NW-Leser bemängelt Blockade von Behindertenparkplätzen: "Missachtung von Rechten Behinderter"
Herford. Als Missachtung von Behindertenrechten empfindet es NW-Leser Reinhard Lücking, dass gleich zwei Verbrauchermärkte Parkplätze für Behinderte entweder mit einer Würstchenbude oder mit einem Fahrradständer blockieren.
Lückings Ehefrau leidet an Multipler Sklerose (MS), kann sich nur sehr langsam fortbewegen, und das auch nicht lange. Jeder Meter, den sie weniger zum Auto gehen muss, ist für sie wertvoll. Noch selbst einkaufen zu können ist für die Frau wichtig.
"Vor dem Markant-Markt an der Mozartstraße", schildert Lücking die Situation, "gibt es zwei Behindertenparkplätze, auf einem davon steht jetzt eine Holzbude." Auf der linken Seite des zweiten Parkplatzes befindet sich das Häuschen mit den Einkaufswagen.
Markant-Geschäftsführer Oliver Näthe ist überrascht, weil ihn noch niemand persönlich darauf angesprochen hat. Näthe sagt: "Vom Gesetz her müssen wir nur einen Parkplatz für Behinderte bereitstellen, was wir ja trotz der Bude immer noch tun." Außerdem würden viele seiner Kunden mit einer Behinderung lieber die normalen Parkplätze gegenüber des Eingangs nutzen, die sowieso schon sehr breit dimensioniert seien.
Doch zwischen diesen Flächen und dem Eingang befindet sich ein Fahrstreifen für Autos, den es zu überqueren gilt - für manche Menschen mit einer Behinderung nicht immer leicht zu bewerkstelligen. Zudem sind eingangsnahe Stellflächen naturgemäß ständig belegt.
Ähnlich ist es beim E-Center an der Salzufler Straße. Auch dort habe es Lückings Frau schwer. Hier steht auf einer als Behindertenparkplatz gekennzeichneten Fläche ein überdachter Fahrradständer, keine zehn Meter vom Eingang entfernt und zudem auf der Gebäudeseite. Zwar befindet sich dahinter noch ein entsprechend gekennzeichneter Parkplatz, doch hat man es als behinderter Mensch weiter zum Eingang als ein Radfahrer. Gegenüber des Ein-/Ausgangs sind zwei weitere Stellflächen ausgewiesen. Dazwischen ist ein Fahrstreifen für Autos. Die Geschäftsführung des E-Centers war bis Redaktionsschluss wegen einer Tagung nicht erreichbar.
Die Behindertenbeauftragte der Stadt Herford, Martina Nickles, sagt: "Es ist wünschenswert, dass Marktbetreiber Parkflächen für behinderte Menschen nahe am Eingang ausweisen, ohne dass diese Personen von anderen gefährdet werden können." Eine Handhabe hat die Stadt nur bedingt. "Eine Baugenehmigung wird nur erteilt, wenn Behindertenparkplätze ausgewiesen sind. Wie viele, hängt von der Verkaufsfläche ab. Wo sich diese Stellflächen befinden, bleibt dem Betreiber überlassen", sagt Pressesprecher Dr. René Schilling.
Markant-Geschäftsführer Oliver Näthe lädt das Ehepaar Lücking zu einem persönlichen Gespräch ein. "Dass das Holzhäuschen dort steht, hat technische Gründe, die mit dem Stromanschluss zusammenhängen." Näthe verspricht ferner, sich Gedanken über einen anderen Platz für das Häuschen zu machen.