoring-Gesellschaft, um 19,7 Millionen Euro geprellt worden sein, indem ihr wertlose Forderungen verkauft wurden. Nach Angaben von Mocken wurden die Forderungen auf Briefköpfen des Henkel-Konzerns gedruckt und mit der gefälschten Unterschrift des Henkel-Vorstandsvorsitzenden versehen, um ihnen einen besonders seriösen Anschein zu geben. Es bestehe der Verdacht, dass von Bargen, der Zugang zu den Henkel-Geschäftsräumen hatte, die Briefbögen besorgt und die Unterschriften gefälscht habe, sagte Mocken der Neuen Westfälischen.
Vorwürfe zurückgewiesen
In einem Interview mit dem Express wies von Bargen die Vorwürfe zwar zurück. "Ich habe weder betrogen noch gefälscht", sagte er. Die Ermittler glauben diese Einlassung allerdings nicht. Sie sind überzeugt, dass von Bargen auch finanziell "nicht unerhebliche Vorteile" von dem Millionenbetrug hatte. Laut seiner Selbstanzeige will er nur dadurch profitiert haben, dass er mal einen Aston Martin oder Ferrari von Willy L. fahren durfte.
Dieser soll von dem angerichteten Schaden beim Hamburger Unternehmen bereits zehn Millionen Euro zurückgezahlt haben. Nach Medienberichten hatte Willy L., ein gelernter Gerichtsschreiber, unter dem Namen "Dr. Maximilian Jung" bereits in den 90er Jahren zahlreiche Prominente genarrt und einen Schuldenberg von umgerechnet sechs Millionen Euro hinterlassen.
Betrügereien über Scheinfirmen abgewickelt
Er wurde zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt, blieb aber auf freiem Fuß, weil er damals einen Teil des Geldes zurückzahlte und schwer erkrankte. Die aktuellen Betrügereien sollen über Scheinfirmen in Düsseldorf, Roermond und Zürich gelaufen sein, schreibt der Express. In einer der Firmen sei von Bargen alleinverantwortlicher Geschäftsführer gewesen.