Justizvollzugsanstalt ist sicherer geworden und will mehr für Wiedereingliederung tun
Herford. Viele gute Nachrichten aus dem Jugendgefängnis: Mit 19 (bekannt gewordenen) Gewaltdelikten ist es hinter Mauern und Stacheldraht verhältnismäßig friedlich zugegangen, die Auslastung des 126 Jahre alten Hauses ist verbessert worden (von 330 im Vorjahr auf aktuell 341) und die Freizeitangebote konnten erweitert, die Betreuung der Straftäter zwischen 16 und 23 Jahren intensiviert werden.
Auch der Umsatz über das Internetportal www.knastladen.de läuft gut: 16.000 Euro betrug der Erlös der begehrten "Knast-Produkte". Und von den 343 "Urlaubern" kehrten nur zwei nicht freiwillig zurück. Der Ausländeranteil stieg gegenüber dem Vorjahr um 6 Punkte auf nun 26 Prozent, sieben Gefangene kamen in den Genuss der Weihnachtsamnestie.
Nur eine bittere Pille gilt es zu schlucken: Nachdem ein wichtiger Auftraggeber nicht mehr in der JVA fertigen lässt, sind 80 Arbeitsplätze weggefallen, der Kundenumsatz auf die Hälfte (eine halbe Million Euro) geschrumpft. Um neue Auftraggeber bemühen sich Anstaltsleitung und JVA-Beirat derzeit.
Größter Ausbildungsbetrieb im Kreis Herford
An die Stelle der entfallenen Arbeitsplätze trat inzwischen das Projekt "Berufsinformationsbereich". Hier werden die Inhaftierten in den Sparten Holz-, Metall- und Malerarbeiten qualifiziert. "Höher als niederschwellig, aber noch nicht auf dem Niveau einer Ausbildung", sagte Jungeblodt. Viele der einsitzenden jungen Männer brächten ungeahnt positive Lebensaspekte mit, die man suche und entsprechend fördere. "Insgesamt sehen wir uns aber als größter Ausbildungsbetrieb im Kreis Herford gut positioniert", sagte die stellvertretende JVA-Leiterin am Samstag beim traditionellen Jahresrückblick anlässlich des Weihnachtsbasars in der Direktorenvilla. Dort bewies sich wieder einmal die Zugkraft der "Knast-Produkte" mit dem stabilen Grill als Verkaufsschlager.
Abgeschlossen wurde die Sanierung der Gärtnerei (Volumen 200.000 Euro) und die Erweiterung der Sporthalle für 565.000 Euro. "Die Freizeitangebote sind in der Öffentlichkeit umstritten, das wissen wir", sagte Jungeblodt, "aber die jungen Leute müssen beschäftigt werden, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen." Die Einstellung von drei zusätzlichen Pädagogen für diesen Bereich habe sich als sinnvoll erwiesen, sagte die Stellvertreterin von JVA-Chef Friedrich Waldmann. Sechs Ruheständlern im abgelaufenen Jahr stehen vier Neueinstellungen gegenüber.
Ein neues Theaterprojekt , die frisch gegründete und siegreiche Football-Mannschaft "Black Devils", die Unterstützung des Vereins "Rad und Tat", sowie eine verbesserte Buchausleihe und Hörbücher für "nichtkooperative Insassen" hätten die Stimmung deutlich positiv geprägt.
Das Projekt "Begleitung nach Haft"
Der Beirat der Justizvollzugsanstalt ist die Brücke ins bürgerliche Leben. Unter dem Vorsitz des ehemaligen Arbeitsagentur-Leiters Dr. Thomas Baecker entwickelte er das auf fünf Jahre angelegte Projekt entlassene junge Straftäter bei der Rückkehr ins bürgerliche Leben nicht allein zu lassen. "Die kritische Zeit des Rückfalls liegt in den ersten sechs Monaten", sagte Baecker. Hier liege die Quote bei 90, sonst bei 30 Prozent.
Deshalb sollen in Absprache mit dem Justizministerium alle Städte und Gemeinden der Kreise Herford und Minden-Lübbecke Strafentlassenen Arbeit oder Ausbildung zumindest das erste halbe Jahr nach Strafverbüßung ermöglichen. "Dazu könnte es als Anreiz Hilfen der Arbeitsagentur geben", sagte Baecker. Weitere Partner könnten die Jugendhilfe Schweicheln oder das Innovationszentrum Fennel sein. Eine wissenschaftliche Begleitung durch die Uni Bielefeld ist angedacht. "So können wir erfolgreich im Bemühen sein, Straftäter zu resozialisieren."
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