Herford. Wenn der Demenzkranke auf seinem Spaziergang stürzt, gibt der Airbag-Sensor an seinem Körper Alarm. Über eine Notrufsäule wird das Signal an einen Zentralrechner weiter gegeben, der das Pflegepersonal über den Unfall und zugleich über den Standort des Gestürzten informiert. So kann schnell geholfen werden.
Die Entwicklung eines solchen Sturz-Erkennungssystems gehörte zu den Aufgaben einer Studentengruppe der Fachhochschule Bielefeld.
Die angehenden Informationstechnik-Ingenieure sollen die Idee des "intelligenten Hauses" (smart home) zum "safe home" (sicheres Haus) weiter entwickeln. "Dabei sollen nicht teure Neuentwicklungen angestoßen, sondern am Markt verfügbare technische Komponenten verwendet werden", betont Projektleiter Professor Christian Schröder.
Die Studenten recherchierten, planten und testeten nicht nur für ihre Prüfung. Sie hatten auch einen praktischen Bezug: Das Herforder Wohnprojekt "Wohnen und Leben am Pöppelmann-Wall" der katholischen Stiftung Haus Bethlehem, in dem neue Formen des Zusammenlebens der Generationen ermöglicht werden sollen.
Mit-Studenten der Fachbereiche Pflegewissenschaft und Architektur hatten sich als Teil ihres Studiums bereits mit dem kürzlich mit 100.000 Euro Prämie ausgezeichneten Projekts befasst. Jetzt waren als Dritte im Bunde des interdisziplinären Vorhabens die Elektrotechniker an der Reihe.
Eine Gruppe betrieb Basisforschung und stellte zusammen, welche Techniken für Bad, Beleuchtung, Schalter und Taster, Türsicherung, Sprechanlagen, Fenster und Jalousien derzeit überhaupt verfügbar ist. Eine andere tüftelte ein Ortungssystem für demenzkranke Menschen aus.
Die dritte nahm sich das Thema Sturz-Erkennungssystem vor. Dabei stützten diese Studenten sich auf die Airbag-Technik. Airbag-Sensoren messen verlässlich die Beschleunigung beim Fall - und haben den Vorteil, als Massenprodukt nicht viel zu kosten. Das Ortungssystem beruht dagegen auf aus der Lager-Logistik entlehnter Technologie, die ebenfalls relativ preiswert zu haben ist. "Es entstand "ein leicht zu bedienendes Ortungssystem mit hoher räumlicher Auflösung (20 Zentimeter), mit dem auch Gefahrenzonen im Wohnraum markiert werden können", erläutert Hubert Meißner, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachhochschule und Vorstandsmitglied der Stiftung Haus Bethlehem.
Auch dieses System kann erkennen, wenn jemand gestürzt ist. Zugleich ermöglicht es Kontaktaufnahme per Funk, schaltet Licht an und aus, ver- und entriegelt Türen und kann Licht (etwa Lichtbänder) als Orientierungsmittel für die Demenzkranken einsetzen.
Dem Vorstand der Stiftung Haus Bethlehem haben die Ergebnisse der Studenten so gut gefallen, dass sie eine Prämie von 2.400 Euro auslobten - 200 Euro für jeden Studenten.
Ihre Studien sind Teil eines von Professor Schröder geleiteten Projekts ("Bielefeld Safe Home Project"), in dem "vernetzte, intelligente seniorengerechte Assistenztechnologien entwickelt und im Labor sowie in Fallstudien erprobt und evaluiert werden". Die Bielefelder sind dabei nicht allein unterwegs: Sie arbeiten mit der Iowa State University in den USA zusammen.